Alle Jahre wieder kommt der Kampfmittelbeseitigungsdienst (KMBD) nach Vaihingen – und wird fündig. In der Enz haben die Taucher des KMBD und der Wasserschutzpolizei auch vergangene Woche wieder „gute Beute“ gemacht. Munition aus dem Zweiten Weltkrieg kann nun in Panzeröfen vernichtet werden.

„Die sind eigentlich noch scharf“, sagt Robert Mess vom KMBD. Er schaut auf die Munition aus dem Zweiten Weltkrieg, die vor ihm in einer Holzkiste liegt. Das erscheint dem Laien nahezu unglaublich, schlummerten die Kampfmittel doch jahrzehntelang unter Wasser in der Enz. „Wir sind alle ausgebildet. Unsachgemäß darf man mit der Munition nicht umgehen“, betont Mess, der an diesem Tag die Statistik über die gefundenen Geschosse führt.

Zwei Kisten bis zum Nachmittag

Fünf Taucher suchen mehrere Stunden lang nacheinander die Enz bei der Straße Im Mühlkanal ab. Am Nachmittag sind schon zwei Holzkisten gut gefüllt mit Granaten verschiedener Größe. „Wir haben viel Beute gemacht, viel mehr als erwartet“, sagt Christoph Rottner, Feuerwerker beim KMBD. „Wir schauen, dass wir ein- bis zweimal pro Jahr an die Enz nach Vaihingen kommen“, sagt Rottner. Es liege immer noch einiges an Munition aus dem Zweiten Weltkrieg dort. Bei Aufräumarbeiten sei die Munition damals gerne in Flüssen entsorgt worden.

Die Wasserschutzpolizei aus Stuttgart ist mit drei Tauchern dabei, der KMBD mit zwei Tauchern und zwei Feuerwerkern. Das Schlauchboot der Wasserschutzpolizei liegt am Ufer. Es dient bei Bedarf als Arbeitsboot, mit dem schwere Funde zum Ufer transportiert werden können. Der Grundsatz der Sporttaucher, nie allein hinabzutauchen, gelte für diese Berufstaucher nicht, erklärt Tauchlehrer Thomas Weller von der Wasserschutzpolizei. Bei ihnen zähle, was der Auftrag erfordere – in diesem Fall, die alten Geschosse vom Uferbereich zu bergen. Weller versorgt die Zeitung per E-Mail noch mit Aufnahmen, die er mit seiner privaten Unterwasserkamera gemacht hat. Dabei zeigt sich, dass auch noch größere Geschosse gefunden wurden, darunter die Rakete einer Bazooka, einer US-amerikanischen Panzerfaust, die ungefähr Unterarmlänge besitzt.

Der Tauchlehrer kann auch erklären, woher der Name manch einem noch geläufig sein könnte: Aus Kindertagen von einem Kaugummi. Aber es gibt auch ein Musikinstrument namens Bazooka. Von der Unterwassertierwelt der Enz kann Weller einen Fisch ablichten, bei dem es sich wohl um eine Groppe handelt. Dieser nachtaktive Fisch lebt am Gewässergrund und ist im Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie aufgeführt. Damit ist sie eine Tierart, die von gemeinschaftlichem Interesse der EU ist und für deren Erhalt besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.

Aber wieso lässt man die Munition nicht am Enzgrund vor sich hinrosten? „Von unserer Seite sagt man: Was weg ist, ist weg. Dann geht keine Gefahr mehr davon aus“, meint Robert Mess. „Munition gehört einfach nicht da rein“, betont Rottner. Schon aus Sicherheits- und aus Naturschutzgründen. Die Munition aus der Enz wird nicht im Hauptlager des KMBD im Wald zwischen Sindelfingen und Stuttgart unschädlich gemacht. Sicher verpackt wird sie in eine Vernichtungsanlage nach Norddeutschland transportiert, in der sie in Panzeröfen kommt. „Viele, viele Tonnen aus ganz Deutschland“ werden dort pro Jahr angeliefert und fachmännisch entsorgt, so Rottner.

Info Die Wasserschutzpolizei ist dem Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen zugeordnet, der KMBD dem Regierungspräsidium Stuttgart. Bei der Kooperation der Behörden erfolgt die Taucherausbildung bei der Wasserschutzpolizei, der Lehrgang zur Kampfmittelbeseitigung beim KMBD in Stuttgart-Vaihingen.