Sachsenheim Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen kostet mehr

Sachsenheim / Von Michaela Glemser 19.07.2018

Ganze 452 000 Euro betragen die überplanmäßigen Ausgaben für die Obdachlosen- und Flüchtlingsunterbringung, die die Stadtverwaltung den Gemeinderäten in ihrer jüngsten Sitzung zur Genehmigung vorlegten.

„Vor allem in drei Bereichen kam es zu diesen Mehrkosten: bei der Gebäudeunterhaltung, bei der Interimsnutzung der Container an der Gemeinschaftsschule und bei Vorhaben, die aus dem Jahr 2017 in dieses Jahr verschoben wurden“, erläuterte der Teamchef Verwaltung, Stefan Trunzer. So wurde beispielsweise die Unterkunft „Im Steigle“ in Hohenhaslach im März vom Landkreis Ludwigsburg, an den sie zuvor vermietet worden war, von der Stadt für die Anschlussunterbringung übernommen (die BZ berichtete).

Erhebliche Reparaturkosten

Die Stadt musste für die Inneneinrichtung nichts zahlen, sie jedoch auf eigene Kosten instandsetzen lassen. Zudem sind nach der vorübergehenden Nutzung der Container, die eigentlich für den Umbau der Gemeinschaftsschule bestimmt waren, erhebliche Reparaturkosten entstanden. Insgesamt belaufen sich die gegenüber den Etatplanungen höheren Ausgaben im Bereich der Gebäudeunterhaltung auf 131 000 Euro.

Auch bei den Ausgaben für Heizung, Strom, Wasser und Abwasser reichen die ursprünglichen Haushaltsansätze nicht aus. Rund 55 000 Euro müssen dafür insgesamt mehr ausgegeben werden. Unter anderem ist dafür auch das Verhalten der Bewohner die Ursache, die teilweise mit hochgedrehter Heizung dauerhaft lüfteten. „Es ist eine langwierige Aufgabe, bei den Bewohnern im Bewusstsein für den Umgang mit Energie etwas zu ändern“, betonte Trunzer, „unser Hausmeister geht regelmäßig in die Objekte und versucht so, Fehlentwicklungen vorzubeugen. Er macht im Bereich der Prävention sehr viel.“

Durch die Beschäftigung dieser Vollzeitkraft und seiner Urlaubsvertretung durch ein externes Unternehmen sind überplanmäßige Ausgaben in Höhe von 25 000 Euro entstanden. Weitere zusätzliche Kosten von 35 000 Euro sind für die Reinigung der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte nötig. Auch die im Etatplan berücksichtigten Finanzmittel für das Mieten und Pachten von Objekten reichen nicht aus. In diesem Bereich fallen 160 000 Euro mehr an.

Nach Angaben von Silke Deuschel vom Fachbereich Bürgerservice steigen die Zahlen der Menschen in der Anschlussunterbringung kontinuierlich, während jene der Menschen in der vorläufigen Unterbringung rückläufig sind. Aktuell hat die Stadt den Bau 1 des Gebäudes am Seepfad in Großsachsenheim zum Bezug freigegeben. Ende Juli soll auch Bau 2 bezogen werden. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Anlage im Holderbüschle bezugsfertig sein.

86 Menschen bis Jahresende

„Wir müssen bis Jahresende noch 86 Menschen in der Anschlussunterbringung aufnehmen. Da Mietverträge aber auslaufen, fallen bis Jahresende auch 28 bestehende Plätze weg, sodass wir weiterhin auf der Suche nach Mietobjekten und Immobilien für eine dezentrale Unterbringung sind“, betonte Silke Deuschel. Sobald die Prognosen für die Aufnahme in 2019 vorliegen, soll mit dem Bau der weiteren Projekte in der Sersheimer Straße und in der Steingrube begonnen werden. Bürgermeister Horst Fiedler unterstrich, dass sich die Neubauten am tatsächlichen Bedarf orientieren sollten, aber die Stadt auch zeitnah agieren müsse.

Aktueller Stand der Unterbringung

Derzeit wohnen 12 Menschen im Stadtgebiet Sachsenheim im Rahmen der vorläufigen Unterbringung und 236 im Rahmen der Anschlussunterbringung. 112 von diesen Menschen in der Anschlussunterbringung leben in Groß-, 41 in Kleinsachsenheim, 59 in Hohenhaslach, 6 in Ochsenbach, 5 in Häfnerhaslach und 13 in Spielberg.

„194 dieser Menschen sind in städtischen Gebäuden untergebracht und 92 in einem privaten Mietverhältnis. 106 Menschen sind Einzelpersonen und 130 verteilen sich auf 27 Familien“, erläuterte Silke Deuschel vom Fachbereich Bürgerservice. Die meisten in der Anschlussunterbringung kommen aus Syrien, gefolgt von Afghanistan, Eritrea und Gambia.

70 Prozent der Menschen sind männlich und 30 Prozent weiblich. Einen Aufenthaltstitel haben ebenfalls 70 Prozent, 10 Prozent besitzen eine Duldung und 20 Prozent befinden sich noch in einem laufenden Asylverfahren. „98 Erwachsene in der Anschlussunterbringung machen einen Sprachkurs oder haben ein Arbeits- oder Ausbildungsverhältnis“, berichtete Deuschel.

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