Sachsenheim / Michaela Glemser

Es hat beispielhaften Charakter in ganz Württemberg: Das Haus am Sonnenfeld in der Großsachenheimer Karl-Heinz-Lüth-Straße, das am Samstag feierlich eröffnet wurde, zeigt, wie die enge Kooperation von zwei diakonischen Partnern funktionieren kann.

Seit November 2018 haben die Mitarbeiter der Evangelischen Altenheimat im Pflegeheim mit 60 stationären Pflegeplätzen, davon zehn für die Kurzzeitpflege, ihren Betrieb aufgenommen. Seit Ende vergangenen Jahres haben auch die Mitarbeiter der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim in einem zweiten Gebäude ihre neuen Arbeitsplätze bezogen. Neben den stationären Pflegeplätzen, von denen derzeit knapp 30 belegt sind, gibt es auch 24 Seniorenwohnungen im Rahmen des „Betreuten Wohnens“, die allesamt bereits verkauft sind. Zudem sind 15 Wohnungen für das „Betreute Wohnen Plus“ vorhanden, von denen acht bereits bewohnt sind. Sie befinden sich in den Geschossen über der Sozialstation und sind für Menschen mit einem erhöhten Pflege- und Betreuungsbedarf gedacht. Für alle Wohnungen übernehmen die Mitarbeiter der Kirchlichen Sozialstation die gewünschte Betreuung und Versorgung.

„Diese räumliche und persönliche Verbindung von zwei manchmal unterschiedlichen Welten der ambulanten und stationären Pflege ist ein wichtiger Schritt. Er gestaltet die Wege kürzer, erhöht den Informationsfluss und die Beratungsqualität und macht die Synergieeffekte greifbar. Dies ist ein großes Plus für die Lebensqualtität der Bewohner und Klienten“, lobte Eva-Maria Armbruster, stellvertretendes Vorstandsmitglied des Diakonischen Werks Württemberg. Im Aufbau eines kirchlich-diakonischen Netzwerks, das auf die angrenzende Kommune und darüber hinaus ausstrahlt, könne den beiden großen Herausfoderungen in der Pflege, der fehlenden Zahl an Fachkräften und Plätzen, begegnet werden, so Armbruster. Auch in Sachsenheim fehlen nach aktuellen Berechnungen rund 200 Pflegeplätze. Entsprechend glücklich war Bürgermeister Horst Fiedler über die Einweihung des neuen Hauses am Sonnenfeld. „Mit diesem Haus haben wir nicht das Ende unserer Bemühungen in Sachsenheim für die Pflege und Betreuung der älteren Menschen erreicht. Wir sind dabei neue Standorte für ähnliche Projekte zum Beispiel in Hohenhaslach zu finden. Ältere Menschen wollen in ihrem gewohnten Umfeld bleiben und auch die Angehörigen brauchen kurze Wege zu ihren pflegebedürftigen Verwandten“, sagte Fiedler. Matthias Günther, Geschäftsführer des Bauträgers FWD-Hausbau- und Grundstücks-GmbH, der gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Axel Zimmermann das Bauprojekt begleitet hatte, verwies darauf, dass mit dem Haus am Sonnenfeld ein verlässlicher Baustein für die Daseinsvorsorge in Sachsenheim gesetzt worden sei.

Ein symbolischer Schlüssel

Er überreichte offiziell an den Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation Lothar Kämmle und an die Leiterin des Pflegeheims Patricia O’Rourke den Schlüssel in Form eines großen Hefezopfes. Beide Kooperationspartner blicken zuversichtlich in die gemeinsame Zukunft.

„Wir haben schon bei der Mitarbeiterfindung von der Evangelischen Altenheimat profitiert. Früher mussten wir tagelang herumtelefonieren, um Klienten, die plötzlich eine stationäre Pflege nötig hatten, unterzubringen. Jetzt haben wir kurze Wege“, sagte Kämmle.

Ähnlich sah es auch Heimleiterin O’Rourke, die ergänzte, dass im Miteinander eine Fülle von Angeboten geschaffen werden könne. Das Haus am Sonnenfeld solle allen Menschen offen stehen. So gibt es Kooperationen mit Schülern des Lichtenstern Gymnasiums und der Hohenhaslacher Kirbachschule. Vertreter der Stadtbücherei kommen regelmäßig mit einem Bilderbuchkino vorbei, und die Sachsenheimer Chorleiterin Christiane Hähnle bietet den Bewohnern ein gemeinsames Singen. Sie hatte mit ihnen seit acht Wochen geprobt. Dies zeigte sich am Samstagnachmittag bei einem gemeinsamen Auftritt der Bewohner und des Projektschors „Einfach Singen“.

Bürger nutzten die Gelegenheit bei Führungen das Haus am Sonnenfeld näher kennen zu lernen. Die hellen, freundlich eingerichteten Einzelzimmer mit Bad im Pflegeheim sind in vier Wohngruppen auf jeweils einer Etage mit je 15 Bewohnern angeordnet. Eine Wohngruppe ist für Menschen mit Demenz. Mittelpunkt jeder Wohngruppe ist je eine Küche mit angrenzendem Wohnzimmer mit gemütlichen Sesseln und Sofas. In der Küche wird das Essen verteilt, das im Haus selbst nur noch fertig gegart und von der Zentralküche der Evangelischen Altenheimat in Stuttgart angeliefert wird. Ähnlich ansprechend sind auch die betreuten Wohnungen. Verbindung der Gebäude sind ein gemeinsames Foyer und eine Cafeteria als „Raum der Mitte“, in denen beide Kooperationspartner sich zu gemeinsamen Veranstaltungen und Unternehmungen treffen können.

Info Im Rahmen der BZ-Aktion „Menschen in Not“ erhielt die kirchliche Sozialstation im Jahre 2016 zur Unterstützung 30 000 Euro für die Einrichtungen und einen Demenzgarten im Neubau des Seniorenzentrums Haus am Sonnenfeld in Großsachsenheim.

Im Rahmen der BZ-Aktion „Menschen in Not“ erhielt die kirchliche Sozialstation 2016 zur Unterstützung 30 000 Euro für die Pflegeeinrichtungen und einen Demenzgarten im Neubau des Seniorenzentrums in Großsachsenheim. bz