Themen in diesem Artikel

BZ
Sachsenheim / Von Mathias Schmid  Uhr

Das Schloss-Freibad in Sachsenheim ist eigentlich eine Idylle – und ein Erfolgsprojekt: Überall, wo man hinhört, gibt es nur Begeisterung für der Trägerverein, der das Bad vor seiner Schließung bewahrt und anschließend topp in Schuss gebracht hat. Doch weil ein paar Besucher unsanft gebeten wurden zu gehen, verteufeln die nun die „Zweiklassengesellschaft“. Denn Mitglieder haben im Schloss-Freibad seit jeher Sonderbadezeiten. Der Verein spricht von einem unglücklichen Vorfall.

Es ist als offizielle Bewertung auf Google zu lesen. Ein ehemaliger Gast beschwert sich dort: „Ein überheblicher und arroganter Vorstand“ habe ihn, seine Tochter und eine andere Besucherin „belästigt“. Auslöser war die Frage: „Sind sie Mitglied?“ Das fragen die ehrenamtlichen Kontrolleure des Trägervereins jeden Donnerstag bis Freitag, vor 19 Uhr. Denn dann müssen alle Nicht-Mitglieder das Bad verlassen. Zwei Stunden exklusive Badezeit für die Unterstützer des Trägervereins. Problem war wohl vor allem der Ton, in dem besagtes Vorstandsmitglied die Badegäste daraufhin zum Gehen aufforderte. Der Google-Rezensent klagt darüber, dass das Verhalten seine elfjährige Tochter verängstigt habe.

Eine andere erboste Besucherin, die ebenfalls in den Streit verwickelt war, schrieb keine Google-Bewertung, sondern meldete sich bei der BZ. Sie klagt: „Das Freibad mutiert immer mehr zum Privatbad für Vereinsmitglieder.“ Sie beteuert auch, dass es zu Beginn des Gesprächs gerade einmal 18.36 gewesen sei – also genug Zeit, um zu gehen. Außerdem sei ihr ein Prospekt vor die Füße geworfen worden, mit den Worten: „Wenn Sie länger bleiben wollen, werden Sie Mitglied.“ Für sie steht ebenso wie für den anderen Beschwerenden fest: „Das war das letzte Mal, dass ich das Bad besucht habe.“

In der Antwort des Trägervereins auf die Google-Rezension reagiert der Trägerverein relativ deutlich auf die Vorwürfe: „Ohne den Trägerverein Schloss-Freibad Sachsenheim und diese Erweiterung der Badezeiten gäbe es das Schloss-Freibad in Sachsenheim schon lange nicht mehr.“ Auch die Kontrollen werden verteidigt. Diese seien „leider erforderlich, da es immer wieder Badegäste gibt, die zwar die Vorteile nutzen wollen, ohne jedoch die entsprechende Leistung hierfür zu erbringen.“ Und: „Eventuell entstandene Missverständnisse bitten wir zu entschuldigen.“

Auf Nachfrage der BZ bedauern die Verantwortlichen dann auch, wie die Situation eskaliert ist. Der Vorsitzende Axel Griesbaum spricht von einer „Kommunikationspanne“, betont: „Den Schuh ziehen wir uns auch an. Das darf nicht passieren, es war eine unglückliche Situation. Trägerverein-Sprecher Holger Vogt ergänzt: „Wir haben uns klar vorgenommen, dass es so etwas nicht mehr geben darf.“ Griesbaum betont aber auch: „Das ist das erste Mal in 16 Jahren, dass so etwas passiert ist.“ Sicher, „es kam immer mal wieder das Thema mit VIP auf“, meint er, manch neidischen Blick auf die Vereinsmitglieder und ihre Sonderrechte, „aber das ist Quatsch. Der Unterschied zur Jahreskarte sind ein paar Euro. Deshalb wird man kein VIP.“ Die Jahreskarte kostet laut Homepage 73, eine jährliche Mitgliedschaft 85 Euro.

Und die Privatzeiten für Mitglieder seien „seit dem 15. Mai 2004“ (Griesbaum), also seit der Verein das Freibad betreibt – gleich: jeden Donnerstag bis Sonntag, von 7 bis 9 und von 19 bis 21 Uhr. „Das ist das Bonbon für die Vereinsmitglieder“, betont Vogt. Und die Kontrollen, dass diese Zeit auch eingehalten werden kann, seien wichtig: „Das ist auch eine Wertschätzung der Mitglieder. Die zeigen auch gerne ihre Ausweise.“

Besonders an heißen Tagen, so die verärgerte Dame zur BZ, sei das aber ein Problem: „Viele schaffen es ja wegen der Arbeit gar nicht vor 17 Uhr ins Bad.“ Doch eine spontane Ausweitung  für alle Gäste sieht der Trägerverein problematisch: „Das geht nicht. Dann muss beispielsweise der Schwimmmeister dabeibleiben.“ Der wird von der Stadt gestellt. Die Vereinszeit organisieren die Mitglieder mit der DLRG.

„Insgesamt haben wir ein absolut stimmiges Konzept. So viele Leute können nicht irren“, fasst Vereinschef Axel Griesbaum mit stolzem Blick auf die Mitgliederzahlen zusammen: „Wir haben fast 300 neue dieses Jahr, stehen kurz vor der 1900er-Marke.“

Das Schloss-Freibad: top bewertet bei Google

Mit im Durchschnitt 4,5 von 5 Sternen bewerten insgesamt 107 Nutzer das Schloss-Freibad in Sachsenheim. Lediglich dreimal gibt es nur einen Stern, einmal zwei, siebenmal drei. Ansonsten verteilen fast 100 Bewerter vier oder fünf Sterne.

Kritikpunkte sind mal der Eintrittspreis (mittlerweile 4 Euro für Erwachsene), mal die Wartezeit am Kiosk, mal die Eignung des Bads für Kinder. Ansonsten geht es eher in die Richtung einer Bewertung, die vor zehn Monaten von Sigrid Fürderer-Schmied abgegeben wurde: „Übersichtliches Freibad mit kurzen Wegen und ganz besonderem Flair. Nettes Personal. Sehr gepflegt. Familienfreundlich und für jeden was dabei.“ msc