Sachsenheim Ein illegaler Berg im Wald

Sachsenheims Technischer Bauhofleiter Neil-David Sinclair auf dem illegal abgelagerten Berg aus Grünabfällen und Bauschutt im Wald bei Großsachsenheim.
Sachsenheims Technischer Bauhofleiter Neil-David Sinclair auf dem illegal abgelagerten Berg aus Grünabfällen und Bauschutt im Wald bei Großsachsenheim. © Foto: Werner Kuhnle
Von Mathias Schmid 29.08.2018

Sachsenheims Technischer Bauhofleiter Neil-David Sinclair staunte nicht schlecht, als er zum ersten Mal vor der illegalen Deponie am Schottensteinweg im Wald bei Großsachsenheim stand. Bis zu zweieinhalb Meter hoch und über rund 15 Meter zieht sich der Berg von Grünabfällen, Bauschutt und Erdaushub. Da die Täter nicht öffentlich bekannt sind, muss jetzt die Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises, die AVL, den illegalen Riesenhaufen entsorgen.

Nicht ganz so erstaunt sind Anwohner des direkt angrenzenden Wohngebiets Bannhalde und andere Waldbesucher. Denn der Ablagerungsplatz ist für sie nichts Neues. Nach BZ-Informationen wurde das Thema immer wieder mal moniert – vor vielen Jahren wurde auch schon mal aufgeräumt –, aber lange nicht angegangen. Das soll sich jetzt ändern. „Wir schauen, dass das in sehr absehbarer Zeit vonstatten geht“, sagt Jonathan Alisch vom Fachbereich Umwelt im Landratsamt, das die AVL mit der Entsorgung beauftragt.

Woher kommt der Müll?

Woher die Ablagerungen kommt, darüber sagen weder Sinclair noch Alisch etwas. Nach BZ-Informationen sollen es aber auch Anwohner sein, die die Stelle verbotenerweise als Häckselplatz nutzen. Einen solchen gibt es in Großsachsenheim nicht. Auch Sinclair ist sicher: „Wenn ich mir die Menge anschaue, kann das nicht von heute auf morgen geschehen sein.“ Und weiter: „Wir waren schon ziemlich erstaunt, um was für eine Menge es sich handelt. Es war nicht nur Grünschnitt, sondern vereinzelt waren auch Betonreste zu sehen.“ Alisch konkretisiert: „Große Menge an pflanzlichen Abfällen, Baum und Rasenschnitt, Bioabfälle, Bauschutt und Erdaushub.“

So weit zum Offensichtlichen. Denn was unter der Oberfläche liegt, kann noch keiner so recht sagen. Bisher gebe es zwar keine Hinweise darauf, aber: „Es lässt sich nicht ausschließen, dass wir im Innern der Ablagerung auch Restmüll oder Schadstoffe finden“, sagt Umweltexperte Alisch.

Die Allgemeinheit zahlt

Laut Landesabfallgesetz ist die Beseitigung solcher Ablagerungen von Unbekannten Aufgabe der öffentliche Entsorgungsträger, also der AVL. „Die Kosten werden umgelegt auf den Gebührenzahler, das trägt die Allgemeinheit“, betont Alisch. Über die Höhe der Kosten könne man noch nichts sagen, „da wir die Zusammensetzung des abgelagerten Materials noch nicht kennen“. Der jüngste Hinweis auf die illegale Deponie kam laut Stadt aus dem Gemeinderat. Auch Sprecherin Nicole Raichle betont, dass die ersten Ablagerungen dort schon „sehr, sehr lange“ sind. Sie bestätigt: „Es können Jahrzehnte sein, seit dort immer wieder abgelagert wird.“ Jetzt haben die Ablagerungen offenbar ein zu großes Ausmaß angenommen.

Verwertbare Spuren, wer genau die Täter sind, wurden bei der Deponie keine gefunden. Auch das spricht eher für viele Einzeltäter, die kleinere Mengen ablagern. Damit sich nach dem Abtragen des Haufens nicht gleich wieder neue illegale Masse ansammelt, will die Stadt ein Verbotsschild aufstellen. „Wir werden das Grundstück unter Beobachtung halten“, versichert auch Alisch vom Landratsamt.

Sachsenheims Bauhofleiter Sinclair kann sich nur an wenig Vergleichbares erinnern. „So in der Menge ist mir das noch nicht untergekommen. Wir hatten vor einem Jahr mal eine größere Ablagerung von Bauschutt im Wald bei Ochsenbach.“ Auch damals musste für rund 600 Euro auf Kosten der Allgemeinheit entsorgt werden.

Ablagerungen für 40 000 Euro im Kreis

290 Tonnen aus illegalen Ablagerungen wurden laut Landratsamt im Jahr 2017 kreisweit eingesammelt.

40 Tausend Euro betragen die jährlichen Entsorgungskosten.

50 bis 80 Euro werden laut Jonathan Alisch, Fachbereich Umwelt beim Landratsamt, als Strafe für die Menge illegal entsorgten Mülls fällig – wenn der Täter erwischt wird. msc

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel