Sersheim Ein Dorf voll mit Schmuckstücken

mba/msc  17.07.2018

Röhrende Motoren waren gestern das dominierende Geräusch rund um die Sersheimer Sport- und Kulturhalle. Zum 18. Oldtimer-Treffen des Motorsportclubs RCO Sersheim hatten sich die Besitzer von rund 150 Autos und nochmal so vielen Motorrädern angemeldet. „Läuft super“, freute sich daher der RCO-Vorsitzende René Rentschler. Die im zweijährigen Turnus stattfindende Veranstaltung locke weit über die Region hinaus Liebhaber historischer Fahrzeuge an, selbst aus Hohenlohe, berichtete Rentschler.

Gewiss hat die am Nachmittag geplante Ausfahrt ins Stromberggebiet ihren Anteil daran – schließlich ist die 48 Kilometer lange Strecke über Gündelbach, Schützingen, Zaisersweiher, Sternenfels, Zaberfeld und Häfnerhaslach landschaftlich reizvoll und nicht nur im historischen Cabrio einen Ausflug wert. Und nicht zuletzt erhalte jeder, der an der Ausfahrt teilnehme, einen Pokal. „Ohne das geht es für viele nicht“, sagte Rentschler schmunzelnd.

Der RCO veranstaltet im Wechsel mit dem Oldtimer-Treffen auch Geländefahrten für Cross-Motorräder. Schließlich hat der 120 Mitglieder umfassende Club hier einen seiner Schwerpunkte. Doch genau hier drückt der Schuh. „Was uns dringend fehlt, ist ein Übungsgelände“, so René Rentschler. Leider seien Verhandlungen mit der Gemeinde Sersheim und einem privaten Grundstücksbesitzer bislang nicht erfolgreich verlaufen.

Doch das sollte an diesem Tag niemanden stören. Die zahlreichen Besucher erfreuten sich vielmehr an der Pracht der herausgeputzten Fahrzeuge – vom amerikanischen Straßenkreuzer Oldsmobile bis zum VW Käfer Cabrio. Jemand, der zu fast allen Fahrzeugen eine Geschichte erzählen kann, ist Martin Büchle, Sportvorstand beim RCO. Selber fährt er keinen Oldtimer, „aber ich habe 43 Jahre bei Daimler Autos entwickelt“. So weiß er natürlich auch, warum der Mercedes 190 SL, der an diesem Sonntag vor der Sersheimer Halle parkt, gerne als Nitribitt-Auto bezeichnet wird – in Anlehnung an den Skandal um die 1957 ermordete Prostituierte Rosemarie Nitribitt, die mit ihren Diensten viele Größen der bundesdeutschen Industrie beglückt haben soll und die einen solchen Flitzer besaß.

Ein kaum gefahrener Traum

Geschichten hatten an diesem Tag aber auch andere Fahrer auf Lager. Rolf Schmälzle war beispielsweise aus Lienzingen gekommen. Mit einer Honda Dream, einem Nachbau der Rennmaschine aus den 1960er-Jahren. Der Vorbesitzer habe die Maschine nie gefahren, nur 20 Jahre lang zum Anschauen besessen. Bis der 77-Jährige sie im vergangenen Jahr kaufte und nun vorsichtig einfuhr. „Sie hatte nur drei oder vier Kilometer auf dem Tacho“, erzählte er. Daheim habe er noch acht weitere Motorräder, darunter eine DKW seines Vaters von 1934. Die Honda fahre sich ganz gut. „An Steigungen muss man aber mit Schwung fahren“, meinte Schmälzle, der von 1965 bis 1969 auf Kreidler auch nationale und internationale Motorradrennen gefahren ist. „Auf dem Nürburgring war ich mal Erster“, erklärt er mit Stolz. Und mit diesem Gefühl war er an diesem Tag bei weitem nicht der Einzige unter den Schmuckstückbesitzern.

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