Stadtbild Enßle-Areal: Kampf um die Meinungshoheit

Am und um die ehemalige Lederwarenfabrik soll in Vaihingen ein Wohn- und Einzelhandelskomplex entstehen – vorausgesetzt eines positiven Bürgerentscheids am 18. März.
Am und um die ehemalige Lederwarenfabrik soll in Vaihingen ein Wohn- und Einzelhandelskomplex entstehen – vorausgesetzt eines positiven Bürgerentscheids am 18. März. © Foto: Helmut Pangerl
Vaihingen / bz 16.02.2018

In gut einem Monat, am 18. März, entscheiden die Vaihinger Bürger, ob auf dem Enßle-Areal nahe des Stadtzentrums ein Wohn- und Einzelhandelskomplex, wie von der Stadt vorgeschlagen, entsteht. Die Stadt hat die Infobroschüre verteilt, von der Bürgerbewegung kommt Kritik. Dabei sollen die Inhalte abgestimmt gewesen sein.

Auf acht Seiten wird das Projekt vorgestellt: Geschichte des Areals, Pläne, eine Seite mit Argumenten der Befürworter sowie eine darauffolgende mit den Vorteilen der Umgestaltung aus Sicht der Verwaltung und des Gemeinderats. Dazu Visualisierungen und eine Seite zum Ablauf des Bürgerentscheids. Schlusswort: „Ihre Stimme ist wichtig! Gehen Sie zur Abstimmung.“

Die Bürgergärtenbewegung (BGB), die gegen die Umsetzung des Projekts ist, geht mit der Broschüre hart ins Gericht: Die Tatsache, dass laut Gemeindeordnung Gemeinde und Bürgerbewegung in gleichem Umfang zu Wort kommen müssen, ist aus ihrer Sicht nicht gegeben. „Die Stadtverwaltung Vaihingen hat da ihre ganz eigene Meinung, was ,im gleichen Umfang’ und somit Fairness bedeutet.“  Denn die sechs Seiten neben der jeweiligen Argumente-Seite beider Parteien sind aus ihrern Sich mitnichten „amtlichen Informationen“, sondern „an verschiedenen Stellen einseitig und tendenziös“.

Vaihingens Hauptamtsleiter Hans Rentschler betont aber: „Die Inhalte sind mit der Bürger­initiative abegstimmt worden. Außer den Ansichten des Gemeinderats hätte die Bürgerinitiative alle Seiten erhalten. „Wir haben auf die Vorschläge reagiert und sie teilweise übernommen. Wir waren uns insogern einig, dass beide Seiten gesagt haben: ‚Damit können wir leben’.“ Die BGB sieht das anders: „Immerhin durfte die BGB auf ihr Drängen hin Schadensbegrenzung betreiben, einige Formulierungen wurden gestrichen, geändert und mit aufgenommen, sonst wäre die Historie um einiges einseitiger ausgefallen.“

„Tendenziöse“ Visualisierung

Auch für die drei Bilderseiten hagelt es Kritik: Bei den Visualisierungen „wurden Ansichten gewählt, die nicht das volle Ausmaß des Neubaus zeigen“. Durch die Wahl der Perspektive wirkten die Gebäude unter anderem „filigraner“. „Es ist nicht ersichtlich, dass das neue Gebäude die dreifache Grundfläche des Enßle-Gebäudes erhalten soll“, schreiben die Initiatoren weiter. Aus ihrer Sicht lässt sich auch nicht erkennen, dass man das Vaihinger Wahrzeichen, das Schloss, vom Köpfwiesenweg aus nicht mehr sehen werde. „Es wäre fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre, dass der Bürger hier im Namen der ,amtlichen Information’ teilweise eher desinformiert wird“, schließt die BGB.

Info Beim Entscheid am 18. März ist über folgende Frage abzustimmen: „Sind Sie dafür, dass in den nächsten drei Jahren eine Änderung des Bebauungsplans Köpfwiesen unterbleibt?