Sachsenheim Heiligenbergsee droht zu kippen

Der Wasserspiegel des Heiligenbergsees in Häfnerhaslach ist bedenklich zurückgegangen.
Der Wasserspiegel des Heiligenbergsees in Häfnerhaslach ist bedenklich zurückgegangen. © Foto: Helmut Pangerl
Sachsenheim / Carolin Domke 04.08.2018

Nicht nur die Bauern müssen bei diesen heißen Temperaturen um ihre Ernte fürchten, auch der Anglerverein Sachsenheim-Unterriexingen bangt in diesen Tagen um den Heiligenbergsee in Häfnerhaslach. Grund ist die langanhaltende Hitze und die Abnahme des Wasserpegels durch Verdunstung und Bewässerung der umliegenden Weinberge. Auf längere Sicht droht der See zu kippen.

Was des einen Freud ist, ist des anderen Leid: Laut Aussagen des Pressesprechers Frank Kapischke vom Anglerverein Sachsenheim-Unterriexingen könnten Besucher, die für eine Abkühlung von der Hitze im Heiligenbergsee schwimmen gehen, die vorherrschende Lage sogar verschlimmern. Momentan seien vor allem morgens vermehrt Blasen auf der Wasseroberfläche zu beobachten, die auf Faulgase hinweisen, sagt er.

Wasserpegel deutlich gesunken

„Die Gase entstehen vor allem in kleinen Gewässern, in denen bei heißen Temperaturen der Sauerstoffgehalt nicht ausreichend gebunden werden kann“, erklärt der Angler. Hinzu komme zum einen die Verdunstung und die Wasserentnahme der Wengerter für ihre Weinreben, die gerade jetzt mit der seit Wochen anhaltenden Trockenheit die Feuchtigkeit bitter nötig haben.

Die Verdunstung und die Wasserentnahme, die mit der Stadt geregelt ist, sorgen nun dafür, dass der Wasserpegel in dem See deutlich gesunken ist und sich der See immer weiter verkleinert. Sonnencreme von Badegästen könnte die Wasserqualität zusätzlich belasten. Diese Faktoren könnten nach Kapischkes Aussagen fatale Folgen für das Ökosystem haben: „Die Fische sterben und der See kippt.“

Zwischen der Stadt Sachsenheim und dem Anglerverein besteht seit Jahren ein Pachtvertrag, in dem unter anderem die Überprüfung des Gewässers und die Ordnungshaltung für den See geregelt ist. Zwar finden immer wieder Messungen der Wasserqualität statt, nachdem der See aber nicht als Badesee zugelassen ist, erfolge dies nicht in regelmäßigen Abständen, so Kapischke. Die geangelten Fische seien aber in einer guten Qualität, und die Faulgase, wie sie momentan im Heiligenbergsee auftreten, nicht gefährlich für den Menschen, erklärt er weiter. Die Faulgase seien bei hohen Temperaturen „ein normaler Vorgang“. Nun sei es allerdings so, dass sich die Verschmutzung „auf weniger Wassermasse verteilt“, was das Problem verstärkt.

Mit Pumpen nachhelfen

Wenn der Sauerstoffgehalt zu knapp würde und der See zu kippen drohe, müsse man mit Pumpen nachhelfen und Sauerstoff über Generatoren direkt einführen, einspritzen oder einpumpen, meint der Pressewart. Aber auch ein fallender Luftdruck bei einem Wetterwechsel könnte eine Gefahr für den Heiligenbergsee darstellen. „Es wäre gut, wenn der See wieder auf einen normalen Stand kommt, abgekühlt wird und sich mit Sauerstoff füllt“, so Frank Kapischke.

Warum das Wasser in einem See kippt

Ohne den Eingriff von Menschen würde im Lauf der Zeit ein See kippen und sterben. Am Anfang befinden sich in einem Seen nur wenige Nährstoffe, er ist oligotroph und phosphatarm. Das heißt viel Sauerstoff, wenig Pflanzen. Mit der Zeit steigt der Phosphatgehalt durch Verschmutzung von Lebewesen aller Art, die von außen in den See einwirken. Zum Beispiel Fische, Säugertiere, die trinken, Menschen und Hunde, die baden.

Ganz oben in einem See befindet sich die Nährschicht, in der sich Fische tummeln und Algen entstehen. Sterben Fische und sammelt sich Schmutz, fällt dieser zum Grund in die Zährschicht. Dazwischen befindet sich noch eine Kompensationsschicht, die für die Zirkulation sorgt. Sammelt sich nun mit der Zeit immer mehr Schmutz am Boden, kann der Austausch nur noch schwer erfolgen und die Zährschicht wächst an. Die Nährschicht nimmt in Folge ab und kann keinen Sauerstoff mehr aufnehmen. Reduziert sich wie beim Heiligenbergsee die Wassermenge, nimmt die Zährschicht den größeren Anteil ein und es kommt im Extremfall zum Sterben des Sees. cd

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel