Sachsenheim Funkverbindung über Berg und Tal

Die Funkamateure (von links) Lothar Makkens, Matthias Kienle und Hans Müller vor ihrer Relais-Station auf der "Hohen Reute".
Die Funkamateure (von links) Lothar Makkens, Matthias Kienle und Hans Müller vor ihrer Relais-Station auf der "Hohen Reute". © Foto: Helmut Pangerl
Sachsenheim / Yasina Hipp 09.10.2018

Von der Kelter in Hohenhaslach geht es zehn Minuten mit dem Auto durch den Wald auf den Berg Hohen Reute. Dort oben, gut versteckt zwischen den Bäumen steht der ganze Stolz der Sachsenheimer Funkamateure: eine Relais-Station.

Die Relais-Station ist ein 30 Meter hoher Turm, der an einen Strommast erinnert, mit einer Antenne. Matthias Kienle, Vorsitzender des Ortsverband Stromberg vom Deutschen Amateur-Radio-Club, erklärt: „Die Relais-Station ist eine Umsetzer-Station. Sie empfängt Signale und sendet diese dann auf einer anderen Frequenz weiter.“ Eine solche Station soll bestimmte Standortnachteile ausgleichen. Das heißt: Wenn ein Funkamateur im Tal eine zu geringe Reichweite mit seinem Handfunkgerät erzielt, kann die Relais-Station helfen. „Ich habe über das Relais hier oben, schon Leute in Hamburg oder Salzburg erreicht“, so Technikchef Hans Müller.

Seit 1986 in Betrieb

Mitte der 60er-Jahre sind in der Schweiz die ersten Relaisfunkstellen errichtet worden, um trotz des gebirgigen Geländes per Funkverkehr kommunizieren zu können. Die Station im Hohenhaslacher Wald gibt es seit 1986. Technikchef Hans Müller schaut immer nach dem Rechten: „Wenn es Probleme gibt, fahre ich hoch und schaue woran es liegt. Nach dem Sturm Lothar musste ich die 30 Meter hochklettern und die Antenne wieder richten.“ So gravierende Probleme wie der Sturm im Jahr 1999 verursacht hat, gab es seither nicht mehr. „Meistens ist ein Kabel kaputt oder ähnliches. Vor kurzem hatten wir auch ein Siebenschläfer in einem der Kästen, der hat sich da wohl gefühlt“, erinnert sich Hans Müller.

Die Funkamateure erhielten zum Start der Relais-Station eine Genehmigung von der Bundesnetzagentur. Außerdem wurde der Station eine Empfänger- und Sendefrequenz zugeordnet. Die Empfängerfrequenz beträgt hier 439,425 Megahertz (MHz), die Sendefrequenz weicht davon etwas ab. Regelmäßig überprüft die Bundesnetzagentur ob die Frequenzen und die Sendeleistung von 15 Watt eingehalten werden.

Dieses Jahr gab es für die Funkamateure eine Neuerung an ihrer Relais-Station: ein Digitales-Relais. „Wir haben eine Richtfunkstrecke nach Ludwigsburg und wenn man über das Relais Ludwigsburg erreicht, kann man praktisch über das so genannte HAMNET weltweit kommunizieren“, erklärt Matthias Kienle. Das HAMNET (Highspeed Amateurradio Multimedia NETwork) ist wie das Internet-Netz, nur über Funk. Über den Verteiler in Ludwigsburg kann man dann weltweit auf die Frequenzen zugreifen. „Wir hatten schon mal über das HAMNET Kontakt nach Mallorca und auch nach Amerika“, so Lothar Makkens, zweiter Vorsitzender des Ortsverbandes.

Bei Verbindungen zu anderen Funkamateuren werden bestimmte Rufzeichen verwendet, die aus der Morsetelegraphie stammen. „Jeder hat sein eigenes Rufzeichen zugewiesen bekommen, sodass man weiß, wer es ist“, sagt Matthias Kienle.

Am meisten Betrieb herrscht vormittags vor der Arbeit und nachmittags über die Relais-Station. „Zu diesen Zeiten hören die meisten Funkamateure mit ihren Handfunkgeräten mal rein“, weiß Lothar Makkens. Jeden Sonntag veranstaltet der Ortsverband auch ein Treffen per Funk, jeder von zu Hause aus.

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