Sachsenheim / BZ Schüler des Sachsenheimer Lichtenstern-Gymnasiums haben das mittelenglische Coventry besucht und die Kontakte zum Versöhnungsnetzwerk der Nagelkreuzgemeinschaft intensiviert. Der Zehntklässler Roman Bolenius berichtet.

Seit 2011 ist das Lichtenstern-Gymnasium aus Sachsenheim Mitglied der Nagelkreuzgemeinschaft. Die damit verbundene Nagelkreuzarbeit wird seit diesem Schuljahr in Form einer Neigungsgruppe von acht Schülern unter der Leitung von Religionslehrerin Andrea Heldmaier aktiv mitgestaltet. Bei einem Besuch in Coventry konnten die Schüler mit ihrer Pilgerdelegation Einblicke in die Arbeit der Gemeinschaft gewinnen und die Verbundenheit mit dem Gedanken der Versöhnung erneuern.

Eine Freiwillige, die von "Aktion Sühnezeichen" in der Kathedrale für ein Jahr Friedensdienst leistet, empfing die Gruppe. Der Sachsenheimer Schulleiter Reinhart Gronbach überreichte, da dies der erste Besuch der Schule seit der Aufnahme 2011 war, dem Chorherren David Stone eine Chronik der Nagelkreuzgemeinschaft am Lichtenstern-Gymnasium. "Es ist überwältigend, was aus der Idee, Schüler mit dieser Aufgabe zu betrauen, gewachsen ist", sagte Gronbach.

Die Nagelkreuzgemeinschaft entstand, nachdem am 14. November 1940 die deutsche Luftwaffe schwere Bomberangriffe auf die englische Industriestadt Coventry flog, in der bedeutende Vertreter der englischen Automobilindustrie, wie beispielsweise Jaguar, Rover oder auch Triumph, ansässig waren. Diese Luftangriffe waren die schwersten im Zweiten Weltkrieg, die auf englischem Boden stattfanden. Von der Zerstörung war nicht nur die Industrie, sondern auch die Stadt stark betroffen. Die Kathedrale St. Michael war, wie der Großteil der Stadt, bis auf die Grundmauern zerstört. Anstatt mit Hass und Vergeltung auf diese Zerstörung zu reagieren, ließ Dompropst Richard Howard die Worte "Father forgive" (zu Deutsch: "Vater, vergib") an die Wände des Chorraums der zerstörten Kathedrale schreiben und aus drei mittelalterlichen Nägeln des Schutts ein Nagelkreuz fertigen. Howard rief an Weihnachten in einer landesweit übertragenen Ansprache aus den Ruinen der Kathedrale zu Vergebung und Versöhnung auf.

Die Kathedrale selbst ist heute ein Gebäudekomplex, der aus der zerstörten alten und der neu aufgebauten Kathedrale besteht. Eine große Glasfront, über die man aus der neuen Kathedrale auf die Ruinen blicken kann und ein Bodenmosaik, auf dem alle Wege von den einzelnen Kontinenten zur Friedenstaube führen, bringen auch in der Architektur die Grundgedanken von Friede und Versöhnung zum Ausdruck. Bis heute ist die Nagelkreuzgemeinschaft weltweit aktiv und setzt sich für Friede und Versöhnung ein.

Schule ist auch ein Ort, an dem es Verletzungen gibt. Gerade verbale Verletzungen können tief unter die Haut gehen. Aus diesem Wissen heraus soll der Gedanke der Versöhnung daher auch bewusst in den Schulalltag einkehren. Die Schüler der Neigungsgruppe erhielten durch den Besuch des Nagelkreuzzentrums in Coventry und durch die Begegnungen vor Ort wichtige Impulse.