Sachsenheim Grundstück als Gretchenfrage

Michaela Glemser 06.06.2018

Es ist ein langgehegter Wunsch der Hohenhaslacher Ortschaftsräte und vieler Bürger des Kirbachtals: Eine wohnortnahe Pflege, welche die unterschiedlichen Bedürfnisse der betreuten Senioren berücksichtigt, soll das Leben im Alter erleichtern (die BZ berichtete). Doch alles steht und fällt mit einem geeigneten Grundstück. Das wurde auch in der Hohenhaslacher Ortschaftsratssitzung am Montag deutlich. Vorschläge gibt es bereits.

Das Interesse an diesem Thema war groß, sodass Ortsvorsteher Alfred Xander die Sitzung ins Vereinsheim des SC Hohenhaslach verlegt hatte. Rund 30 Bürger kamen. „Das Projekt ‚Pflege in Hohenhaslach‘ ist ein wichtiger Punkt für uns alle, den wir schon sieben bis acht Jahre verfolgen. Wir haben in der Vergangenheit bereits mehrere Anläufe dazu unternommen, aber unsere Bemühungen waren bisher vergeblich“, betonte Xander erneut.

Doch jetzt werden die Pläne konkret. „Ich denke, das größte Problem ist es, ein geeignetes Grundstück zu finden. Wir müssen überlegen, wo eventuell eine Baulücke geschlossen oder ein kleines neues Gebiet ausgewiesen werden kann“, schlug Ortschaftsrat Rainer Brosi vor. Ortsvorsteher Xander verwies darauf, dass sich verschiedene Flächen am Ortsrand von Hohenhaslach anbieten würden. Die anwesenden Bürger machten sich ebenfalls bereits auf die Grundstückssuche und regten eine Freifläche an der Hohenhaslacher Steige oder im Gebiet „Allmandklinge“ an. Selbst die historische Kelter, so ein Bürger, würde sich für den Umbau in eine Pflegeeinrichtung anbieten. Bürgermeister Horst Fiedler appellierte an die Bevölkerung, dass sich ein solches Vorhaben nur mit deren Mithilfe verwirklichen lasse, da der Stadt ein entsprechendes Grundstück für den Neubau einer Pflegeeinrichtung in Hohenhaslach fehle.

Die Verantwortlichen des Landkreises Ludwigsburg, mit denen erste Gespräche über das neue Konzept geführt wurden, äußerten ihr Wohlwollen. Einhellige Zustimmung gab es ebenfalls aus den Reihen des Hohenhaslacher Ortschaftsrats, ebenso kürzlich aus dem Sachsenheimer gemeinderat. Der soll jetzt wohl noch vor dem Sommer einen Grundsatzbeschluss fällen. Ob dann tatsächlich die Entwickler des Konzepts bei der Umsetzung zum Zug kommen, ist noch nicht sicher.

In diesem neuen Gebäude, für das ein Areal von mindestens 2200 Quadratmetern bei einer Bauweise mit drei Geschossen notwendig ist, könnten 12 bis 15 Wohnungen oder Appartements für das betreute Wohnen entstehen, Räumlichkeiten für eine Pflegewohngemeinschaft mit 8 bis 12 Plätzen sowie zwei Büros und Aufenthaltsräume für eine Außenstelle der Kirchlichen Sozialstation, deren Mitarbeiter auch die Betreuung der Bewohner der Wohngemeinschaft übernehmen sollen. Die Pflegeleistungen, welche die Bewohner jeweils in Anspruch nehmen wollen, können diese individuell wählen. Jeder Bewohner der Pflege-WG hat ein Zimmer mit sanitären Einrichtungen. Zudem gibt es eine Gemeinschaftsküche.

Ehrenamtliche Unterstützung

„Diese Pflege-WG ist kein klassisches stationäres Pflegeheim, das sich im Kirbachtal nicht rechnen würde. Aber die Kosten für die Bewohner sind ähnlich“, erklärte FWD-Geschäftsführer Zimmermann, der das Konzept ‚Pflege im Kirbachtal‘ mit Kübler von der Evangelischen Altenheimat und Kämmle von der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim erarbeitet hatte. Jeder Bewohner der Pflege-WG muss mit Kosten in Höhe von 2315 bis 2650 Euro pro Monat rechnen. „Wir brauchen aber die Unterstützung vor Ort, des Ehrenamts und der Vereine, um ein solches Vorhaben verwirklichen zu können. Der Einsatz von Ehrenamtlichen könnte die Kosten für die Bewohner auch reduzieren“, erklärte Alexander Zimmermann, Geschäftsführender Gesellschafter der FWD Hausbau, der das Konzept ‚Pflege im Kirbachtal‘ gemeinsam mit Hans Kübler von der Evangelischen Altenheimat und Lothar Kämmle von der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim erarbeitet hatte.

Auch Kämmle würde, wie schon mehrfach betont, einen Anlaufpunkt im Kirbachtal begrüßen. „Wir sind natürlich mit unserer ambulanten Pflege schon im Kirbachtal aktiv, aber wir erhalten keine Vergütung für die teilweise sehr weiten Fahrtwege. Daher brauchen wir einen dezentralen Standpunkt für eine Außenstelle der Sozialstation im Kirbachtal.“

Die Einrichtungen in Groß- und Kleinsachsenheim werden, so viel ist schon jetzt klar, der Nachfrage in Sachsenheim nicht vollständig gerecht. Trotz des neuen Pflegezentrum in Großsachsenheim, das im Herbst eröffnet werden soll, hat die Stadt laut Kreispflegeplan ein Defizit von 55 Pflegeplätzen bis 2025.

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