Sachsenheim Evangelischer und katholischer Pfarrer über Konfirmation und Kommunion

Sachsenheim / MICHAELA GLEMSER 12.03.2016
Wie sich die Erstkommunion in der katholischen Kirche von der Konfirmation in der evangelischen Glaubensgemeinschaft unterscheidet, erklären die Pfarrer Sunny Muckumkal und Michel Wanner aus Sachsenheim.

Die meisten Vorbereitungen sind bereits getroffen. Nur noch wenige Male besuchen die 23 Kinder der katholischen St. Franziskus-Kirchengemeinde in Sachsenheim ihren wöchentlichen Kommunionunterricht, bevor ihr großes Fest am sogenannten "Weißen Sonntag", traditionell der Sonntag nach Ostern, stattfindet. "Das Wort Kommunion kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ,Gemeinschaft'. Diese Gemeinschaft mit Jesus und der Kirche soll im Mittelpunkt stehen, wenn die Kinder zum ersten Mal die Hostie, als Symbol für den Leib Christi, empfangen", erklärt Pfarrer Sunny Muckumkal von der katholischen Seelsorgeeinheit Stromberg.

Zu Beginn des dritten Schuljahrs werden die Kommunionkinder, die in der Regel acht bis neun Jahre alt sind, in kleine Gruppen eingeteilt, in denen der wöchentliche Kommunionunterricht erfolgt. "Die Kleingruppen werden jeweils von Müttern oder Vätern betreut, die von unserem Pastoralreferent Josef Haselberger unterstützt werden", sagt Muckumkal. Die Kinder lernten dabei wichtige Bibelstellen kennen, versuchten die Worte in die heutige Zeit zu übertragen und könnten ihre Ansichten zu bestimmten Themen wie Versöhnung oder Vergebung äußern. "Zudem treffen sich alle zusammen einmal zu einer umfassenden Kirchenbesichtigung, in der sie die wichtigen Orte im weiten Kirchenrund kennen lernen", sagt der katholische Pfarrer.

Im Laufe der Jahre hat sich vieles bei der Erstkommunion verändert. Die Kinder müssen davor nicht mehr in einem furchteinflößenden Beichtstuhl wie früher kleinlaut ihre Sünden vortragen, sondern Pfarrer Muckumkal trifft sich mit ihnen in entspannter Atmosphäre zu einem persönlichen Gespräch, bei dem die Kommunionkinder sagen können, was ihnen auf der Seele liegt. Auch die Garderobe am großen Tag ist nicht mehr auf den dunklen Anzug mit Krawatte oder das lange weiße Kleid beschränkt. "Die Kommunionkinder dürfen anziehen, was sie wollen. Wer sich nichts extra kaufen möchte, erhält auch von der Kirchengemeinde ein einheitliches Gewand", so Pfarrer Muckumkal.

Überhaupt komme es ihm darauf an, dass bei der Erstkommunion nicht die Geschenke die eigentliche Bedeutung des Tages überlagern. "Die Kinder sollen die Hostie nicht nur das erste Mal hinunterschlucken, sondern richtig hungrig sein nach der Gemeinschaft mit Jesus und sich auch über den Erstkommuniontag hinaus in der Kirchengemeinde als Ministranten oder in der Jugendarbeit engagieren." Mit der Taufe, der Kommunion und der Firmung im Alter von zwölf bis 13 Jahren werden die Kinder als vollwertige Mitglieder in die katholische Kirchengemeinde aufgenommen. Während bei der Kommunion die Eltern meist noch die Entscheidung für ihre Töchter und Söhne treffen, entscheiden bei der Firmung die Jugendlichen meist selbst, ob sie bewusst der Gemeinschaft mit Jesus angehören wollen", sagt Pfarrer Muckumkal.

Daher ähnelt die Firmung auch der Konfirmation in den evangelischen Kirchengemeinden. Die Konfirmation wurde im Jahr 1723 in Württemberg eingeführt. Ihr Anliegen stammt aus dem Pietismus, denn die jungen Menschen sollten die Möglichkeit erhalten, bewusst ihren Glauben an Jesus Christus zu bekräftigen, wie Pfarrer Michael Wanner von der evangelischen Kirchengemeinde in Hohenhaslach erzählt. "Dies besagt schon der Wortursprung aus dem Lateinischen. ,Confirmare' bedeutet ,stärken' oder ,bekräftigen'", betont Pfarrer Wanner.

Während des einjährigen Konfirmandenunterrichts werden die 13 bis 14 Jahre alten Jugendlichen mit den wichtigsten Inhalten des christlichen Glaubens bekannt gemacht, wobei das Glaubensbekenntnis als Orientierung dient. "Das Bekenntnis zur Gemeinschaft und zu einem Leben mit Jesus Christus muss am Konfirmationstag nicht mehr auswendig aufgesagt werden, sondern jeder bekennt sich im stillen Gebet." Die Konfirmation, sagt der evanglische Pfarrer Wanner, habe wie der Konfirmandenunterricht eine zunehmende Säkularisierung, also eine Verweltlichung erfahren. "Es wird heute nicht mehr allzu viel auswendig gelernt, sondern es geht auch darum, die Konfirmanden mit dem Gemeindeleben bekannt zu machen. Sie absolvieren bei uns beispielsweise Praktika in unseren kirchlichen Jugendgruppen, im Pfarramt, beim Gottesdienst oder im diakonischen Dienst", erläutert der evangelische Pfarrer Wanner.

Ziel ist es, dass sich die Jugendlichen auch über ihre Konfirmation hinaus in der Kirchengemeinde engagieren, was in Hohenhaslach alljährlich sehr gut gelingt. So helfen inzwischen viele ehemalige Konfirmanden bei der Kindergruppe "Abenteuerland", und einer arbeitet sogar seit Jahren als ehrenamtlicher Messner.

Den Konfirmanden selbst stehen während ihrer Vorbereitungszeit jugendliche Paten aus der Kirchengemeinde mit Rat und Tat zur Seite. "Die Paten sollen den Konfirmanden von ihren eigenen Glaubenserfahrungen erzählen. Der entscheidende Punkt bei der Konfirmation ist doch, dass die Jugendlichen sich von innen heraus für ein Leben mit Jesus Christus entscheiden und sich zu einem aktiven, lebendigen Glauben bekennen", unterstreicht Pfarrer Wanner.

Er tauft in den vergangenen Jahren auch immer mehr Jugendliche direkt bei ihrer Konfirmation, denn die Taufe ist wie bei der Kommunion wichtige Voraussetzung für dieses Glaubensfest. Der Termin für die Konfirmation war früher der Palmsonntag oder der Sonntag davor, weil dieser Tag mit dem Ende der Schulzeit zusammenfiel, und die Jugendlichen nach der Konfirmation häufig ins Arbeitsleben starteten.

Inzwischen ist der Termin mit dem heutigen Schulkalender abgestimmt, sodass das Konfirmationsfest in vielen Kirchengemeinden erst im Mai gefeiert wird.

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