Sachsenheim Holger Albrich ist neuer Bürgermeister

Sieger mit 54,6 Prozent der Stimmen: Sachsenheims zukünftiger Bürgermeister Holger Albrich mit seiner Frau Melanie und den Söhnen Philip und Lorenz (links) .
Sieger mit 54,6 Prozent der Stimmen: Sachsenheims zukünftiger Bürgermeister Holger Albrich mit seiner Frau Melanie und den Söhnen Philip und Lorenz (links) . © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Mathias Schmid 04.02.2019

Dass sie am Ende des Abends dem neuen Sachsenheimer Bürgermeister gratulieren dürfen, damit hatten viele der rund 250 Besucher im Großsachsenheimer Kulturhaus am Sonntag nicht gerechnet. Dort war das Wahlergebnis ab 18 Uhr offiziell bekanntgegeben worden. Für einen war es allerdings nicht unbedingt eine Überraschung: den Wahlsieger selbst, Holger Albrich. Laut vorläufigem Endergebnis erhielt er 54,61 Prozent aller Stimmen. Der erste Verfolger, Thomas Schärer, kam auf 34,69 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 50 Prozent.

Als die ersten drei Wahlbezirke auf die Leinwand projiziert wurden, ging ein Raunen durch Menge im Kulturhaus. Rund 58 Prozent der Stimmen entfielen auf Holger Albrich, Verwaltungsjurist, 48, aufgewachsen in Großsachsenheim. Für viele eine Überraschung, dass ein Kandidat tatsächlich die erforderliche absolute Mehrheit im ersten Wahlgang erreichen könnte. Albrich nahm das Ergebnis mit einem zufriedenen Lächeln entgegen. Es war der vielleicht entspannteste Moment für ihn seit rund zwei Monaten.

Denn seit der Bekanntgabe seiner Bewerbung Anfang November tourte er durch ganz Sachsenheim, von einer Veranstaltung zur nächsten. Vollgas-Wahlkampf. Albrich setzte bei der Bewerbung in Sachsenheim alles auf eine Karte, sprach im Wahlkampf vom „Lebenstraum“, in seiner Heimatstadt Bürgermeister werden zu wollen. Der wird ihm jetzt erfüllt. Am 1. Mai löst er Horst Fiedler, der nicht mehr zur Wahl angetreten war, ab.

Das starke Ergebnis von anfangs 58 Prozent schmolz noch leicht auf 54,6 Prozent zusammen. Doch es reichte trotzdem deutlich zum Sieg im ersten Anlauf. Er sei „überzeugt“ von seinem Erfolg gewesen: „Ich habe geglaubt, dass es im ersten Wahlgang reicht oder knapp an der 50-Prozent-Marke scheitert – wegen der Rückmeldungen, der eigenen Stimmung und meiner Beharrlichkeit und Kontinuität im Wahlkampf. Ich hatte das Gefühl, ich werde immer besser.“ Als erster von am Ende sieben Bewerbern hatte er sich am 10. November aus der Deckung gewagt. „Ich wollte früh zeigen: Hier ist einer, der will und der tut alles dafür. Ich habe einen langen Atem bewiesen. Den werde ich auch als Bürgermeister brauchen und haben“, verspricht er.

Viele Stimmen aus altem Kindi

In einer kurzen Rede dankte er seiner Frau, die die Familie in den vergangenen Wochen am Laufen gehalten habe, und seinen Söhnen. Aber auch den Bürgern, die an der Wahl teilgenommen haben – „auch denen, die mich nicht gewählt haben“. Am Montag, so der Stand vom Sonntagabend, wollte der zweifache Familienvater erst mal wieder zu seinem Job im Ministerium für Soziales und Integration in Stuttgart. Dort wird er aber nun seine Kündigung einreichen müssen. Was Albrich am Rande besonders freute: Im Wahllokal Regenbogen in Großsachsenheim holte er satte 61,8 Punkte. „Das war früher mein Kindergarten“, erzählte er.

Einziger kleiner Wermutstropfen: Im Kirbachtal knackte Albrich in keiner der fünf Wahlbezirke, die 50-Prozent-Hürde. Dort gewann Schärer sogar die beiden Wahlbezirke in Hohenhaslach und den in Häfnerhaslach mit 58,37 Prozent deutlich. Erklären konnte sich Albrich das nicht. „Ich habe sehr gute Wahlveranstaltungen dort gehabt.“ Und er versprach: „Ich werde mich noch mehr um die Belange des Kirbachtals kümmern.“

Unterschiedliche Reaktionen kamen von den Wahlverlierern. Der unterlegene Schärer gab mit Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses ein Schreiben an die Presse heraus. Er hätte mit der Niederlage zwar rechnen müssen, sei aber natürlich „enttäuscht, dass es nicht gereicht hat“. Er gratulierte Albrich und wünschte ihm „ein glückliches Händchen bei den großen Aufgaben, die auf ihn zukommen werden“. Er kehre „mit besten Erinnerungen an viele schöne Begegnungen“ nach Sigmaringen zurück.

Kauffrau Simone Gaiser, mit 4,38 Prozent der Stimmen Drittplatzierte, gab sich trotzig. Sie hätte sich „das Ergebnis schöner vorgestellt“, meinte aber: „Wenn Sachsenheim nichts verändern will, ist es eben so.“ Deutlich enttäuschter war Thomas Bay, der ebenfalls viel Arbeit in den Wahlkampf investiert hatte und mit 3,76 Prozent auf Rang vier kam. „Eine zweistellig Zahl hatte ich mir schon erhofft. Ich denke, dass viele Leute den Aspekt Verwaltungserfahrung stärker bewertet haben“, meinte der Sparkassenkaufmann.

Fahrlehrer Michael Sax, 1,27 Prozent, war „mit dem Ergebnis zufrieden“, auch wenn er sich „ein bisschen mehr erhofft“ hatte. Pädagoge Ulrich Raisch, 0,74 Prozent, nahm seine 44. Niederlage bei einer Bürgermeisterwahl relativ gelassen hin. Für Krankenschwester Heiderose Frankenhauser blieben 0,45 Prozent. Sie meinte aber dennoch: „Es war eine tolle Zeit.“ Sonstige, nicht gelistete Bewerber kamen auf 0,12 Prozent.

Wahlleiter Fiedler: Wahlbeteiligung „okay“

Mit 50,87 Prozent hatte es bezüglich der Wahlbeteiligung im Vergleich zur Wahl vor 8 Jahren eine deutliche Steigerung gegeben. Damals hatten 30 Prozent ihre Stimmen abgegeben. Freude löste das beim Wahlleiter und bis Ende April amtierenden Bürgermeister Horst Fiedler aber nicht aus. Denn 2011 war er gegen einen Phantom-Kandidaten angetreten, der im Wahlkampf nie sein Gesicht gezeigt hatte. Im Vergleich dazu gab es jetzt sieben Kandidaten, fünf davon allein aus Sachsenheim. Noch kurz bevor die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken bekannt wurden, hatte Fiedler, der am Sonntag seinen 62. Geburtstag feierte, verlauten lassen, dass alles unter 50 Prozent enttäuschend sei. Insofern stufte er die Wahlbeteiligung als „okay“ ein. bz

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