Jubiläum Ehrenamtliche sind das Herzstück

Etwa 20 ehrenamtliche Helfer bilden die Hospizgruppe in Sachsenheim, die seit 20 Jahren besteht.
Etwa 20 ehrenamtliche Helfer bilden die Hospizgruppe in Sachsenheim, die seit 20 Jahren besteht. © Foto: Helmut Pangerl
Michaela Glemser 09.07.2018

Wenn es mit dem eigenen Leben zu Ende geht, wünschen sich die meisten Menschen ihren letzten Atemzug zuhause in ihrem vertrauten Umfeld und im Kreise ihrer Lieben zu tun. Für die Angehörigen ist die Begleitung dieser schwerkranken Menschen oft eine große Herausforderung. Unterstützung erhalten sie in Sachsenheim und im benachbarten Sersheim dabei von den Mitgliedern der Ambulanten Hospizgruppe der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim. Vor 20 Jahren, im April 1998, wurde diese Gruppe von Monika Gebhardt, Katharina Reiner und Gemeindediakonin Andrea Renk aus der Taufe gehoben. „Bis heute besteht das Leitungsteam aus zwei Fachkräften mit einer Palliativ Care-Ausbildung und mir als Gemeindediakonin“, macht Renk deutlich.

Erste Ansprechpartner

Doch ohne ihre derzeit 20 ehrenamtlichen Helfer, darunter auch fünf Männer, im Alter zwischen 30 und 80 Jahren könnten die Mitglieder des Leitungsteams nur wenig bewirken. Sie sind erste Ansprechpartner für alle Fragen der Ehrenamtlichen und koordinieren die Erstkontakte mit den Patienten und ihren Angehörigen. Aktuell bilden Bettina Mayer heute gemeinsam mit Andrea Renk und Gudrun Schleßmann das Leitungsteam der Hospizgruppe. Je besser die Mitglieder der Hospizgruppe die Bedürfnisse und Wünsche eines Sterbenden kennen, umso angenehmer können sie ihn in seinen letzten Tagen und Stunden begleiten. Viele Angehörige melden sich allerdings erst spät bei der Hospizgruppe. „Sie empfinden es als eigene Schwäche, wenn sie an die Grenzen ihrer Kräfte kommen und den Patienten nicht mehr alleine versorgen können. Es ist jedoch gut, frühzeitig Hilfe zu suchen, wenn der Patient noch ansprechbar ist und selbst seine Wünsche äußern kann“, macht Mayer deutlich.

Die Bedürfnisse in den letzten Stunden des Lebens sind ganz unterschiedlich. Viele Sterbende sind froh, wenn jemand bei ihnen ist, ihnen vorliest, gemeinsam mit ihnen Musik hört, ihre Hand hält und einfach nur da ist. Andere Patienten reden gegenüber den Hospizkräften viel offener über ihre Ängste vor dem Tod als mit den eigenen Angehörigen, die sie nicht belasten wollen. Die einen Patienten möchten gar nicht berührt werden und klammern sich erst im letzten Atemzug an ihren Sterbebegleitern fest, andere Menschen genießen eine Handmassage und die Berührungen.

Die Akzeptanz ist gestiegen

Für die ehrenamtlichen Kräfte der Hospizgruppe ist es wichtig, dass sie sich miteinander austauschen können. So finden einmal im Monat Gruppentreffen mit dem Leitungsteam statt, das für sie auch sonst jederzeit ansprechbar ist. Es gibt Beratungen durch externe Fachkräfte und regelmäßige Weiterbildungen. „Viele unserer Ehrenamtlichen wurden in der eigenen Familie mit dem Thema des Sterbens und des Todes konfrontiert und sind deshalb zu uns gekommen. Heute hat dieses Thema eine ganz andere Akzeptanz in der Gesellschaft als noch zu Beginn unserer Hospizgruppe vor 20 Jahren“, betont Diakonin Andrea Renk.

Die ambulante Hospizgruppe wird im neuen Seniorenzentrum in Großsachsenheim ein Büro bekommen und im Jahr 2019 einen neuen Ausbildungskurs für ehrenamtliche Hospizkräfte anbieten. „Wir haben auch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Pflegeheim in Sersheim und den Kleeblatt-Pflegeheimen in Sachsenheim. Zudem gibt es eine Zusammenarbeit mit der Hospizgruppe in Vaihingen“, erläutert Bettina Mayer. Alle Ehrenamtlichen und das Leitungsteam feierten gemeinsam mit ihren Familien am Sonntag aus Anlass des Jubiläums ein Grillfest im Pfarrgarten der Evangelischen Kirche in Großsachsenheim. Zuvor gab es einen Festgottesdienst, den die Mitarbeiter der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim gestaltet hatten.

Info Die Ambulante Hospizgruppe der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim ist unter Telefon 0172 82 96 35 rund um die Uhr erreichbar.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel