Sachsenheim Heiterer Schwabenrock im Kirbachtal

Begeisterten das Publikum in Häfnerhaslach: die Gruppe Wendrsonn.
Begeisterten das Publikum in Häfnerhaslach: die Gruppe Wendrsonn. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / RUDI KERN 29.02.2016
Ist die Band Wendrsonn angesagt, erobert sie Herz und Gemüt des Publikums im Sturm. Eine musikalische Wetteransage sozusagen, die beim Konzert in Häfnerhaslach dauerhaft hoch, heiter und rockig von der Bühne kam.

Es ist Schwabenrock pur, was die Mundartband Wendrsonn exzellent zu präsentieren weiß. Unwillkürlich dringen sie ins Ohr, die Melodien, die mit schwäbischen Texten versehen, frech und spritzig in Herz und Gemüt ihren Platz finden. Etwas schwierig vielleicht zu verstehen, für Angereiste aus dem niedersächsischen Jever, wie es am Samstag in der gut besuchten Häfnerhalle in Häfnerhaslach der Fall war. Und ist die Bühne groß genug, gibt es reichlich Bewegung, vor allem für Markus Stricker, den Kopf der Band, ein Heißsporn und Multiinstrumentalist, der mit dem einen oder anderen Tänzchen die Spielfreude unterstreicht.

Die Freude am Musizieren ist deutlich zu spüren, lässt die Funken von der Bühne bis zum Publikum sprühen. Fulminant gestaltete Wendrsonn bereits den Auftakt mit wahrlich rockigen Rhythmen wie beim Versprechen "Oiner goht noh", dem sprichwörtlichen "Dümmschde Baura" mit dem darin verpackten "Madrigal", bestehend aus schwäbischen Schimpfworten, sowie "Reigschmeckter", der laut Sängerin Biggi Binder nicht aus Hohenhaslach sondern aus Heilbronn kommen soll. Echte Ohrwürmer eben, die die Fans der 2005 gegründeten Gruppe bestens kennen.

Da kommen die Eigenarten schwäbischer Mentalitäten ebenso zum Tragen, wie die mitreißenden Elemente aus dem vielseitigen Rockbereich. Markus Stricker (Akkordeon, Gitarre, Ukulele, Tasteninstrumente und Gesang) lässt dabei in seiner Moderation eigene Schwänke aus früherer Zeit, Anekdoten sowie alte Sagen und Märchen aus den süddeutschen oder gar "ostschwäbischen" Gefilden wieder aufleben.

Bemerkenswert die musikalische Klasse und die vielfältige Instrumentierung. Anleihen aus der irischen Folkmusic, aus amerikanischen Folkstilen wie Zydeco oder dem Blues, aber auch überlieferte Klänge der Bauerntänze von einst, verarbeiten die sechs Musiker in ihren Liedern und Instrumentals. "Uff'm Wasa" führt da im Reggae-Rhythmus gefühlt in die Sommersonne, was aber in der Häfnerhalle beim alleinigen Chorgesang des Publikums durchaus textsicher rüberkam. Vollen Lobes ist darüber Frontfrau Biggi Bender (Gesang, Waschbrett, Flöte), die mit ihrer gefühlvolle Stimme Herz und Gemüt in den Songs gekonnt rüberbringt.

Grooviges Gerüst bilden der Bassist Ove Bosch, der mit seinen besungenen "Bettsoicherla" Freude bereitet, sowie Schlagzeuger Heiko Peter, der sich an seinem Drumset meisterlich zeigte, genauso wie bei der Soloeinlage mit dem Metalleimer. Virtuos spielt ebenso der Geiger Klaus Marquardt (auch Mandoline, Gitarre, Keybooard), der im Instrumental aus eigener Feder namens "Tritt sich fest" seine Klasse unter Beweis stellte. Dasselbe gilt für den Gitarristen und Banjo-Spieler Micha Schad, der, wie zu hören und zu sehen, die Songs im Repertoire zu veredeln wusste und so manches instrumentale Duell mit dem Geiger annahm.

Schwäbischer Folkrock mit Herz und Hirn ist es, was die Konzertbesucher im Sachsenheimer Stadtteil begeisterte. Deutlich mehr waren es übrigens als im Jahr zuvor, als Wendrsonn ebenfalls im Weinort des oberen Kirbachtals zu Gast war.

Das Publikum zog voll mit, sang und klatschte mit bei den Songs der Gruppe, sorgte für mächtig Beifall und letztendlich für eine lange Zugabe, die mit Wendrsonns schwäbischer Heimathymne "Do ben i dohoim" abschloss.

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