Rund 50 Stunden Handarbeit hat Johannes Kreisel damit verbracht, ein Modell des „Ornithokopters“ von Leonardo da Vinci anzufertigen. Bedenkt man, dass vielleicht da Vinci selbst nie über die Zeichnung dieses Flugobjekts, das der Mensch mit Händen und Füßen betreibt, hinausgekommen ist, scheint der  Schüler der 9b des Lichtenstern-Gymnasiums recht fix gewesen zu sein. Zumal er das Modell auch noch mit einem Elektromotor, der die Flügel betreibt, ausgestattet hat. Zu sehen ist dieses Modell in der neuen Ausstellung im Stadtmuseum Großsachsenheim, das Museumsleiterin Dr. Claudia Papp mit ihren Mitarbeitern und den Sachsenheimer Schulen gestaltet hat.

Vor fast genau 500 Jahren, am 2. Mai 1519, starb da Vinci. Grund genug, für das Stadtmuseum Sachsenheim dem Maler, Bildhauer, Anatom, Naturforscher, Architekt,  Ingenieur, Mechaniker und Erfinder eine Ausstellung zu widmen. Da Vinci hat bedeutende Errungenschaften hinterlassen. Zum Beispiel sein Porträt der Mona Lisa. „Die konnten wir für die Ausstellung aber schlecht herholen“, scherzt Museumsleiterin Papp. Deshalb hat sie sich Hilfe bei den Sachsenheimer Schulen geholt, die das Wirken da Vincis auf ihre Art und Weise aufarbeiten sollten. „Alle sechs Sachsenheimer Schulen haben etwas beigetragen“, freut sie sich.

So hat sich die Kraichertschule damit befasst, was da Vinci wohl heute erfinden würde. Herausgekommen ist zum Beispiel die Maschine „Allwissen“, auf der, so der Nachwuchs-Erfinder „das ganze Wissen der Welt“, ebenso „alle Mathematikaufgaben, die es gibt“, gespeichert sind. Die 6c der Eichwald-Realschule hat verschiedene Versionen einer „Monaschina“ gezeichnet, in der die Mona Lisa aus Maschinenteilen besteht. Kinder der Grundschule Kleinsachsenheim haben einige der zahlreichen Skizzen da Vincis originalgetreu kopiert - inklusive Papierfärben mit Kaffee und angekokelter Ecken. Die Kunst-AG der Kirbachschule hat den Traum des Fliegens mit Zeichnungen von großen gefiederten Flügen umgesetzt. Und die Gemeinschaftsschule hat die anatomischen Handstudien da Vincis, die auch späteren Malern als Inspiration galten, aufgegriffen und einige Kohlezeichnungen angefertigt.

Dazu kommen neun Mitmachstationen, die die Vielfalt da Vincis widerspiegeln. Hausmeister Francesco Carluzzo hat beispielsweise ein Katapult mit Federmechanismus des Erfinders, der auch immer wieder für oberitalienische Herrscher Kriegsgeräte entwarf, angefertigt. An einer anderen Station können Besucher die „Leonardobrücke“ ohne Schnüre und Nägel standfest nachbauen. „Auch diese mobile Brücke war für Kriegszwecke gedacht“, so Papp. Beim spiegelverkehrten Schreiben und Luftschraubefalten ist ebenfalls Geschicklichkeit gefragt.

Der Anschub zur Ausstellung kam von der Kulturreferentin Andrea Fink, deren Kulturprogramm dieses Jahr unter dem Motto „Kunst und Kultur“ läuft. „Sie hat mich gefragt, ob ich nicht etwas hätte, was dazu passt“, erinnert sich Papp. Da sei der 500. Todestag da Vincis wie maßgeschneidert gewesen. „Leonardo hat ja auch in einer Umbruchzeit gelebt. Heute empfinden auch viele Leute, dass wir in eine neue Zeit aufbrechen“, sagt Museumsleiterin Papp.

Die Ausstellung und die Aktionen


„Die Ausstellung „Leonardo da Vinci – Universalgenie in bewegten Zeiten“ im Sachsenheimer Stadtmuseum, Oberriexinger Straße, Großsachsenheim, ist vom 12. Mai bis 8. September zu sehen. Die Eröffnung findet an diesem Samstag, 12. Mai, 11 Uhr, statt. Dabei gibt es ein großes Musikschul-Matinee mit Renaissancemusik – in Kooperation mit dem Kulturprogramm der Stadt. Der Eintritt ist bei Umtrunk und Imbiss frei.

Am Dienstag, 21. Mai, 19.30 Uhr, findet ein Vortrag von Kunsthistorikerin Ulla Groha statt. Für acht Euro Eintritt gibt es im Kulturhaus zudem Bruscetta-Brot und Rotwein. Am Donnerstag, 23. Mai, findet eine Führung durch die Ausstellung „Fünf Räume – fünf Themen“ in der Galerie Bayer in Bietigheim-Bissingen mit Künstler Wolfgang Häberle statt. Tickets für drei Euro gibt’s im Stadtmuseum. Und am Samstag, 25. Mai, 15 bis 17 Uhr, veranstaltet das Museum einen Erlebnisnachmittag für Kinder mit kreativem Abschluss statt. Tickets kosten vier Euro, Anmeldung bis 23. Mai. msc