Sachsenheim / Von Mathias Schmid

Auf den ersten Blick steht die evangelische Stadtkirche Fabian und Sebastian in Großsachsenheim ganz gut da. Das dachten auch lange der Kirchengemeinderat sowie das Pfarramt. Doch aus anfangs angenommenen Farbausbesserungen wurde mittlerweile eine Sanierung in Höhe von 380 000 Euro. Geht es nach Pfarrer Dieter Hofmann, darf die Frischekur bald starten.

Es war kurz vor Weihnachten: Nach starkem Regen tropfte es auf einmal in der Kirche in der Oberen Straße. Der fast waagrecht einfallende Regen hatte sich zwischen Dachgiebel und Fassade durchgedrückt. Die Gemeinde spannte daraufhin eine Plane im Dachgeschoss, sodass, sollte noch einmal Wasser eintreten, dieses über die Treppe hinuntergeleitet wird. Auch wenn dieses Ereignis nicht der Auslöser für die geplante Sanierung ist, sollen die Übergänge zwischen Dach und Fassade bei der Sanierung ebenfalls verbessert werden. Hauptgrund für die Arbeiten sind aber Schäden an der Fassade rund um die Kirche. „Das hat relativ klein angefangen“, sagt Pfarrer Hofmann. Anfangs sei die Gemeinde nur von einem neuen Anstrich an den betroffenen Stellen ausgegangen. „Es hat sich aber herausgestellt, dass wir mit der Außensanierung einmal rundherum müssen, um die Bausubstanz zu erhalten.“ Vor allem die Westfassade als Witterungsseite ist stark betroffen.

Aber eben auch wesentliche Teile des Kirchturms sowie die Anschlüsse vom Kirchendach an den Kirchturm müssen neu gemacht werden. Dafür muss die gesamte Kirche eingerüstet werden. Hofmann hofft, dass dies bereits in den kommenden Wochen geschieht. „Wir müssen das Projekt angehen. Jeder Winter richtet nur noch weiteren Schaden an.“

Die Kirche rechnet mit mindestens 190 000 Euro Eigenanteil – wenn alle Förderanträge bewilligt werden. „Diese große Belastung wird unsere Kirchengemeinde sicher noch lange abtragen müssen“, meint Manfred Renk vom Bauausschuss des Kirchengemeinderats im aktuellen Gemeindebrief. Deshalb ist die Gemeinde auch seit einiger Zeit dabei, Spenden zu sammeln. Bisher sind 26 000 Euro zusammengekommen. „Ich finde es immer wieder toll, dass es Menschen gibt, die sagen: ‚Bevor ich jetzt die 50. Flasche Wein bekomme, bitte ich lieber, für solche Projekte zu spenden’“, sagt Pfarrer Hofmann.

Aktuell liegt der Ball für den Start der Sanierung beim Landesdenkmalamt. Das hatte der Kirche aufgetragen, einen Außenansichtsplan aller Seiten der Kirche vorzulegen. Nachdem ein solcher nicht auffindbar war, musste die Kirche einen kompletten Scan des historischen Bauwerks durchführen und darin jeden einzelnen Stein und dessen Zustand dokumentieren, wie Hofmann erklärt. Diesen hat die Kirche mittlerweile an die Behörde übermittelt, die nun die Baufreigabe erteilen muss. „Dann werden wir umgehend loslegen“, sagt Hofmann, „wir hoffen, dass wir in diesem Jahr einen Großteil der Arbeiten hinbekommen.“ Das Gerüst müsse aber voraussichtlich über den Winter stehen bleiben und die Arbeiten im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Dauert die Baufreigabe länger, „kann es auch sein, dass wir das Ganze noch mal um ein Jahr verschieben müssen“, erklärt der Pfarrer – mit dem Wissen, dass sich der Zustand der Kirche dann verschlechtern würde.

Kritisch sei das nicht. „Das Gebäude steht auch noch die nächsten 500 Jahre ohne Sanierung“, betont er, „aber dann ist es eben kaputt.“ In Angriff genommen werden sollen auch Dinge, die laut des Geistlichen „auch noch in fünf bis zehn Jahren machen könnte“. So wolle man sich die nicht unwesentlichen Kosten für das Gerüst nicht zweimal aufhalsen. „Und dann haben wir hoffentlich 20 oder auch 40 Jahre Ruhe“, meint er.

Die Vorbereitung auf die Sanierung der Kirche läuft intern seit nunmehr drei Jahren. Damals waren die ersten Mängel bei der jährlichen Bauschau aufgefallen. Jetzt soll es endlich losgehen.

Info Bereits eingerüstet ist das direkt neben der Stadtkirche stehende Pfarrbüro in der Oberen Straße. Dort müssen die losen Firstziegel wieder befestigt werden.

Städtische Beteiligung am Kirchturm?

Wesentliche Reparaturen an der Kirche fallen auch am Kirchturm an. Dort hatte sich die Stadt, wie auch andere Kommunen, bis vor gut zwei Jahren mit festgeschriebenen Anteilen beteiligt. Doch der Gemeinderat entschied im Dezember 2016, den 120 Jahre alten Vertrag zu kündigen und mit der Kirche eine neue Vereinbarung zu finden (die BZ berichtete). Die Gespräche liegen aktuell auf Eis, vor der Kommunalwahl am 26. Mai passiert wohl auch nichts mehr. So viel wurde aber 2016 bereits festgelegt: Zuschussfähig sollen künftig Projekte mit historischer Funktion oder einer das Stadtbild prägenden Eigenschaft sein. Bis zu 15 Prozent will die Stadt dann übernehmen.

Die Verträge zwischen Kommunen und Kirche, sagt der Großsachsenheimer Pfarrer Dieter Hofmann, begründen sich in der früher üblichen gemeinsamen Nutzung der Kirche. „Früher gab es die klare Trennung zwischen kirchlichem und kommunalem Zweck nicht. Die Bürger haben sich in den Turm zurückgezogen, wenn beispielsweise Gefahr drohte.“

So erklären sich auch die beiden Wehrtürme direkt an der Großsachsenheimer Stadtkirche und die Scharten im Kirchturm. „Die dienten der Verteidigung. Das war ein Verteidigungsturm“, macht Hofmann deutlich. Im Turm hauste früher auch der Türmer, der vor Gefahren warnen sollte und gleichzeitig kommunale Brandwache war. „Von hier sieht man nach Ludwigsburg und ins Kirbachtal“, betont Hofmann, der auf eine Einigung mit der Stadt zu einem späteren Zeitpunkt hofft. Er merkt an: „Die Stadt ist ja nicht gerade gesegnet mit historischen Gebäuden.“ msc