Vaihingen / Michaela Glemser  Uhr

Stolz grüßte Eberhard Goldschmid in seinem festlichen Gewand die zahlreichen Zuschauer am Wegesrand. Seit rund 40 Jahren ist der Vaihinger beim traditionellen Maientags-Festumzug am Pfingstmontag mit von der Partie. „Mit 17 Jahren habe ich bei der Festumzugsgruppe des Evangelischen Jugendwerks angefangen. Heute stellen wir die erste urkundliche Erwähnung der Stadt im Jahr 779 und das Gefolge um Graf Kunibert sowie dem Abt des Klosters Fulda dar“, schilderte Goldschmid.

Keine Zugmaschinen

Für ihn hat das Maientags-Fest und der kunterbunte Umzug, der sich durch die Gassen der Stadt bis hinaus zum Festgelände am Egelsee schlängelt, in all den Jahren nichts an seiner Faszination verloren. „Das Traditionelle ist beim Maientag erhalten geblieben, und genau das finde ich so schön. Es gibt im Umzug keine Zugmaschinen, sondern nur Kutschen und Pferdefuhrwerke“, so Goldschmid.

 „Ich wohne zwar jetzt in Stuttgart, aber den Vaihinger Maientag in meiner alten Heimatstadt lasse ich mir nicht entgehen. Seit 30 Jahren mache ich jetzt schon mit, denn es ist einfach ein tolles Gefühl in diesem prächtigen Kostüm durch die Stadt zu laufen“, schilderte Franziska Leitz von der Biedermeiergruppe, die den Festwagen mit dem bekannten Löwenpokal begleitete. Allerdings sah Leitz eine Änderung, die in diesem Jahr erstmals umgesetzt wurde, etwas skeptisch. „Es ist ein wenig schade, dass der Festumzug jetzt erst nach dem Gottesdienst beginnt und in einem Zug bis zum Rondell führt. Sonst haben Bürgermeister und Gemeinderäte immer auf den Einzug der Festzugsteilnehmer am Rondell gewartet“, stellte Leitz fest.

Rede einer Schülerin

Neben Oberbürgermeister Gerd Maisch und einer Delegation aus Vaihingens Partnerstadt Köszeg grüßte auch die Deutsche Weinkönigin Carolin Klöckner das Publikum am Straßenrand und später die große Zuschauermenge bei der Feier am Rondell, die wie in jedem Jahr mit dem Lied „Der Winter ist dahin“ begann. Schülerin Lea Krüger vom Friedrich-Abel-Gymnasium hielt die Festrede, die sich um folgendes Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann drehte: „Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte.“

Die junge Schülerin verdeutlichte, dass Heinemann Veränderungen im Leben, vor denen viele Menschen aus Bequemlichkeit oder Angst zurückschreckten, in einem positiven Licht gesehen habe. „Wir sind dem Lauf der Zeit ausgesetzt und mit ihm kommen Veränderungen ganz automatisch. Wir müssen uns bewegen, wenn wir mitkommen wollen und offen für Veränderungen sein“, sagte Krüger. Die Schülerin verwies auf die Fridays-for-Future-Bewegung, für deren Unterstützung es sich lohne, die Schule ausfallen zu lassen, denn ohne Bewahrung der Erde nütze alles theoretische Schulwissen nichts.

Nach den Gedicht- und Liedvorträgen von unterschiedlichen Vaihinger Schulen hatten Sontje und Paul ihren großen Auftritt. Die beiden Neunjährigen waren beim Lauf nach dem Maien, bei denen die Schüler früher um das wertvolle Schreibpapier um die Wette rannten, die Schnellsten. Mit dem Flößertanz mit Schülern unterschiedlicher Schulen endete die Maientagsfeier.

Tränen des Stolzes

Auch Cara Eppinger und Mika Metzner waren unter den jungen Menschen, die in ihren traditionellen Trachtenkostümen tänzerisch die Geschichte der Flößer interpretierten. „Wir haben die gesamte vergangene Woche dafür geübt. Zwar sind wir etwas nervös, wenn wir die vielen Menschen rund um das Rondell sehen, aber wir freuen uns auch sehr, vor ihnen tanzen zu dürfen“, so die beiden 13-Jährigen, während eine stolze Mutter mit feuchten Augen an ihren ersten Auftritt beim Flößertanz zurückdachte.