Sachsenheim Hoher Bedarf an Betreuung

Von Mathias Schmid 21.06.2018

Die Stadt Sachsenheim plant weitere Kindergartengruppen. An diesem Donnerstag im Gemeinderat will sie sich grünes Licht vom Gremium holen. Aktuell geht die Verwaltung bis 2024 von einem Fehlbedarf von zwölf Kindergartengruppen aus.

Aus Sicht der Verwaltung ist „ein mittelfristiger Ausbau der Kindertagesbetreuung unumgänglich“. Die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH (KE), die für die Stadt die Bedarfsplanung erstellt, empfiehlt die Schaffung elf zusätzlicher Kindergarten- und Krippengruppen bis 2024. Dann gehen die Zahlen nach aktueller Prognose wieder leicht zurück.

Sechsgruppige Einrichtung

Die Verwaltung will möglichst schnell eine neue sechsgruppige Einrichtung mit vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen planen. Zudem sieht es die Verwaltung als unumgänglich an, kurzfristig ein bis zwei neue Kindergartengruppen in Großsachsenheim in Container- oder Modulbauweise zu schaffen. Ebenfalls begrüßt die Stadt die Einrichtung einer dritten Waldkindergartengruppe.

Aus den aktuellen Anmeldezahlen für 2018/2019 zeichnet sich in Großsachsenheim ein akutes Platzdefizit bei den über Dreijährigen von rund 1,5 Kindergartengruppen (40 Plätze) ab. Kapazitäten bestehen hingegen in den Kindertageseinrichtungen in Häfnerhaslach und Ochsenbach. Durch die von der Verwaltung durchaus gewollte Konzentration bestimmter Betreuungsformen auf den Standort Großsachsenheim nehmen Familien aus anderen Stadtteilen Betreuungsplätze in Großsachsenheim wahr. Die Mehrzahl dieser Eltern fährt zur Arbeit ohnehin nach oder durch Großsachsenheim. In die andere Richtung klappt das nicht. „Familien aus Großsachsenheim einen Kinderbetreuungsplatz im Kirbachtal anzubieten, befriedigt zwar formell den Rechtsanspruch der Eltern, stellt aber in der Praxis häufig keine organisatorisch realistische Option für die Familien dar“, weiß die Verwaltung.

Mittelfristig gibt es laut Stadt verschiedene Möglichkeiten: Begrüßt wird der Vorstoß von Eltern und des Bezirksbeirats Kleinsachsenheim, eine dritte Waldkindergartengruppe mit 20 Plätzen zu schaffen. Für das Kindergartenjahr 2018/2019 musste knapp 20 Kindern abgesagt werden. Denkbar wäre laut Verwaltung eine Erweiterung auf dem Bestandsgrundstück in Kleinsachsenheim, ebenso eine zusätzliche Gruppe auf einem städtischen Grundstück in Kleinsachsenheim. Eine zusätzliche Gruppe auf dem Bestandsgrundstück in Großsachsenheim sowie Standorte auf Hohenhaslacher Gemarkung werden ebenfalls geprüft. Problem sind oft die Besitzverhältnisse. Vorteil des Waldkindergartens: Die Umsetzung braucht nur ein Jahr und viel mehr als ein Bauwagen und ein Sitzkreis aus Holzstämmen ist nicht nötig.

Ebenfalls eine Option für mehr Plätze ist eine neue Einrichtung nördlich des Kindergartens Spatzennest. Je nachdem, wie viel der privaten Fläche die Stadt erwerben könnte, wäre Platz für zwei bis sechs Gruppen. Hier sind kurz- und langfristige Lösungen denkbar. In den Fokus rückt auch wieder die Brachfläche der evangelischen Kirche in der Heinrich-Heine-Straße. Zwei bis vier Gruppen hätten hier Platz. Möglich ist auch ein Anbau im Vorgarten des Kindergartens Arche Noah. „Die (weitestgehend ungenutzte) Wiesenfläche“, so die Stadt, böte „Platz für einen ein - bis zweigruppigen Anbau in Container- oder Modulbauweise.

Erhöhung geplant, Einkommensstaffellung nicht

Auch 2019 wird es aller Voraussicht nach eine Erhöhung der Elternbeiträge in Sachsenheimer Kindertageseinrichtungen geben. Die  Verwaltung rechnet  mit einer durchschnittlichen  Beitragserhöhung um zirka fünf Prozent. Der Beschluss soll in der folgenden Gemeinderatssitzung fallen.

Dem Gemeinderat wird die Verwaltung am Donnerstag bereits vorschlagen, von einer einkommensabhängigen Staffelung der Elternbeiträge in den Kindertageseinrichtungen abzusehen. Es gibt datenschutzrechliche Vorbehalte, da bei dieser Variante die Einkommensverhältnisse offengelegt werden müssten. Das lehnen vor allem die kirchlichen Träger ab. Unterstützung für finanziell schwache  Familien  gibt es durch den Familienpass und die Wirtschaftliche Jugendhilfe. Zudem wäre laut Stadt zusätzliches Personal nötig, was rund 25000 Euro Mehrkosten pro Jahr verursachen würde. Selbst eine aus der Elternschaft initiierte Umfrage (ohne Anspruch  auf  Repräsentativität ) habe ein „klares Meinungsbild gegen die Einführung einkommensabhängiger Elternbeiträge“ abgegeben, betont die Verwaltung. msc

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