Sachsenheim / Mathias Schmid  Uhr

Die Arbeit im Rathaus beginnt für Holger Albrich erst an diesem 2. Mai. Doch der 48-Jährige war auch schon an seinem ersten offiziellen Tag als neuer Sachsenheimer Bürgermeister äußerst aktiv – wenn auch in angenehmer Mission. Denn auf den Sachsenheimer Festen zum 1. Mai hieß es: Hände schütteln und ins Gespräch kommen. Die BZ hat ihn eine Zeit lang begleitet.

Einen angenehmeren Start in den neuen Beruf als Sachsenheimer Bürgermeister hätte sich Holger Albrich kaum vorstellen können: 19 Grad, Sonnenschein – so geht es gegen 11 Uhr los auf dem Krämermarkt in Hohenhaslach. Schon nach wenigen Metern wird er gestoppt. Hände schütteln, ein kurzer Plausch und weiter. Sohn Philip dauert das irgendwann zu lange. Er geht mit Mama Melanie schon mal vor, bestellt sich einen Crépes.

Der Papa begrüßt in der Zwischenzeit Alfred Xander, als Ortsvorsteher Hohenhaslachs sozusagen der Chef der Veranstaltung. Seit morgens um 5 Uhr ist er mit Aufbau, Koordination der Aussteller und anderen Dingen beschäftigt. „Wir konnten das Fest vor einigen Jahren nur vom 2. auf den 1. Mai verlegen, weil der Ortschaftsrat sich dazu bereit erklärt hat, die Organisation zu übernehmen“, lässt er den neuen Schultes wissen.

Thema Tourismus

Mit dem Vermieter von Ferienwohnungen kommt Albrich kurz darauf über Tourismus im Kirbachtal ins Gespräch. Ferienwohnungen gebe es viele, 200 allein in Hohenhaslach. Aber die seien meist von Handwerkern belegt. An der Werbung für das Kirbachtal und seine Reize fehle es. Albrich hört zu, hakt nach: „Verbesserungen für den Radverkehr wären auch wichtig, glaube ich.“ Tourismus im Kirbachtal, das war eines seiner Themen im Wahlkampf. „Ich muss zugeben: Das Kirbachtal war mir aus der Vergangenheit nicht so präsent. Erst jetzt habe ich die ganze Schönheit entdeckt“, sagt der gebürtige Großsachsenheimer, der aktuell noch in Ludwigsburg wohnt.

Mit einem BdS-Mitglied fachsimpelt Albrich dann über Werbemöglichkeiten für die örtlichen Betriebe. Auch auf den Zweckverband Eichwald, dessen neuer Vorsitzender Albrich ab sofort ebenfalls ist, kommt das Gespräch. Ganz genau wolle der Bürgermeister sich informieren, wie sich die Neuansiedlungen im Gewerbepark – allen voran Breuninger – auf Verkehr und Wohnungsmarkt auswirken. Noch ist nicht klar, wie viele Mitarbeiter von alten Standorten pendeln oder aus der direkten Umgebung kommen werden. Auch für das Heimatfest 2020 verspricht Albrich: „Das muss gut werden, das wird eine meiner ersten großen Aufgaben.“

Nach etwa eineinhalb Stunden ist der rund 200 Meter lange Krämermarkt einmal durchquert. Unter dem Motto „Hands in the pocket“, auf deutsch „Hände in den Taschen“, seien einige Abendveranstaltungen in seinen viereinhalb Jahren bei der Europäischen Kommission in Brüssel gelaufen. In Hohenhaslach dagegen werden die Hände zum Schütteln gebraucht, zum Gestikulieren. Manchmal deutet sich eine Art Merkel-Raute an. Holger Albrich genießt den direkten Kontakt. Davor, dass es jetzt ernst wird und den Worten aus dem Wahlkampf auch Taten folgen müssen, habe er „Respekt“. Er sei aber überzeugt, dass er die Nähe zu den Bürgern aufrechterhalten und trotzdem die notwendigen Entscheidungen treffen könne.

Mit Kandidaten für die Gemeinderatswahl geht’s um die Verjüngung des Gremiums, das am 26. Mai neu gewählt wird. Zurück auf dem Kelterplatz nimmt Albrich nach mehr als zwei Stunden die Einladung eines Wengerters auf ein Glas Sekt dankend an. Er besteht aber darauf, bezahlen zu dürfen. Eigentlich wäre es auch schon lange Zeit fürs Mittagessen. Doch das gibt es erst bei der nächsten Station, dem Waldfest der Stadtkapelle auf dem Großsachsenheimer Waldspielplatz.

Für Albrecht hat dieses Fest fast schon etwas von einem Klassentreffen: (Jugend-) Freunde, alte Bekannte und neue aus dem Wahlkampf. Vor allem aber Freunde aus vom Tennisclub Großsachsenheim, dem Albrich seit der Kindheit angehört und deren Präsident er bis zuletzt war. „Viele haben mich auf meinem Weg zum Bürgermeister unterstützt. Das ist wie eine Familie.“ Seine tatsächliche Familie in Person seiner Mutter ist auch da. Stolz ist die 77-Jährige Gerhild auf ihren Sohn. „Das hat er sich so gewünscht, und jetzt hat er es geschafft.“

Was Holger Albrich noch immer nicht geschafft hat, ist es, zum Mittagessen zu kommen. Frau Melanie hat schon lange ein Fleischbrot besorgt. Doch ihr Mann dreht erst noch eine Runde übers Fest, schüttelt Hand um Hand. Es ist schon nach 3 Uhr, als Albrich zufrieden in das Steak zwischen zwei Brotscheiben beißt. Es ist immerhin noch lauwarm.