Die Wachstumsstadien des Maises per Satellit überwachen. Das klingt für den einen oder anderen vielleicht wie eine Science-Fiction-Vision. Ist es aber nicht, wie Besucher des 25. Maistags von Landratsamt und BayWa zwischen Sachsenheim, Sersheim und Oberriexingen am Freitag erklärt bekamen. Satelliten aus den Raumfahrtmissionen Sentinel I und II fotografieren beim Überfliegen die Felder. So kann genau bestimmt werden, wann geerntet werden soll.

Denn zu frühe oder zu späte Ernte kann zu Ertrags- und Qualitätsverlust führen, wie Anbieter Agromais in seiner Hochglanzbroschüre erklärt. Zahlreiche Landwirte haben sich am Freitagnachmittag auf dem Sortendemonstrationsfeld nahe des Kreisels zwischen Oberriexingen und Sersheim eingefunden, um sich von fast ebenso zahlreichen Agrarkonzernen die neuesten Maissorten anbieten zu lassen. Auf dem 1,3 Hektar großen Feld stehen 48 Sorten, die sich in Reifezeitpunkt und Verwendungszweck – Silo-, Korn oder Biogas – unterscheiden.

Mais ist gefragt – auch bei den Bauern in der Region und nicht zuletzt als Silomais für Biogasanlagen. Kein Wunder, dass die Argrakonzern da immer neue, leistungsfähigere Sorten züchten und diese an den Markt bringen wollen – mit klassischer Genetik, sprich Kreuzung, und nicht mit Gentechnik. „Unzählige Sorten“ gebe es mittlerweile, betont Karl Wacker, ein Mitarbeiter des Konzerns DSV.

Vor allem noch resistenter sollen die neuen Sorten sein. Eine Bedrohung ist da der Klimawandel. So muss der Mais nicht nur Trockenheit trotzen, sondern möglichst auch tierischen und pilzlichen Schädlingen. Aktuell sei der Befall noch überschaubar, so Wacker, doch das könne sich ändern.

Besonders reizvoll ist für die Landwirte im Kreis Silomais, der  hier vor allem für den Betrieb von Biogasanlagen genutzt wird. Entsprechend sind auch die Sorten auf dem Demonstrationsfeld ausgewählt. „Der Markt ist nicht unerheblich“, räumt Luise Pachaly, vom Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamts ein. Auf gut 17 Prozent der 25 000 Hektar Anbaufläche im Kreis wird Silomais angebaut, knapp zwei Drittel davon für Biogasanalgen (siehe auch Infobox).

Neue Anlagen entstehen keine mehr, seit 2014 mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Förderung für Biogasanlagen gesenkt worden ist. Doch die bestehenden Anlagen wollen weiter versorgt werden, und das vermutlich noch lange. „Die Einspeisevergütung bei jeder Anlage läuft auf 20 Jahre. Jetzt kommt die Zeit, in der die ersten auslaufen. Dann muss die Anlage am Markt regulär Strom verkaufen“, erklärt Pachaly. Sprich: Die Anlagen müssen sich selbst tragen. Laut der Expertin haben sich die Betreiber im Kreis rechtzeitig gewappnet: Fast alle Biogasanlagen produzieren mit dem gewonnenen Gas über einen Generator Strom und speisen diesen ins Netz ein oder beliefern damit direkt einen Kunden. Das ist das Kerngeschäft. Die dabei entstehende Wärme nutzen die Landwirte oft für den eigenen Hof, zum Beispiel zum Heizen. So lohnt sich die Sache dann.

Die Fachleute wehren sich am Maistag auch gegen den schlechten Ruf, den der Maisanbau – speziell für die Vergärung in Biogasanlagen – hat. In den alten Anlagen sind rund 80 Prozent der Gärmasse Mais. Dazu kommen Mist und Gülle. Eine Verschwendung von Ackerfläche sei das nicht, sagt Landwirt Armin Schmid. Er gehört mit weiteren Landwirten der Bio­energie Oberriexingen an, die die Anlagen in Großsachsenheim und Oberriexingen betreibt. „Mais ist sehr wertvoll in der Fruchtfolge“, erklärt er. Mais im Sommer, dann Winterweizen, gefolgt von Zuckerrüben, noch mal Winterweizen und wieder Mais. Dazu kommen Zwischenfrüchte wie Senf Klee oder Ölrettich, die vor allem den Boden mit Nährstoffen füttern sollen. „So fruchtbar wie die Böden jetzt sind, waren sie noch nie“, schreibt Landwirt Schmid diese Tatsache auch dem gelben Korn zu.

Mais: Entwicklung der Anbaufläche


Seit 2003 stieg die Maisanbaufläche im Kreis von rund 3500 auf 5200 Hektar. Auf mehr als 4000 Hektar wird Silomais angebaut (2003: 2000 Hektar), davon knapp zwei Drittel für die 18 Biogasanlagen im Kreis – zum Beispiel in Groß- und Kleinsachsenheim oder Sersheim. Der Rest des Silomaises wird an Rinder verfüttert. „Zurückgehende Tierbestände haben den Rückgang der Silomaisbaufläche bewirkt. Die Zunahme der energetischen Nutzung wirkt seit 2005 dagegen“, heißt es aus dem Landratsamt. msc