Sachsenheim Großsachsenheimer Vorbereitungsklasse hilft im Stadtmuseum bei Mittelalterschau

Museumspädagogin Gabriele Hohn-Schwenninger erklärte den Jugendlichen, wie sich Ritter gekleidet haben.
Museumspädagogin Gabriele Hohn-Schwenninger erklärte den Jugendlichen, wie sich Ritter gekleidet haben. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / MICHAELA GLEMSER 11.03.2016
Am Donnerstagvormittag unternahm die Vorbereitungsklasse aus der Gemeinschaftsschule Sachsenheim im Stadtmuseum einen spannenden Ausflug ins Mittelalter. 18 Flüchtlingskinder sollen so besser Deutsch lernen.

Immer wieder dreht sich die kleine Dilva in ihrem Burgfräulein-Kostüm vor dem Spiegel. Die Achtjährige aus Syrien hat sichtlich Spaß und hört den Erklärungen von Museumspädagogin Gabriele Hohn-Schwenninger interessiert zu. Auch Mustafa aus Syrien schwingt stolz sein Holzschwert. Der Zwölfjährige geht wie Dilva in die Vorbereitungsklasse "Fit in Deutsch" an der Gemeinschaftsschule Sachsenheim. 18 Kinder von Flüchtlingen und Arbeitsmigranten erlernen hier gemeinsam die deutsche Sprache. "Unsere Vorbereitungsklasse beschränkt sich auf die Grundschule. Die Schüler sind zwischen sechs und zwölf Jahren alt und kommen aus Syrien, Litauen, der Türkei, Bulgarien, Rumänien und Marokko", erklärt Ute Cardinal von Widdern. Sie ist gemeinsam mit Vera Rabsch für die Vorbereitungsklasse zuständig. In der Sekundarstufe gebe es eine weitere. Der Leistungsstand sei sehr unterschiedlich. "Es gibt Kinder, die haben mit elf Jahren aufgrund der Kriegszustände in ihrem Heimatland gerade erst ein halbes Jahr eine Schule besucht. Andere wiederum waren schon einmal in Deutschland und verstehen unsere Sprache", sagt sie.

Seit Beginn dieses Schuljahres gibt es die Vorbereitungsklasse an der Grundschule. Der Unterricht erfolgt nach einem speziell ausgearbeiteten Konzept sowohl in der Vorbereitungs- als auch in den einzelnen Jahrgangsklassen. So nimmt Dilva beispielsweise auch am Kunst-, Musik- und Sportunterricht der ersten Klasse teil, und Mustafa geht in die vierte Klasse. "Die Vorbereitungsklasse ist auf 18 Schulstunden wöchentlich angelegt. Der Rest erfolgt in den Jahrgangsklassen, wo sich die Schüler gegenseitig helfen und unterstützen", betont Ute Cardinal von Widdern. Die ausländischen Schüler seien sehr motiviert, dennoch sei diese Vorbereitungsklasse eine echte Herausforderung für alle Beteiligten und erfordere viele schulinterne Absprachen. Einige Schüler hätten große Konzentrationsschwächen infolge traumatischer Erfahrungen. "Wir suchen auch den engen Kontakt zu den Eltern und erhalten Unterstützung durch den Arbeitskreis Asyl", erklärt die Grundschullehrerin.

Immer wieder stehen auf dem Stundenplan der "Fit in Deutsch"-Klasse zudem Ausflüge und gemeinsame Aktivitäten. Der Besuch im Stadtmuseum am Donnerstag war ein besonderer Höhepunkt, der auf Initiative von Museumsleiterin Dr. Claudia Papp zustandegekommen war. "Unsere nächste Ausstellung dreht sich um Gärten im Mittelalter. Dafür wollen wir mit einer Schulklasse ein Beet mit Heilkräutern vor dem Museum anlegen, das die Schüler anschließend auch pflegen können", berichtet Papp. Auch Bernhard Dietrich, der Leiter der Gemeinschaftsschule, ist begeistert über diese Kooperation: "Die Schüler sind voller Tatendrang dabei. Wir freuen uns über diese Form der Zusammenarbeit mit dem benachbarten Stadtmuseum." Für die Schüler war der Donnerstagvormittag mit der Einführung ins Mittelalter eine gelungene Abwechslung, der ihnen viele neue deutsche Begriffe näherbrachte. Und kommende Woche geht's ans Gärtnern.

Info
Die Ausstellung "Gärten im Mittelalter" im Stadtmuseum wird am 10. April um elf Uhr mit mittelalterlicher Musik und Versen eröffnet.

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