Schwerpunkt Trödel Hilfe, die aus allen Nähten platzt

Vereinsvorsitzender Jürgen Brett zwischen gespendeten Büchern im Gebrauchtwarenmarkt Vaihingen.
Vereinsvorsitzender Jürgen Brett zwischen gespendeten Büchern im Gebrauchtwarenmarkt Vaihingen. © Foto: Helmut Pangerl
Vaihingen / Mathias Schmid 03.11.2018

Am Mittwochvormittag ist es noch ruhig im und um den Gebrauchtwarenmarkt in Vaihingen, in dem der Förderverein Bulgarienhilfe und der Verein Menschen helfen Menschen gespendete Waren verkaufen. Der große Ansturm kommt am Mittwochnachmittag. Die Einnahmen aus dem Verkauf gehen an unterschiedliche Projekte in der Region und auf der ganzen Welt.

„Wenn ich um 15 Uhr die Tür aufmache, stehen schon 20 bis 30 Leute davor“, sagt Jürgen Brett, Vorsitzender von Menschen helfen Menschen. Im Laufe des Nachmittags füllt sich der Laden immer mehr. Alle wollen sie auf den 500 Quadratmetern Verkaufsfläche nach Schnäppchen Ausschau halten.

Verkehrschaos in Vaihingen

Das löst jeden Mittwochnachmittag rund um die Planckstraße 5 ein regelrechtes Verkehrschaos aus. „Bei uns ist alles vertreten – vom Asylbewerber bis zum Daimler-Fahrer“, berichtet Brett, „das Gros der Leute sind aber schon Geringverdiener.“ „Rappelvoll“, aber „normalerweise entspannt“ – beschreibt Brett die Situation, wenn sich die vielen Menschen durch die Gänge schieben.

Massenweise steht alles, was ein Haushalt braucht, ordentlich gestapelt in den Regalen, unzählige Klamotten hängen an den Ständern oder liegen aus. Daneben gibt es Bücher, Elektroartikel, Spiele, und, und und. Damit alles vorbereitet ist, wenn der Ansturm losgeht, trifft sich jeden Dienstagvormittag fast die komplette Mannschaft, um die neue Ware einzuräumen und den Markt herzurichten. Rund 40 Ehrenamtliche bringen sich für die Arbeit ein. „Wir haben viele Hausfrauen, aber auch Rentnerinnen. Männer sind es eher weniger“, berichtet Brett. Er selbst ist seit 1996 aktiv dabei, Kleidung für Bedürftige zu sammeln und zu verschicken. Angefangen hat alles ganz klein in einem Hauskreis der evangelisch-methodistischen Kirche. Die Motivation für den gläubigen Christen Brett: „Hilfe für den Nächsten, der kaum etwas hat.“ Ebenso groß wie der Andrang der Käufer, ist der der Besucher, die Spenden bringen. „Wir bekommen eigentlich fast zu viele Sachen“, betont Brett, „das muss erst mal alles verschafft werden.“ Für Warenannahme und -sortierung kommen daher noch einmal rund 400 Quadratmeter dazu. Aufwändig werden zunächst alle Waren gesichtet und vorsortiert. „Mittlerweile hält sich der Ausschuss in Grenzen. Die Leute wissen in der Regel, was sie bringen dürfen“, sagt Brett. Im Anschluss an die Warenannahme wandert alles in unterschiedliche Sortierstationen, wo die Waren für den Verkauf vorbereitet werden. Die verkaufsfertigen Waren landen in Bananenkartons und werden später in die Ladenregale verteilt. Freitags werden die gespendeten Textilien sortiert und für Versand und Verkauf vorbereitet.

Kleidung steht im Vordergrund

Menschen helfen Menschen ist für den Textilbereich zuständig. Seit 2016 gibt es dafür eine extra Sortierstation in der großen Lagerhalle. Rund 10 Prozent der gespendeten Waren gehen in den Verkauf. Dafür kommt das Kleiderteam montags zusammen, um Kleider, Schuhe und Wäsche auszupreisen und auf die Verkaufsständer zu hängen. Zirka 80 Prozent werden hauptsächlich über das Global Aid Network (GAiN) an Bedürftige, vor allem in osteuropäischen Ländern wie der Ukraine, verteilt. Die restlichen zehn Prozent sind Ausschuss. „Rund 3000 bis 3500 Bananenkisten verschicken wir mittlerweile pro Jahr“, berichtet Brett, „angefangen haben wir 1996 mit 300.“ Der Förderverein Bulgarienhilfe ist für alle anderen Waren im Gebrauchtwarenmarkt verantwortlich. Die Geldspenden aus dem Verkauf werden ebenfalls an regionale und internationale Hilfsprojekte verteilt.

Trotz niedriger Preise und dem wohltätigen Hintergrund ist auch der Gebrauchtwarenmarkt nicht vor Diebstahl gefeit. „Wir kriegen das schon mit, manchmal stehen beispielsweise alte Schuhe herum. Dann wissen wir, dass sich jemand einfach neue angezogen hat“, sagt Brett, „und in den Umkleidekabinen mussten wir den Teppich auf dem Boden rausnehmen, weil die Leute die Preiszettel darunter versteckt haben.“ Aktuell kommen die Ehrenamtlichen gar nicht hinterher mit dem Sortieren der Ware. „Wir hatten drei Wochen zu für den Weihnachtsaufbau. Da staut sich einiges an“, berichtet Brett.

Info Der Gebrauchtwarenmarkt in Vaihingen, Planckstraße 5, hat immer mittwochs, von 15 bis 19 Uhr, sowie jeden ersten Samstag im Monat, von 10 bis 16 Uhr, geöffnet.

Zwei Vereine, ein Ziel: Bedürftigen helfen

Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs begann ein „Arbeitskreis Bulgarienhilfe“ der evangelisch-methodistischen Gemeinde Waiblingen im bulgarischen Sumen eine Sozialstation aufzubauen, die von Deutschland aus mit Medizin, Nahrungsmittel und Kleidung, beliefert wurde. Der evangelisch-methodistische Hauskreis in Oberriexingen unterstützt seit 1996 die Waiblinger Aktivitäten mit einer eigenen Kleidersammlung. Ab 2003 gab es in Oberriexingen auf 70 Quadratmetern den Kronen-Flohmarkt. Dazu wurde der Förderverein Bulgarienhilfe gegründet. Ende 2004 wurde das Gebäude verkauft. Die Ehrenamtlichen zogen in die Planckstraße 5 nach Vaihingen. Aus ursprünglich 200 Quadratmetern Verkaufsfläche sind mehr als 500 geworden. 2010 wurde zusätzlich der „Verein Menschen helfen Menschen“ gegründet. Seit 2015 gibt es in der ehemaligen Lagerhalle auch eine Sortierstation für die Kleidung. Zuvor wurde bei Familie Brett zu Hause in Oberriexingen sortiert. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt heute nicht mehr in der Bulgarienhilfe. Mittlerweile unterstützen beide Vereine unterschiedliche regionale Projekte, wie die Diakonische Bezirksstelle Vaihingen, die Jugendhilfe Korntal, das Seehaus Leonberg oder die Hospizgruppe Vaihingen. Außerdem Projekte unter anderem in Albanien, Afghanistan und Afrika. msc

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