Markgröningen Geschichtsforschung in Markgröningen im neuen Glanz

Die „Stadtbrille“ in Markgröningen. Nach ihr wurde der heimtakundliche  Jahresband benannt.  Foto: Martin Kalb
Die „Stadtbrille“ in Markgröningen. Nach ihr wurde der heimtakundliche  Jahresband benannt. Foto: Martin Kalb © Foto: Martin Kalb
Markgröningen / Michaela Glemser 12.10.2016

Wer am Rotenackerwald und den Weinbergen hoch über dem Leudelsbach entlang wandert, wird nicht nur über den beeindruckenden Blick auf die Dächer der Schäferlaufstadt staunen, sondern auch über ein Torbauwerk, dessen Ursprünge bis heute ungeklärt sind.

Das Tor und das Mauerwerk mit den zwei Gucklöchern zu beiden Seiten werden wohl einst ein Haus geschmückt haben, bevor es Eberhart Paulus und seine Frau Maria Elisabeth als Eingang zu ihrem Weinberg nutzten und in den Wengert versetzen ließen. Eine Inschrift in den Mauersteinen aus dem Jahr 1751 deutet auf den einstigen Stadtpfleger und Finanzverwalter hin.

Für die ehemalige Vorsitzende vom Arbeitskreis Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen e.V. (AGD), Hilde Fendrich, hat dieses Bauwerk, die sogenannte „Stadtbrille“ eine viel weitreichendere Bedeutung. „Wir haben schon als Kinder dort gespielt und gerne durch die Fensterlöcher geschaut. Auch heute will ich unsere Stadt noch gerne aus der Ferne betrachten und aus der Distanz der Jahre einen Blick zurückwerfen in die Vergangenheit, um Historie und Geschichten vor dem endgültigen Vergessen zu bewahren“, berichtet Hilde Fendrich, die im Jahr 1985 mit dieser Intention einen heimatkundlichen Jahresband des AGD mit dem Titel „Durch die Stadtbrille“ begründet hat.

In diesen Tagen ist der Band 10 dieser Schriftenreihe erschienen, der sich, ebenso wie der Markgröningen AGD, insgesamt im neuen Glanz präsentiert. „Unser AGD-Periodikum wurde rundum erneuert und für eine breitere Zielgruppe konzipiert. Während sich die früheren Ausgaben immer einem Schwerpunktthema gewidmet haben, bietet der zehnte Band einen bunten Themen-Mix mit Artikeln zur Geschichtsforschung, unterhaltsamen und nachdenklichen Geschichten sowie einer eigenen Rubrik für die Denkmalpflege. Jüngste Entwicklungen haben uns gezeigt, dass auch in einer traditionsbewussten Stadt wie Markgröningen eine Lobby zum Schutz des Kulturerbes dringend gebraucht wird“, macht der Erste Vorsitzende des AGD, Dr. Walter Ebner, deutlich.

Dr. Ebner spielt dabei auf den Bau des neuen Drogeriemarkts mit entsprechenden Parkplätzen in unmittelbarer Nachbarschaft des geschichtsträchtigen Spitals an. Dass die Gemeinderäte und Verantwortlichen der Stadtverwaltung dieser Überbauung des Spitalgartens, des Stadtgrabens und Zwingers zugestimmt haben und damit, nach Meinung des AGD-Vorstands, die im Jahr 1984 zum Schutz des Markgröninger Altstadtensembles erlassene Satzung ausgehebelt haben, war für die Mitglieder des AGD Anlass dazu, die Denkmalpflege stärker in den Fokus ihrer Arbeit zu rücken.

Dies ist aber nicht die einzige Neuausrichtung. Der AGD will künftig mehr und vor allem auch jüngere Menschen ansprechen. Augenblicklich zählt der engagierte Verein rund 109 Mitglieder, deren Altersdurchschnitt, nach Aussagen des Vorstands, über 60 Jahren liegen dürfte. „Aber wir konnten in unserem Fachbeirat neue, jüngere Mitglieder begrüßen und weitere sollen 2017 hinzukommen“, betont Peter Fendrich, der selbst diesem Vereinsgremium angehört, das in Zukunft nicht nur beratende Funktion haben soll, sondern auch neue Aktivitäten anregen und umsetzen wird.

Zudem planen die Mitglieder des AGD eine große Ausstellung zum 100-jährigen Bestehen der Bahnstrecke Ludwigsburg-Markgröningen. Ab 4. Dezember dieses Jahres soll im Oberen Tor nicht nur eine fotografische Dokumentation der Historie besagter Bahnstrecke zu sehen sein, sondern auch Archivalien, Utensilien und ein originalgetreuer Nachbau des sogenannten „Gröninger Zügles“. Im Rahmen der Ausstellung soll es auch eine Modelleisenbahn-Anlage geben, die dem Gleisplan des Markgröninger Bahnhofs entspricht und auf der die kleinen Ausstellungsbesucher die Züge rattern lassen können. „Wir vom AGD in Markgröningen halten die Reaktivierung der Bahnlinie für überfällig und bedauern es, dass Landkreis und Kommunen seit nunmehr 25 Jahren um eine gemeinsame Linie ringen. Unser Mitglied Rainer Christmann, der als Bahningenieur selbst am Neubau und der Reaktivierung einiger Bahnstrecken beteiligt war, spricht sich für eine Reaktivierung als echte Eisenbahn aus. Dies sei nicht nur wirtschaftlicher, sondern für Markgröninger Pendler auch mit kürzeren Fahrtzeiten verbunden. Am 28. September 1975 stellte die Deutsche Bundesbahn den regulären Personenverkehr auf der Bahnstrecke ein.

Info Unter www.agd-markgroeningen.de gibt es im Internet das neue lokale Geschichtsportal des AGD Markgröningen. Der 168 Seiten umfassende 10. Band der Schriftenreihe „Durch die Stadtbrille“ kann im Buchhandel bestellt werden.

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