Das Geld ist da, das Okay ist da. Aber ob's für die Sachsenheimer Feuerwehr in Kürze ein neues Auto geben wird, steht aktuell in den Sternen. Denn einige Abteilungen - sechs gibt es insgesamt in der Stadt - können sich nicht darauf einigen, wer den Grundbetrag von 350.000 Euro, der im Haushaltsplanentwurf eingestellt und von den Gemeinderatsfraktionen schon für gut befunden wurde, ausgeben darf. Dies wurde am Donnerstagabend in der Sitzung des Technischen Ausschusses bekannt. Zwar hat ein unabhängiger Gutachter im neuen Feuerwehrbedarfsplan, der aktuell im Entwurf vorliegt, eine Reihenfolge festgelegt, welches Auto wann beschafft werden sollte, "damit sind jedoch nicht alle einverstanden", erklärt der Bürgermeister Horst Fiedler am Freitag auf Anfrage.

Knackpunkt: Die Antragsfrist für Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg, die wiederum über den Landkreis Ludwigsburg verteilt werden, endet laut dem zuständigen Sachsenheimer Amtsleiter Jochen Winkler am 15. Februar. Bis dahin muss der Kreisbrandmeister Andy Dorroch eigentlich wissen, welches Auto die Sachsenheimer gern hätten, um zu prüfen, ob das Modell ins Kreiskonzept passt. Laut dem Bürgermeister geht es konkret um eine Förderung in Höhe von 79.000 Euro. Er stellte in der Sitzung am Donnerstag jedoch klar: "Bis zum 15. Februar wird es keine Einigung bei der Feuerwehr geben. Das sehe ich nicht." Den Appell von Thomas Wörner (Grüne Liste), Druck zu machen, lehnte der Rathauschef indes ab. Es sei Sache des Stadtkommandanten Dirk Makkens, zwischen den Abteilungen zu vermitteln. "Ich will niemanden brüskieren, das würde die Feuerwehr noch mehr zerbröseln", so Horst Fiedler auf Nachfrage, ob er nicht einfach bestimmen könne. Der Verwaltungschef erwartet von Dirk Makkens "einen differenzierten Vorschlag, den gibt es aber bislang nicht". Eine Frist habe man ihm jedoch nicht gesetzt. Ralf Nägele (Freie Wähler), selbst Mitglied bei den Brandbekämpfern, versprach am Donnerstag, den Stadtkommandanten nochmals auf den Zeitdruck und das Unverständnis einiger Gemeinderäte anzusprechen. Dirk Makkens selbst zeichnet am Freitag ein anderes Bild von der aktuellen Situation. "Streit gibt es ganz sicher nicht", betont er auf Anfrage. Seit Mitte Dezember liege den Freiwilligen der Bedarfsplan im Entwurf vor, dieser müsse in den einzelnen Abteilungen noch diskutiert werden.

Infos, dass es knirscht zwischen den sechs Feuerwehrabteilungen, sind allerdings nicht neu. Hinter vorgehaltener Hand wird schon lang von Unmut berichtet. Im August 2014 sprach der stellvertretende Kommandant aus Großsachsenheim, Martin Seitz, gegenüber der BZ offen von dicker Luft. Andere Abteilungen sähen die Großsachsenheimer Truppe begünstigt. Und auch der Bürgermeister Horst Fiedler sagte am Donnerstag in der Sitzung des Technischen Ausschusses, dass sich die Abteilungen "zusammenraufen" müssten.

Wer nach dem Urteil des Gutachters das neue Auto in Sachsenheim bekommen soll, ist nur in Feuerwehrkreisen bekannt. Laut dem Bürgermeister sei nicht mal der Gemeinderat über die Empfehlung informiert. Die Stadt Sachsenheim verhandelt indes mit dem Kreisbrandmeister, ob man nicht ein unbestimmtes Auto beantragen kann, damit die Förderfrist nicht verstreicht. Denn Horst Fiedler sagt klar: "Das ist Geld, auf das wir nicht verzichten können." Zudem sei sowohl der Stadtverwaltung als auch dem Gemeinderat wichtig, vom Kreisbrandmeister die Bestätigung zu bekommen, dass die 350.000 Euro gut angelegt seien und das Fahrzeug ins Kreiskonzept passe. Dr. Andreas Fritz, der Sprecher des Landratsamtes, teilt indes mit, dass die Beantragung eines "Blanko-Fahrzeugs" nicht so einfach möglich sei. "Ein Förderantrag muss fahrzeugbezogen gestellt werden", sagt er. Ob dieses Auto dann im Ortsteil A oder Ortsteil B stehe, sei indes irrelevant. Der Kreisbrandmeister Dorroch prüfe allerdings die Notwendigkeit des Gefährts, so dass die Angabe des sogenannten einsatztaktischen Werts zwingend notwendig sei. Danach nehme Andy Dorroch eine Priorisierung vor und reiche sie beim Regierungspräsidium ein.

Im Zweifelfall, so der Sachsenheimer Bürgermeister Horst Fielder abschließend, werde man das neue Auto eben erst 2016 beantragen - also ein Jahr später.

Ein Kommentar von Caroline Holowiecki: Zeit für ein Machtwort

Es erinnert an eine Familie mit sechs Kindern, die jammernd vor dem Süßigkeitenregal stehen. Alle zerren an Papas Hosenbein, alle wollen Schokolade. Und zwar sofort! Der Unterschied ist nur: Die Mitglieder der Feuerwehr in Sachsenheim sind keine Kinder. Was allerdings momentan hinter den Kulissen einiger Abteilungen abzulaufen scheint, klingt wenig erwachsen. Da stellt die Stadtverwaltung einen Batzen Geld zur Verfügung, um ein neues Fahrzeug zu kaufen - für ein weiteres soll bereits im Jahr 2017 nochmals Geld lockergemacht werden -, und anstatt sich zusammenzusetzen und das neue Fahrzeug so einzusetzen, damit alle Abteilungen davon profitieren, wird weiterdiskutiert. Es wird Zeit für ein Machtwort.