Großeinsatz Großeinsatz an der Stadtmauer

Von Mathias Schmid 10.01.2018

Oberriexingens Bürgermeister Frank Wittendorfer braucht, bevor er der BZ Rede und Antwort steht, erst mal einen Kaffee. Um zwei Uhr war er in der Nacht von Montag auf Dienstag zu Hause, am Morgen wieder früh an der Unfallstelle direkt hinter dem Rathaus in der Oberen Gasse 6. Dort war Tags zuvor ein kleiner Gewölbekeller eines ehemaligen Wohnhauses eingestürzt und hatte einen Teil der dahinterliegenden historischen Stadtmauer mit sich gerissen. Die Situation war zeitweise auch für umliegende Häuser bedrohlich.

Die Ursache des Übels waren Vorarbeiten für den Abbruch von zwei angrenzenden Häusern. Ein Bagger hatte versehentlich den Gewölbekeller angegraben, der daraufhin nachgab und eine Kettenreaktion auslöste. „Die Lage war zeitweise sehr kritisch“, sagt Einsatzleiter Thorsten Oberst, Zugführer des Technischen Hilfswerks (THW), Ortsverein Widdern. Denn in der Folge war nicht nur der Rest des gut zehn Meter langen Abschnitts der Stadtmauer einsturzgefährdet. Die dahinter liegende Schmiede ist direkt mit der Mauer verbunden und wäre im schlimmsten Fall wohl mitgerissen worden. Dann wäre es auch für das wiederum an die Schmiede angebaute Wohnhaus gefährlich geworden.

Das THW, das Rote Kreuz und die Vaihinger Feuerwehr mit Drehleiter waren zeitweise mit 45 Kräften im Einsatz, um zunächst die Schmiede zu sichern, dann den Keller mit 60 Kubikmetern Beton zu füllen und schließlich die Mauer abzustützen. „Wir haben die Nacht über in Schichten gearbeitet: Fünf Stunden Dienst, fünf Stunden Schlaf“, berichtet Thorsten Oberst.

Passiert war alles schon am Montagvormittag. Binnen Minuten war erst der Keller, dann das zirka sechs auf fünf Meter große Mauerstück eingestürzt. Der Rest der Mauer hielt glücklicherweise zunächst. Dennoch war Bürgermeister Wittendorfer gezwungen, schnell zu handeln: „Es war Gefahr im Verzug.“ Nach kurzer Absprache mit der örtlichen Feuerwehr, dem Eigentümer der Schmiede und lokalen Handwerkern alarmierte er das THW. „Das ist schon ein größerer Einsatz für uns und nichts Alltägliches“, sagt Oberst. Neben Widdern waren auch die THW-Ortsvereine aus Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Kirchheim/Teck im Einsatz.

Vier Stunden dauerte allein die Vorbereitung. Unter anderem wurde ein Tachymeter im Rathaus aufgestellt. Mithilfe von Spiegeln, die über die Drehleiter der Vaihinger Feuerwehr an der Stadtmauer angebracht wurden, überwachte das Gerät die Mauer während des Einsatzes. „Es registriert die kleinste Abweichung im 0- bis 0,5-Millimeter-Bereich, sodass wir sofort gewarnt sind, wenn sich etwas bewegt“, erklärt Einsatzleiter Oberst. Gefahr für Personen hat aus seiner Sicht nicht bestanden.

Im Laufe des Dienstagnachmittags übergab das TRW dann die abgesicherte Fläche wieder an den Bürgermeister. Jetzt ist die Stadt am Zug. „Wir beraten in den nächsten Tagen, wie es weitergeht“, sagt Wittendorfer. Da die Mauer, die sich hinter de Häusern weiter auf insgesamt rund 40 Metern erstreckt, unter Denkmalschutz steht, muss zunächst mit dem Denkmalamt gesprochen werden.

Das Kuriose: Der Stadtmauer sollte ohnehin saniert, der Keller aufgefüllt werden. Aber rst nachdem die beiden Häuser abgerissen sind und ohne Schäden an der Mauer. „In den nächsten drei Wochen hätte es losgehen sollen“, sagt Wittendorfer zur Sanierung der Stadtmauer und Neugestaltung des Platzes davor, der ein Aufenthaltsort für Oberriexinger werden soll. Auf der anderen Seite der Mauer sollen Parkplätze entstehen. Am Standort der beiden zum Abriss freigegebenen Gebäude ist aus privater Hand ein Wohn- und Geschäftshaus mit einer Gewerbe- und zwei Wohneinheiten geplant.

An der Grundidee wird der Teileinsturz der Mauer nichts ändern. Dennoch sagt Wittendorfer: „Wir müssen die ganze Lage neu bewerten. Im Moment sind wir aber erst mal froh, dass nichts passiert ist.“

Info Die BZ hat vom Einsatzort ein kurzes Video gedreht.

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