Schwerpunkt Eine Idee verbreitet sich

Markgröningen / Von Mathias Schmid 09.03.2018

Als am Samstagmorgen die 110 Karten für den ersten Markgröninger Abendspaziergang in diesem Jahr in den Verkauf gingen, ging alles mal wieder sehr schnell: „Start war um 9 Uhr, und um 11 Uhr waren alle Karten verkauft“, berichtet Wolfgang Milde, Sprecher vom Verein „Markgröningen aktiv“. Er hatte vor gut fünf Jahren die Idee zu den Abendspaziergängen, die am kommenden Mittwoch ihre 31. Auflage erfahren. Dass diese derart erfolgreich sein werden, hatte er sich damals nicht erträumen lassen.

„Es gibt mittlerweile 20 Städte, die nach unserem Modell vorgehen“, berichtet der Rentner, der 30 Jahre lang den Schäferlauf moderiert hat, stolz. Unter andere auch die Stadt Sachsenheim, die aber noch mit Stadtschwierigkeiten zu kämpfen hat (siehe Infobox). 2015 gab es den Stadtmarketingpreis des Handelsverbands Baden-Württemberg.

In Markgröningen selbst haben bereits mehr als 100 Unternehmen mitgemacht. „Es sind ganz wenige, die schon zweimal dabei waren“, berichtet Milde. Das liege aber in keiner Weise am mangelnden Interesse. „Es ist noch lange nicht zu Ende“, ist er sicher. 2018 sei bereits weitgehend durchgeplant, ebenso die erste Hälfte von 2019.

Der richtige Riecher

„Ich habe mir irgendwann überlegt: Was könnte man machen, um die Leute in Markgröningen noch stärker an die örtliche Wirtschaft heranzubringen“, erinnert sich der ehemalige Inhaber einer Personalberatung an die Anfangszeit. Denn: „Normale Stadtführungen führen zwar auch durch die Stadt, aber man kommt weniger mit den Unternehmen in Kontakt.“ Und er hatte den richtigen Riecher: „Beim ersten Abendspaziergang waren es 20 Teilnehmer, bei zweiten schon 40.“

Danach ging es mit dem Interesse steil nach oben“, berichtet Milde. Die Tickets sind meist nach kurzer Zeit weg. Der Erfolg sei dem zwölfköpfigen Kreativteam von „Markgröningen aktiv“ zu verdanken. „Ich habe relativ schnell gemerkt: Da geht was.“ Mehr als 100, in Ausnahmefällen 110 Karten werden nicht verkauft. Das würde den Verein und die Unternehmen überlasten. „Ich habe am Anfang gedacht, das funktioniert vielleicht vier- bis fünfmal und dann erlahmt das Interesse“, meint Milde. Doch davon ist nach mittlerweile 30 Veranstaltungen noch nichts zu merken.

Den Erfolg erklärt sich Milde mittlerweile unter anderem so: „Die Leute können in die Unternehmen rein ohne Schwellenangst. Zu einem Bestattungsunternehmen würde man beispielsweise nie gehen.“ Wichtig: „Es muss immer ein Knaller dabei sein.“ So wie kommende Woche eine Weinprobe in der Kelter mit der ehemaligen Württembergischen Weinkönigin Andrea Ritz.

Den genauen Nutzen für die Unternehmen der Stadt könne man natürlich nicht messen. Es gebe aber immer wieder positive Berichte der Selbstständigen und Firmen. „Vor eineinhalb Jahren waren wir beispielsweise in einem Schönheitssalon. Die Frau hat berichtet, dass sie bereits an diesem Abend Termine vereinbart hat und auch später noch davon profitiert hat“, berichtet Milde. Auch Ausbildungsplätze hätten über den direkten Kontakt bei den Abendspaziergängen bereits besetzt werden können.

Nach wie vor ist er einer der Führer für die vier Gruppen, die in unterschiedlicher Reihenfolge vier Betriebe besichtigen. Auch der Vorsitzende von „Markgröningen aktiv“, Axel Rolla leitet eine Gruppe, ebenso wie der Wirtschaftsförderer der Stadt, Andreas Huth. „Auch der Bürgermeister ist meistens dabei“, berichtet Milde. Am Ende treffen sich alle Gruppen zu einem gemeinsamen Abschluss. Den einzelnen Teilnehmer kostet das zehn Euro, die die Veranstalter für die Organisation nehmen. Von den Firmen gibt es jeweils ein kleines Mitbringsel für jeden der Besucher.

In Sachsenheim ist die Zukunft offen

Auch in Sachsenheim wurde die Idee der Abendspaziergänge aufgenommen – und zwar quasi zeitgleich vom Bund der Selbstständigen (BdS) und der Initiative zur Belebung der Innenstadt Sachsenheim (Ibisa). Nach sieben Durchgängen ist die Resonanz aber eher ernüchternd. Nachdem es bei der ersten Auflage gut losging, war danach oft nur die Hälfte der 40 angebotenen Plätze besetzt.

Ibisa entschloss sich daraufhin, zunächst aus den Abendspaziergängen auszusteigen und sich auf andere Projekte zu konzentrieren. Der Verein hatte auch gehofft, durch die Aktion Gelder für die Finanzierung anderer Vorhaben zu generieren.

Der BdS hatte sich grundsätzlich entschlossen, das Projekt fortzuführen, wollte die Gelder zukünftig für wohltätige Zwecke spenden. Ob es tatsächlich weitergeht, entscheidet sich im Zuge der Hauptversammlung am Montag, bei der auch Neuwahlen anstehen. msc