So richtig habe sie es zunächst gar nicht fassen können, erzählt Madeleine Hein, während sie im elterlichen Garten in Großsachsenheim sitzt. Dort wohnt die 21-Jährige mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern. Die Wahl in den Gemeinderat hat sie auch dem Triumphzug der Grünen zu verdanken, der auch Sachsenheim erreicht hat. Dort ist die Grüne Liste Sachsenheim (GLS) mittlerweile – ebenso wie die Freien Wähler und die CDU – mit sieben Sitzen vertreten.

„Ich war in Großsachsenheim auf Listenplatz fünf. Dass ich wirklich reinkomme, damit hat niemand gerechnet“, erinnert sich das jüngste Mitglied des neuen Sachsenheimer Gemeinderats. Doch am Wahlabend meldete sich plötzlich GLS-Spitzenkandidatin Franziska Müller und meinte: „Bist du bereit? So wie es aussieht, bist du drin.“ Hein erinnert sich: „Da war ich schon platt.“ Selbst war sie gar nicht bei der offiziellen Veranstaltung der Stadt im Kulturhaus, bei der am Wahlabend Ende Mai die Ergebnisse bekannt gegeben wurden.

Müller war es auch, die Hein für die Liste der GLS gewann. „Ich beschäftige mich schon lange mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit“, sagt die 21-Jährige. So versucht sie beispielsweise schon seit Jahren, weitgehend auf Plastik zu verzichten. Ihre morgendlich selbst befüllten Glasbehälter mit Proviant für den Tag schleppte sie zuerst ans berufliche Gymnasium auf dem Römerhügel in Ludwigsburg, jetzt tut sie das an die SRH in Stuttgart, wo sie im zweiten Semester Logopädie studiert. Doch nur bei sich selbst zu schauen, reichte ihr nicht mehr. „Jetzt habe ich nach einem Weg gesucht, wie ich nicht nur für mich persönlich etwas verändern kann.“ Da kam die Aufstellung für den Gemeinderat genau richtig. „Ich freue mich riesig, dass es gleich auf Anhieb geklappt hat.“

Hein steht, mit einigen anderen für einen Generationenwechsel im Sachsenheimer Gremium, für einen jüngeren, weiblichen Gemeinderat. Entsprechend „liegt es mir auch am Herzen, dass wir die jungen Menschen integrieren“. Dass die Themen dieser Bevölkerungsgruppe bisher zu kurz kamen, will sie so direkt nicht sagen, aber: „Ich habe als junger Mensch vielleicht eher den Blick dafür.“ So will sie beispielsweise die Angebote für Jugendliche in der Stadt verbessern. „Die gibt es zwar, aber sie werden meiner Meinung nach zu wenig genutzt.“ Das berichten ihr auch ihre jüngeren Geschwister.

Typisch grüne Themen

Doch nicht nur für junge Menschen, sondern auch für typisch grüne Themen will sie sich einsetzen: „Wir haben hier viel Natur, das gefällt mir und das gilt es zu schützen“, sagt sie. Nicht so gut gefällt ihr das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel: „Es ist schade, dass wir kein gutes öffentliches Verkehrsnetz haben. Wenn man nicht in Bahnhofsnähe wohnt, wird es schon schwierig – im Kirbachtal sowieso.“ Da werde selbst der Weg nach Bietigheim schwierig. „Ich kenne einige, die sagen: Ich kaufe mir doch ein Auto.“ Zunächst wolle sie aber „abklopfen, was möglich ist“. Schließlich ist es für sie eine völlig neue Erfahrung. Warum sie so viele Stimmen (1944) bekommen hat, darüber kann Hein nach wie vor nur spekulieren. „Ich war als Teenager viele Jahre ehrenamtlich in der Kirche Kleinsachsenheim bei der Mini-Jungschar engagiert, vielleicht kennen mich die Leute von dort“, meint sie. Egal, woher die Stimmen letztlich kamen – Madeleine Hein ist jetzt jedenfalls überraschend Gemeinderätin.