Historie Franz Hopf, der Unbequeme

Mitte 19 / Walter Christ 09.06.2018

Mitte 19. Jahrhundert. Kriegs-Nachwehen, Bevölkerungswachstum, Massenarmut  sowie Obrigkeitsgehabe führten dazu, dass sich immer mehr Bürger politisierten. Das Volk muckte hier und da öffentlich wider Fürsten, König, aber auch wider die Kirche auf. Einer der unbequemen Zeitgenossen der Epoche war Franz Hopf, von 1844 bis 1850 Pfarrer in Hohenhaslach. Sein charismatisches  Eintreten für Demokratie in Staat und Kirche hat den evangelischen Geistlichen bis heute zur Streitfigur gemacht.

Während ihn die einen als Patriarchen und Pionier der schwäbischen Demokratie sowie selbstlosen Helfer der Armen fast schon ein wenig in den Heldenhimmel heben, ihn, wie die Vaihinger SPD, auf Maientagsumzügen ehren und manche  in Sachsenheim nach wie vor  eine „Franz-Hopf-Straße“ fordern, halten ihn andere für einen Querulanten, „äußersten Linken“, Nestbeschmutzer und geißeln ihn mit weiteren ruchbaren Titulierungen. Die konträren Ansichten gehen im Flecken gar bis ins Persönliche.

Franz Hopf hatte es mit der Zahl sieben. Am 4. 7. 1807 kam er  in Winterlingen im Oberamt Balingen zur Welt. Mit 37 Jahren zog er nach Hohenhaslach. Am 27. 5. 1887 starb er in Calw, wo er 17 Jahre lang in der Nonnengasse 3 lebte. Seine Eltern starben sehr früh, sodass er mit 14 ins gestrenge Kloster Schöntal musste. Ähnliche Erfahrungen machte er später im Evangelischen Stift Tübingen. Bis Ostern 1829 wurde Hopf als Vikar in Hohenhaslach eingesetzt, um dann eine Stelle in St. Gallen anzutreten. Weitere Stationen waren Steinenbronn, Kleinaspach, Bösingen und Biselsberg sowie Wurmberg. Am 12. Februar 1837 wurde er in Murrhardt zum Diakon ernannt und heiratete Sophie Mutschler.

Nach familiären Schicksalsschlägen bewarb sich der 37-jährige Witwer um die 1844 frei gewordene Pfarrstelle in Hohenhaslach. Dort wurde er am 15. Mai 1844 als Nachfolger von Ludwig Endtner eingesetzt. Im Flecken hatte man sich nur allzu gerne an den einstigen Vikar erinnert. Der damals 1377 Einwohner zählende Kirbachtalort war freilich bettelarm.

Hopfs dortiges Wirken war vorbildlich. Ob es nun Präventivmaßnahmen für Notzeiten, medizinische Ratschläge, Hilfen für Bauern, die Aufnahme Bedürftiger im Armenhaus und das Gründen eines Privatarmenheims oder das Kümmern in individuellen Notlagen waren: Der Herr Pfarrer half.  Auch vom Umgestalten  des Rathausplatzes in eine Baumschule ist nachzulesen. Hopf kaufte oder pachtete aber auch eine am Teufelsberg gelegene Wildnis, ließ Wein- und Obstanlagen, Kegelbahn sowie Turn- und Schießplatz anlegen. Der rhetorisch Gewandte trat hier freilich auch als politischer Agigator  in Erscheinung, da die Anlage am Teufelsberg auch konspirativen Treffen der Republikaner diente. Dem pietistisch gesinnten Lager war das zu viel, zumal sich Hopf auch noch erdreistete, sich mit dem Freudentaler Rabbiner zu verstehen und gar katholische Kollegen im Dienst zu vertreten. Allerdings machte Hopf weiter von sich reden. Verweigerte er bereits die vom Dekan geforderte Berichterstattung, so wird der 18. 2. 1846 als Beginn der Widersetzlichkeiten gegen die Obrigkeit bezeichnet: Hopf überging 1846 bewusst Luthers 300. Todestag. „Ein Affront  gegen den Pietismus?“, heißt es in „Lebensbilder aus Baden-Württemberg“.

Weil der Geistliche die Disputation der Diözese ab dem Jahr 1848 öffentlich boykottierte, führte dies später zu seiner Dienstentlassung. Einer der Gründe, die dem kleingewachsenen Mann mit dem nach dem Berufsverbot demonstrativen roten Rauschebart angekreidet wurden, ist der Verdacht, auch ein Fluchthelfer seines Freundes Dr. Friedrich Rösler gewesen zu sein. Bei einem Landgang vom Hohenasperg am 25. Juli 1852 konnte Rösler fliehen.

Ende Juli 1849 begann im Bezirk Vaihingen ein heftiger Wahlkampf zur Wahl der Abgeordneten der Ständekammer. Schließlich hatten von 1705 Wahlmännern 837 für Hopf und nur 492 für dessen Kontrahenten Redwitz gestimmt. Dass er aber auch im Parlament unerschrocken gegen das Kabinett des Königs auftrat, gefiel der Regierung ganz und gar nicht. Am 3. Oktober 1850 verließ der von der Landeskirche ins kleine Endingen bei Balingen zwangsversetzte „Aufrührer“ und „Ketzer“ Franz Hopf die im 13. Jahrhundert erbaute St.-Georgskirche.  Die Hohenhaslacher Straßen sollen mit Blumen übersät gewesen sein.

