Regelmäßig kommt es im Sozialen Netzwerk Facebook vor, dass sich Bewohner aus dem Kirbachtal, vornehmlich aus Hohenhaslach, zu Wort melden und über ausgefallene Internetverbindungen schimpfen. Teilweise würden sie Tage warten, bis die Fehler behoben sind und die Verbindung wieder steht. Hohenhaslach ist bisher nur teilweise mit Glasfaser-Technologie ausgestattet. Wann und wo sich hier eine Verbesserung einstellt, ist noch nicht abzusehen. Schneller wird es jetzt erst mal in Häfnerhaslach. Dort legt in zwei Wochen die Telekom Glasfaserkabel bis zu den Verteilerstationen, wie die BZ exklusiv erfuhr.

Nach Aussage der Stadt war die Telekom lange der Ansicht, dass es sich wirtschaftlich nicht lohne, die Breitbandversorgung in Häfnerhaslach herzustellen. Auch deshalb, so Matthias Friedrich, habe die Stadt 2012 die Anfrage an das Unternehmen gestellt, was die Stadt zusteuern müsste, damit die Investition wirtschaftlich werde. „Der Betrag war uns damals zu hoch“, berichtet der Sprecher und Breitbandbeauftragte der Stadt Sachsenheim. Nun hat die Telekom offenbar beschlossen, dass ein Ausbau doch lohnenswert sei. In den letzten Jahren hatte Vodafone in Häfnerhaslach mit einer Funkverbindung bereits für bessere Verhältnisse gesorgt.

„Damit wäre das Kirbachtal in der Summe besser ausgebaut als der Siedlungsbereich Groß- und Kleinsachsenheim“, betont Matthias Friedrich mit Blick auf die geplante Maßnahme. Entstehen sollen VDSL-Verbindungen mit maximal 100 Mbit pro Sekunde. Los gehen soll es am 4. September, wie die Stadt Sachsenheim just am gestrigen Dienstag erfuhr. Wie Matthias Friedrich mitteilt, ist der Plan des Unternehmens, Glasfaserkabel bis zu den Verteilerkästen zu legen. Fibre to the curp (FTTC) heißt das in der Fachsprache. Danach geht es, wie bisher mit den Kupferkabeln weiter in die einzelnen Haushalte. „Mit jedem Meter geht natürlich Geschwindigkeit verloren“, weiß Friedrich. Allgemeines Ziel der Telekom ist es, bis Ende 2018 möglichst viele Haushalte mit mindestens 25 Mbit pro Sekunde auszustatten, betont, Unternehmenssprecher Torsten Stolley. Auch Spielberg, Ochsenbach und Teile Hohenhaslachs sind schon ans Glasfasernetz angeschlossen.

Generell, so die Stadt, wenden sich viele Bürger direkt an die Verwaltung und mahnen schlechte Internetverbindungen in Teilen des Stadtgebiets an. „Wir wissen nicht, woran das liegt“, sagt Matthias Friedrich. Denn grundsätzlich ist die Stadt hier gar nicht zuständig. Deshalb seien ihr auch beim Ausbau weitgehend die Hände gebunden.

Auch die Anbieter können pauschal keine Auskunft geben. Torsten Stolley erklärt, dass man über die Art der Verbindung nur in konkreten Kundenfällen etwas sagen könne. Er weist aber darauf hin, dass Probleme nicht immer an der Verbindung selbst liegen müssen. „Störungen können durch alles ausgelöst werden, was auf die Kabel einwirkt. Beispielsweise Funksignale oder Nässe.“

Ärger über Kundencenter

Was Stadtsprecher Friedrich allerdings ärgert: Bei den Service-Centern der großen Telekommunikationsunternehmen werde vielfach auf die Stadtverwaltung als zuständige Ansprechpartnerin verwiesen. „Wir sind letztendlich nicht fürs Netz verantwortlich. Die Telekom schiebt uns den Schwarzen Peter zu“, sagt er, „es ist ärgerlich, dass die Service-Center auf die Kommunen verweisen.“ Und weiter: „Dabei dürfen wir gar keinen Ausbau vornehmen, wo kein Marktversagen vorliegt.“ Das ist, so Friedrich, EU-Verordnung. Ein Marktversagen liegt demnach vor, wenn nicht mindestens 30 Mbit pro Sekunde gegeben sind. Telekom-Sprecher Stolley betont auf BZ-Nachfrage: „Wir bauen aus, wo wir den Zuschlag bekommen und es sich wirtschaftlich lohnt.“

Die Stadt soll also da einspringen, wo es für Unternehmen nicht rentabel ist. Wo genau das sei, kritisiert Friedrich, wisse man aber teilweise gar nicht. Die entsprechenden Rechnungen „kriegen wir nicht vorgelegt“, klagt er. Jedoch: „Wenn wir investieren, muss auch nachgewiesen werden, dass Marktversagen vorliegt.“

Breitbandberatung soll Fahrt aufnehmen


Die Stadt Sachsenheim erhält, wie berichtet, Bundesfördermittel für eine professionelle Breitbandberatung. Der Bund schüttet 50 000 Euro aus. Nach den Sommerferien soll es, so Wirtschaftsförderer Matthias Friedrich, „in schnellen Schritten weitergehen“. Voraussichtlich im Frühsommer 2018 liegen die Ergebnisse der Masterplanung vor und werden öffentlich präsentiert.

Ob das Vorhaben allerdings tatsächlich aussagekräftige Ergebnisse liefert, sei offen, denn die Telekommunikationsunternehmen seien nicht an ihre Aussagen gebunden, erläutert Friedrich. „Sie können heute Nein sagen und morgen anfangen zu bauen. Das ist die Krux an der Geschichte.“

Das Fachplanungsbüro „RBS wave“ aus Stuttgart soll einen glasfaserbasierten Breitbandausbau bis in alle Haushalte („Fibre to the Home“) konzeptionell erarbeiten. Es soll also die Option geprüft werden, Glasfaserkabel bis in die Haushalte hinein zu verlegen. Planungsschwerpunkte sind die Anbindung aller Stadtteile an das geplante regionale Backbone-Netz sowie die glasfaserbasierte Erschließung der Gewerbegebiete. bz