Die Biogasanlage im Glattbacher Weg vor den Toren der Gemeinde Sersheim erzeugt Energie, mit der heute schon Hofäckerschule, Kindergarten, Sport- und Kultur- sowie Gymnastikhalle beheizt werden. Doch mit dieser Biowärme könnten künftig noch mehr öffentliche und private Gebäude in Sersheim versorgt werden. Dafür hat die Ver- und Entsorgungsgesellschaft Sersheim (VES) und das Ingenierbüro IBS aus Bietigheim-Bissingen ein Quartierskonzept erstellt, das staatlich gefördert wurde.

„Im Rahmen dieses Konzepts sollte der Ausbau der Nahwärmeversorgung in Sersheim zunächst in einem Gebiet vom Schulzentrum bis zum Markt weiter zum Rathaus und Bürgerhaus bis zum Metterweg entwickelt werden“, erklärte Sersheims Kämmerer Matthias Hirner bei einer Infoveranstaltung für Bürger am Donnerstagabend. Rund 248 private Gebäude, die geplanten neuen Mehrfamilienhäuser in der Sedan- und der Schloßstraße sowie das Rathaus, das Bürgerhaus und das Pflegeheim könnten an die ausgebaute Nahwärmeversorgung angeschlossen werden.

Großes Ziel ist es, die Energieeffizienz zu erhöhen und so die Kohlenstoffdioxid-Emissionen deutlich zu reduzieren. Fachleute haben die Gebäude in diesem Areal analysiert. Der überwiegende Anteil wurde vor 1948 gebaut. Nur elf Häuser sind von nach 2002, bei denen schon die damals gültige Energieeinsparverordnung Berücksichtigung gefunden hat. Teilweise wurden die Häuser bereits modernisiert: 31 Prozent haben Wärmeschutzverglasungen eingebaut, 21 ihr Dach erneuert, 14 eine die Außenwände gedämmt und 23 ihre Energieversorgung verbessert. Der Wärmebedarf besagten Gebiets beläuft sich heute auf rund 10 700 Megawattstunden pro Jahr.

Derzeit werden mit dem Biogas der Anlage in Sersheim 45 Prozent Strom und 55 Prozent Abwärme erzeugt. Die Biogasanlage in Sachsenheim beispielsweise liefert 100 Prozent ihrer Abwärme an die Fernwärmeversorgung in den Bietigheimer Kreuzäckern und der Innenstadt, sagt Rainer Kübler, Geschäftsführer der VES und der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen. „Ein ähnliches Modell ist auch mit einer Nahwärmeversorgung in Sersheim denkbar.“ Die Haupttrasse soll von der Hofäckerschule über die Jahn- in die Horrheimer, weiter in die Sedan- bis in den unteren Bereich der Tal- und weiter in die Schloßstraße bis zur evangelischen Kirche führen.

Anwohner an dieser Hauptstraße bekommen die Nahwärme direkt ins Haus und brauchen keinen Platz für einen Heizkessel oder Öltank mehr, so Kübler. „Die Preise für die Nahwärme sind weitgehend unabhängig von Öl- und Gaspreisen werden mit unseren aktuellen Preisen in Bietigheim-Bissingen vergleichbar sein. Die Anschlusskosten sind von den Gegebenheiten vor Ort abhängig“, erläuterte Kübler. Er stellte in Aussicht, dass auch Haushalte angeschlossen werden könnten, die nicht direkt an der Trasse liegen. „Wenn sich mindestens 60 Prozent der betroffenen Haushalte für einen Anschluss entschließen würden, wären wir zunächst zufrieden.“

Die Sorgen der anwesenden Bürger, dass bei der Nahwärmeversorgung mit Ausfällen zu rechnen sei, zerstreute der Geschäftsführer der VES. Neben der Biowärme könnten in einem Blockheizkraftwerk auch zwei Gaskessel die Leistung in Spitzenzeiten abdecken, betonte Kübler.

Im Dezember will der Aufsichtsrat der VES abschließend über den Ausbau beraten. Im Januar soll es erneut eine Infoveranstaltung geben, in der auch die genauen Kosten und Preise vorgestellt werden sollen. Dann könnte der Ausbau beginnen, sodass Ende 2020 oder Anfang 2021 die ersten Sersheimer Bürger ihre Häuser mit Nahwärme beheizen könnten.