Sachsenheim Die Wut entlädt sich

Mathias Schmid 10.08.2017

Eine Demonstration in Sachsenheim – gibt es nicht alle Tage. Nach Polizeiangaben 150 bis 200 Menschen waren am Dienstagabend auf den Äußeren Schlosshof gekommen. Organisiert hatte die Veranstaltung die neu gegründete Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule. Vorwiegend Eltern von Kindern des Schulzentrums in Großsachsenheim wollten ihrem Unmut äußern über die Unterbringung von Flüchtlingen in Containern beim Schulzentrum. Die sollten eigentlich ab September als Behelfs-Klassenzimmer dienen.

Viele hatten ihre Kinder mitgebracht, die ihre Trillerpfeifen und andere Krachmacher – oft auf Signal der Eltern hin – während der Reden von Bürgermeister Horst Fiedler und seinem Stellvertreter Gunter Albert einsetzten. Die Demonstranten wollten gegen die Verzögerung und befürchtete Kostensteigerungen demonstrieren. Ebenso wollte sie ihrem Wunsch nach einer Alternative für die geplante Unterbringung der Flüchtlinge in den Containern sowie dem Wunsch für die Sicherheit ihrer Kinder Ausdruck verleihen. Vor allem die letzten beiden Themen bestimmten die hitzige Debatte.

„Es geht uns um die Sache, wie alles abgelaufen ist“, sagte Ludger Ignaszak, Sprecher der Bürgerinitiative Schulumbau Gemeinschaftsschule, anfangs. „Wir fühlen uns regelrecht verarscht“, kritisierte er das Vorgehen der Stadt, die die Unterbringung von heute auf morgen beschlossen hatte. Das Publikum applaudierte. „Verarscht“ auch deshalb, weil die Demonstranten den Verdacht hegen, dass die Stadtverwaltung die Entscheidung, die Container am Schulzentrum bis Ostern für die Anschlussunterbringung zu nutzen, absichtlich in der Urlaubszeit gefällt hatten. Dem Projekt Gemeinschaftsschule würden „ein weiteres Mal Steine in den Weg gelegt“. Bürgermeister Fiedler antwortete: „Das Gegenteil ist der Fall. Wir möchten möglichst schnell die neue Gemeinschaftsschule haben. Ich möchte aber, dass es ein sehr gelungenes Objekt wird“, verwies er erneut auf Problematik bei den Planungen.

Davon wollten die Demonstranten wenig hören. Schnell ging es vor allem um das Thema Sicherheit. „Ich glaube Ihnen nicht mehr und ich glaube, der Großteil der Bürger auch nicht mehr“, hatte Ludger Ignaszak bereits zu Beginn gesagt.

Die Gesprächsbasis war eine schwierige: Es wurde in Frage gestellt, dass in absehbarer Zeit Standorte für die Unterbringung realisiert würden. Dabei hat der Gemeinderat jüngst zwei Vorhaben für insgesamt 79 Personen auf den Weg gebracht. Laut Gunter Albert „rücken in den nächsten 14 Tagen die Kolonnen an“. Sprecher Ignaszak befürchtete dennoch, dass die Container nicht bis Ostern geräumt sind. Die Stadt hingegen erneuerte ihr Versprechen diesbezüglich. Und verwies darauf, dass die Gemeinschaftsschule sich ohnehin verzögert hätte und durch die vorübergehende Wohnnutzung sogar Geld gespart werde. Denn für die Anschlussunterbringung zahlt das Landratsamt Miete.

Argumente und Themen vermischten sich, Bürgermeister und Stellvertreter wurden durch erboste Zwischenrufe unterbrochen. Ihre Antworten konnten nicht überzeugen. „Beim Thema Sicherheit bin ich immer noch nicht zufrieden“, ergriff Timo Werder, Elternbeirats-Vorsitzender und ebenfalls Teil der Initiative, das Wort, „da erwarte ich deutlich konkretere Worte.“ Bürgermeister Horst Fiedler führte an: Für die Sicherheit sei die Polizei zuständig. Zudem gebe es einen Sichtschutz in Richtung Schule und Kindergarten. Und natürlich gelte auch für die dort Untergebrachten das Verbot, den Schulhof während der Schulzeiten zu betreten. Er erntete Hohn.

Hitzige Debatte beendet

Die Stimmung drohte überzukochen, als ein Familienvater von Bürgermeister Horst Fiedler wissen wollte, ob er für die Sicherheit seiner Kinder garantieren könne. Gunter Albert entgegnete: „Jede ehrliche Antwort, die ich Ihnen geben kann, wäre aus Ihrer Sicht falsch.“ Die Veranstalter beendeten die Debatte und zogen weiter in Richtung Schulcontainer. Dort, so Ludger Ignaszak, fassten sie in ihrer Unzufriedenheit den Entschluss: „Die Sache ist noch lange nicht gegessen.“­

Allerdings: Schon Ende August kommen 15 Menschen in die Unterkunft. Alleinstehende Männer unterschiedlicher Herkunft. Anerkannte, Geduldete und Flüchtlinge, deren Asyl-Verfahren noch nicht abgeschlossen ist wurden vom Landratsamt zugewiesen. Zur Beruhigung der Situation dürfte das nicht beitragen.