Hopf kaufte sich am 10. 7. 1852 am Rande des Heubergs einen Hof, wurde quasi Bauer. Bald erhielt er die Nachricht aus Vaihingen/Enz, dass ihn Freunde gerne als Nachfolger des verstorbenen Stadtschultheißen Redwitz sähen. Er trat die Wahl an und gewann sie auch eindeutig. Die Regierung setzte allerdings nicht den Sieger Hopf, sondern den Zweitplatzierten, Oberamtsaktuar Drück, ein, weil Hopf angeblich hierfür unfähig sei.

Im dritten Anlauf zog der Nimmermüde erneut in den Landtag ein. Er wechselte nach Oberesslingen. Als eine Schlammschlacht  gestaltete sich 1862 der nächste Landtagswahlkampf. Ein Geistlicher soll gewettert haben: „Wer Hopf wählt, ist des Teufels!“ Das Votum mit fünf Stimmen mehr für Hopfs Kontrahenten, den Nußdorfer Schultheißen  Geyer, focht Hopf wegen „oberamtlicher Wahlmanipulation“ an. Im Großraum Vaihingen flogen die Fetzen. Der König ordnete tatsächlich auch Neuwahlen an. „Hopfs Sieg“, so Dr. Isermeyer, „war überwältigend“. Von 552 Wahlmännern waren 377 für den „Volksmann“.  Nachdem Hopf seinen Posten als Redakteur beim „Beobachter“ 1862 abgeben musste, brachte er eine eigene vierseitige Wochenzeitung heraus. Der Titel war bezeichnend: „Gradaus“. Das war dann auch sein Spitzname im Parlament.

Ärger um Straßennamen

Aus  seinen über 20 Jahren als Abgeordneter sticht noch ein Ereignis heraus, das ihn über die Landesgrenzen hinweg vollends berühmt-berüchtigt machte: Nach der französischen Kriegserklärung vom 15. Juli 1870 stimmte der Kämpfer wider eines übermächtigen Einflusses von Preußen  als einziger Abgeordneter in der Zweiten Württembergischen Kammer nicht für die geforderten Kriegskredite. Die Empörung fiel über den „Vaterlandsverräter“ entsprechend  aus.  1870 zog die Familie Hopf/Schiler nach Calw. Dort verstarb  das „Sprachrohr der Demokraten“  am 27. Mai 1887.

Bleibt die Frage: Eine Straße in Sachsenheim nach Franz Hopf benennen? Der Hohenhaslacher  Manfred Baumgärtner hatte es 2008 versucht und für Ärger gesorgt. Das Fazit könnte lauten: Straßennamen ja. Am bequemsten aber nicht im Stadtteil Hohenhaslach.

Info Über Franz Hopf gibt es zahlreiche Nachschlagewerke, die als Quellen dienten. Allen voran Dr. phil. Harald Isermeyer aus Vaihingen-Ensingen. Eine umfassende Darstellung enthält die aktuelle Ausgabe des Sachsenheimer Geschichtsbands  „die Mörin“, die es in der Buchhandlung Bader und im Stadtmuseum in Großsachsenheim zu kaufen gibt.

Familiäre Wurzeln in Bietigheim

Die  stellvertretende Leiterin des Stadtarchivs Bietigheim-Bissingen, Sonja Eisele, ging der Frage nach, wieso Hopf das Bürgerrecht Bietigheims besaß, obwohl er dort nie lebte. Das Ergebnis: Sein Vater Johann Friedrich Hopf war ein gebürtiger Bietigheimer. Als evangelischer Pfarrer wurde er auf verschiedenen Pfarrstellen eingesetzt. Sein durch Geburt erworbenes Bürgerrecht in Bietigheim blieb ihm aber erhalten, und damit auch seinem Sohn Franz.

Urgroßvater Johann Friedrich Hopf wurde am 29. September 1684 in Göppingen geboren. 1710 kam er nach Bietigheim und wurde als Stadtzinkenist und Stadtmusikus angestellt. Die Berufsbezeichnung kommt vom „Zink“, einem historischen Blasinstrument. Zu seinen Aufgaben gehörte vor allem die Kirchenmusik sowie täglich dreimal „auf dem Turm abzublasen“. An bestimmten Tagen musste er Musikstücke vom Turm der Stadtkirche spielen. Zeitweise hatte Hopf auch das Amt des Hochwächters inne. Er war als Wächter auf dem Kirchturm verantwortlich, bei Feuer und Beobachtungen Alarm zu geben. Vermutlich wohnte er  mit seiner Familie in der Türmerwohnung auf dem Kirchturm. 1712 heiratete er Maria Barbara Bolay. Das Ehepaar hatte 14 Kinder. Hopf starb am 20. Mai 1745 in Bietigheim.

Großvater Georg Friedrich Hopf wurde am 16. Oktober 1732 in Bietigheim geboren. Er immatrikulierte sich 1748 an der Universität Tübingen. Danach kam er als Lehrer („Präzeptor“) an die Bietigheimer Lateinschule. Am 2. 10. 1753 hatte er die Bietigheimerin Johanna Friderica Margaretha Leibius geheiratet. Das Ehepaar hatte 18 Kinder.

Franz‘ Vater Johann Friedrich Hopf wurde am 23. Juli 1763 in Bietigheim geboren.  1799 wurde er Pfarrer in Winterlingen. Am 11. Januar 1800 heiratete er die Pfarrerstochter Friederika Caroline Catharina Niethammer. Das Paar hatte fünf Kinder. Eines davon war Franz. „Franz Hopf behielt“, so Sonja Eiseles Recherchen abschließend, „sein Bietigheimer Bürgerrecht. Soweit bekannt ist, lebte er aber niemals selbst in Bietigheim. Besucht hat er die Stadt sicherlich, denn schließlich stammte er aus einer seit drei Generationen in Bietigheim ansässigen Familie und hatte noch Verwandte dort.“ wch

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