Schwerpunkt Ärzteversorgung Eine nicht ganz freiwillige Zentralisierung

Unter anderem das Sachsenheimer Ärztehaus in der Großsachsenheimer Von-Koenig-Straße 17 soll die Qualität der Ärzteversorgung in der Flächenstadt sichern.
Unter anderem das Sachsenheimer Ärztehaus in der Großsachsenheimer Von-Koenig-Straße 17 soll die Qualität der Ärzteversorgung in der Flächenstadt sichern. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Mathias Schmid 13.01.2018

Auch in Sachsenheim wird die Ärzteversorgung zunehmend zentralisiert. Ein wichtiger Schritt dahin war auch das Ärztehaus Vitalis in Großsachsenheim, das im Frühjahr 2015 eröffnete. Für Stadtsprecher Matthias Friedrich ist die Zentralisierung nur die Reaktion auf die Tatsache, dass auf dem Land nur schwer Ärzte zu gewinnen sind.

„Zentral im Herzen von Sachsenheim, vereint das Ärztehaus Vitalis viele Ärzte und Therapeuten als wichtiges Gesundheitszentrum“, heißt es auf der Internetseite der Einrichtung. Und weiter: „Mit diesem Ärztehaus ist die Patientenversorgung in Sachsenheim langfristig sichergestellt.“ Und genau das ist der Punkt: Anstatt sich um Ärzte in den ländlicheren Bereichen, vor allem im Kirbachtal, zu kümmern, setzt die Stadt lieber auf eine zentrale und dafür sichere sowie gute Versorgung. Aus Sicht des Stadtsprechers ist das nur vernünftig. Denn mit einer entsprechenden Zentralisierung kann die Qualität der Versorgung gesichert werden.

Dennoch will die Stadt natürlich auch so lange wie möglich die anderen Standorte halten: In Hohenhaslach gibt es derzeit laut Stadt-Homepage noch zwei, in Kleinsachsenheim noch einen Arzt. Die anderen drei Stadtteile sind schon fast traditionell ohne eigene Ärzteversorgung. Ausnahme ist hier Häfnerhaslach: Hier hatte bis 2013 Odilo Schnabel einmal pro Woche praktiziert – zunächst in einer Besenwirtschaft, später dann in der Häfnerhalle. „Vorteilhaft war das natürlich schon“, erinnert sich Häfnerhaslachs Ortsvorsteher Holger Springer, „aber als das vorbei war, hat es auch keinen großen Aufschrei gegeben.“ Schnabel war ansonsten schwerpunktmäßig in einer Praxis in Zaberfeld tätig. Diese, so die Stadtverwaltung, sei auch heute noch Anlaufpunkt für einige Menschen aus dem Kirbachtal.

Ohnehin orientiert sich Häfnerhaslach ärztetechnisch traditionell nicht zwingend am mehr als 15 Kilometer entfernten Großsachsenheim. „Die Leute gehen teilweise nach Sersheim oder Freudental“, weiß Springer. Er und andere Dorfbewohner suchen sich auch am Ort der Arbeitsstelle die entsprechenden Ärzte. „Aber es gibt sicher auch genug, die in Sachsenheim ihre Ärzte habe. Hohenhaslach gibt es ja auch noch Ärzte.“

Für die entfernteren Stadtteile ist es ohnehin nichts Neues, dass sie aus dem Ort raus müssen, um einen Arzt zu finden. Das betont auch Spielbergs Ortsvorsteher, Volker Pertler. Für die meisten Bewohner auf „dieser Seite des Bergs“ (Pertler) sei Hohenhaslach als Ärzteanlaufpunkt völlig in Ordnung. Die Busverbindung nach Großsachsenheim ist gut und wird noch besser“, sagt der Ortsvorsteher. Einen Arzt hätte es in Spielberg seines Wissens nach noch nie gegeben. „Früher gab es die Gemeindeschwester, was man vielleicht mit dem mobilen Pflegeverein heute vergleichen kann.“

Stadtsprecher Matthias Friedrich gibt außerdem zu bedenken: Selbst wenn eine Ansiedlung in entfernteren Teilen des Kirbachtals gelingen würde, wäre die unter Umständen nicht zuträglich für die Gesamtversorgung in der Stadt. Denn die Praxislizenzen der Krankenkassen gelten für die gesamte Stadt Sachsenheim. Sprich: Siedelt sich an einer Stelle ein Arzt an, schließt das die Niederlassung an anderer Stelle an. Und Friedrich weiß: „Die Ärzte wollen in den Innenstadtbereich und dorthin, wo schon andere Praxen sind. Wenn überhaupt Nachfolger gefunden werden, dann oft in Gemeinschafts-
praxen oder Ärztehäusern.“

Neuer Anlauf in Oberriexingen

In Oberriexingen gab Dr. Gabriele Eismann nach Angaben der Stadt vor einigen Jahren ihre Allgemeinarztpraxis auf. Bereits 2012 hatte die Stadt einen Anlauf gestartet, einen neuen Hausarzt zu gewinnen. Damals. unter Bürgermeister Werner Somlai. blieb das Vorhaben allerdings ohne Erfolg.

Unter Frank Wittendorfer soll nun ein neuer Versuch gestartet werden: Im derzeit entstehenden Neubaugebiet wird die Stadt eine Wohnung kaufen, die im besten Falle an einen Allgemeinmediziner vermietet werden soll. „Ich weiß, dass das nicht einfach wird, aber einen Versuch ist es Wert“, sagt Wittendorfer, „in Freudental funktioniert die Praxis. Oberriexingen hat mehrere Hundert Einwohner mehr. Aber ich weiß auch, dass die allgemeine Nachwuchssituation schwierig ist.“

Gegen Mitte des Jahres will er sich intensiver mit dem Thema befassen. Bis Ende des Jahres soll dann entschieden werden, ob die Wohnung zur Praxis oder als reiner Wohnbereich ausgebaut wird. In Betracht zieht Wittendorfer auch eine Lösung über ein Versorgungszentrum mit Zweig­niederlassung. msc

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