Sachsenheim / Von Mathias Schmid  Uhr

Holger Albrich durfte am Donnerstag das Band zur neuen Eisenbahnbrücke in Großsachsenheim durchtrennen. Über das Drei-Millionen-Projekt können ab sofort wieder Autos in die Steingrube fahren. Viel dazu beisteuern, dass die Dauerbaustelle nach fast fünf Jahren ein Ende findet, hatte er in seinen wenigen Monaten Amtszeit als Bürgermeister nicht mehr können, gab er zu. Unbeteiligt am Dauerthema war er dennoch nicht. Denn als ehemaliger Vorsitzender des Tennisclubs Großsachsenheim saß er regelmäßig mit der Stadt bei den „Brückenrunden“ am Tisch und holte sich die neuesten Entwicklungen – oft weitere Verzögerungen – ab.

So wusste er genau, dass er sich neben den Geldgebern (230 000 Euro aus dem Ausgleichsstock des Landes) auch bei den „Geduldgebern“ zu bedanken hatte. Zur Eröffnung waren Vertreter aller Vereine aus der Steingrube gekommen: Ditib, Sportfreunde, Tennisclub und Stadtkapelle (Lagerräume). Ein halbes Jahrzehnt waren alle Lokalitäten per Auto nur über einen notdürftig befestigten Feldweg aus Richtung Metterzimmern erreichbar. ein Umweg von 3.5 Kilometern – einfache Strecke. „Meist eine langwierige und sehr staubige Angelegenheit“, so Albrich.

„Wir erhoffen uns jetzt nicht weniger als wieder Normalität“, hofft Harald Heberle, Schatzmeister der Sportfreunde Großsachsenheim, einen Haken an die vergangenen fünf Jahre machen zu können. „Zwei Herzen“ schlügen in seiner Brust: „Zum einen Ärger, vor allem im ersten Jahr der Brückenschließung, wo sich nicht viel bewegt hat. Da kamen Spannungen auf.“ Auf der anderen Seite müsse er vor der Stadt den Hut ziehen. „Sie sind uns, weil uns Teile der Pachteinnahmen fehlten, mit Sachleistungen sehr entgegengekommen.“ „Die Fußballer der Sportfreunde habe die Sperrung als „Ganzjahresbetrieb“ besonders hart getroffen.

Ähnlich ging es auch dem Ditib-Verein. Taha Yalcin betonte: „Sicher wird die neue Brücke auch gleich Thema im Freitagsgebet sein.“ Denn: „Wir haben schon sehr gelitten, hatten auch  Mitgliederschwund.“ Gerade auch für ältere Menschen sei es schwierig gewesen, die Moschee zu erreichen. Die Anhänger des türkisch-islamischen Kulturvereins kommen auch aus den umliegenden Gemeinden.

Bürgermeister Holger Albrich schlüpfte ebenfalls noch mal kurz zurück in die Rolle des TC-Vorsitzenden: „Wir haben jedes Jahr überlegt, ob wir die Tennisplätze alle richten sollen. Jetzt kann wieder ein aktives Vereinsleben stattfinden.“ Gleichzeitig nahm er seine Verwaltung in Schutz: „Es war alles nachvollziehbar. Man konnte niemandem etwas vorwerfen“, meinte er über die lange Zeit bis zur neuen Brücke. „Alle haben probiert, dass es vorwärts geht.“

Und der Bürgermeister konnte dem Leiden der Vereine am Ende sogar noch etwas Positives abgewinnen: „Es war wohl die einzige kaputte Brücke, die dennoch etwas verbunden hat“, spielte der Bürgermeister auf das enge Verhältnis, das zwischen den Vereinen entstand, an. Er versprach, weitere Nutzungsmöglichkeiten für die Steingrube zu präsentieren, „sodass die ganze Stadt profitiert“. Damit zielte er vor allem auf Veranstaltungen ab. Unabhängig davon gehen auch die Planungen für eine eventuelle Anschlussunterbringung von Flüchtlingen an dieser Stelle weiter.

Die Geschichte der Eisenbahnbrücke

1914 wurde die Eisenbahnbrücke in Großsachsenheim – für ein Gewicht von 23 Tonnen. 1951 wurde der Überbau mit 43 Zentimeter hohen Stelzen angehoben, damit eine Elektrifizierung der Bahn möglich wurde. 1994 gingen die Pflicht zur Verkehrssicherung und Erhaltung per Gesetz auf die Stadt über.

2014 wurde festgestellt, dass die Schäden an Widerlagern und Flügelwand so weit vorangeschritten waren, dass die Brücke für den Autoverkehr gesperrt werden musste. Der Neubau der Brücke verzögerte sich wegen, so die Stadt, Abstimmungsproblemen mit der Bahn immer wieder. Im Mai 2017 ging es endlich los.

2019 geht die neue Brücke nun in Betrieb. Sie ist 19 Meter breit und 5,72 Meter hoch. Die Gesamtkosten liegen bei 3,2 Millionen Euro. Sie sei belastbar wie eine Autobahnbrücke, betonte Tiefbauamtsleiter Pablo Burkhardt. Am 13. Oktober wird es ein Einweihungsfest gemeinsam mit den Vereinen geben. msc