Bernhard Dietrich, Leiter der Gemeinschaftsschule ist stolz: „Bisher erhielten meist nur Gymnasien den Zuschlag, doch als eine der wenigen Gemeinschaftsschulen darf sich die Sachsenheimer freuen: Für das Schuljahr 2019/20 hat sie das Glück, von einer Fremdsprachenassistentin zu profitieren.“ Die Britin Edricia O’Brien begleitet seit September alle vierten Klassen. Die älteren Schüler unterstützt sie in den Lernateliers, übt freies Sprechen und Präsentieren oder berichtet von der karibischen Insel Montserrat, auf der sie geboren wurde.

Eingefädelt hat das Ganze Anne Rischen, Lehrerin an der Gemeinschaftsschule. Sie kennt Fremdsprachenassistenten von ihrer früheren Stelle am Friedrich-Abel-Gymnasium in Vaihingen. „Beim Regierungspräsidium hieß es zunächst, das sei eher für Gymnasien“, berichtet sie von ihrer ersten Anfrage. Ganz verstehen kann sie das nicht: „Wir haben an der Gemeinschaftsschule individuelles Arbeiten, da ist diese Unterstützung wichtig.“ Mehrmals hakte sie nach – und wurde belohnt. „Wir hatten Glück – auch mit Edricia.

Private Ausflüge

Die Kinder und Jugendlichen haben die 23-Jährige, die im Nordwesten Englands, nahe Manchester, lebt in ihre Mitte aufgenommen. Mit Schülern der Abschlussklasse hat die junge Frau sogar richtig Freundschaft geschlossen. Unter anderem war sie mit einer Clique im Kino – abends, ganz privat. „Ich mag es sehr, eine Art Bindeglied für die Kinder zu sein“, freut sich O’Brien über ihre Rolle. Denn die Jugendlichen schätzen ihre neue Lehrkraft nicht nur als Freundin, sondern auch wegen der sprachlichen Fortschritte, die sie unter ihr machen. „Das ist etwas komplett anderes. Man ist quasi gezwungen, Englisch zu sprechen“, sagt Schülersprecherin Yara Bringmann. Und die 15-Jährige fügt an: „Englisch ist für uns ganz normal geworden.“

Ziemlich genau so hatte die Britin O’Brien sich ihre Zeit in Deutschland vorgestellt. Seit 2014 lernt sie Deutsch. „Ich wollte unbedingt mal eine Weile hier leben. Mir ist es wichtig, die Kultur kennenzulernen.“ Also bewarb sie sich als Fremdsprachenassistentin – und landete in Sachsenheim. „Mir gefällt es, den Kindern zu helfen.“ Für die Schüler bieten sich dadurch auch an anderer Stelle ganz neue Möglichkeiten. So hat O’Brien für Fünft- bis Siebtklässler einen Cheerleading-Kurs gegeben. „Die Kinder waren richtig begeistert“, berichtet Anne Rischen. Zu Hause betreibt O’Brien Cheerleading als Sport. „Das stand auch in meiner Bewerbung. Ich wurde dann gefragt, ob ich das hier nicht auch anbieten möchte.“

Das erste Mal auf dem Traktor

Die Britin gibt das viele Lob gerne zurück. „Ich bin sehr froh, dass ich hier gelandet bin. Alle haben mich freundlich aufgenommen, Schon im Vorfeld hat die Kommunikation super geklappt.“ Das sei nicht bei alle Fremdsprachenassistenten so, mit denen sie seit dem Einführungsseminar in Kontakt steht.  Mit Kontaktperson  Anne Rischen verbindet sie mittlerweile ohnehin eine enge Freundschaft. Die 23-jährige war sogar schon übers Wochenende zu Besuch bei Rischens Familie. „Da saß ich zum ersten Mal auf einem Traktor.“

Geplant war, dass O‘Brien bis Ende Februar bleibt, doch sie hat sich entschieden, bis Ende Mai zu verlängern. So kann sie auch noch an den Deutschen Cheearleading-Meisterschaften teilnehmen. Diese finden im Mai in Koblenz statt. „Das ist fantastisch“, freut sich die 23-Jährige, die ihrem Hobby auch in Deutschland treu geblieben ist: Sie hat bei den MHP Riesen und den Bulldogs aus Ludwigsburg trainiert.

Alltagsproblemchen einer Engländerin in Deuschland


Das Leben in Deutschland bringt für eine Britin das eine oder andere Problemchen mit sich: „Es ist schwierig, Fußball zu schauen, wann immer man will“, sagt Patricia O’Brien. So sei das der Fan des FC Liverpool aus der Heimat aber gewohnt.

Die 23-jährige Fremdsprachenassistentin wohnt in einer Zweier-WG in Ludwigsburg. Mit der schwäbischen Sprache hat sie noch so ihre Probleme: „Immer wenn ich denke, jetzt kann ich’s, kommt wieder jemand, den ich überhaupt nicht verstehe“, lacht sie. Eher hat sie sich da schon mit der Brotkultur angefreundet. „Wenn wir bei uns von Brot reden, meinen wir eigentlich immer Toastbrot. Hier war ich anfangs überfordert.“

Ein echtes Ärgernis sei das Bahnfahren. „Das passt so gar nicht zum deutschen Stereotyp von Pünktlichkeit.“ Zwei Stunden habe sie einmal von Großsachsenheim nach Ludwigsburg gebraucht. msc