Klima An Enz und Neckar besteht noch keine akute Gefahr

Im flachen Bereich Richtung Löbertsbrunnen in Vaihingen erwärmt sich die Enz stärker als an tieferen Stellen.     
Im flachen Bereich Richtung Löbertsbrunnen in Vaihingen erwärmt sich die Enz stärker als an tieferen Stellen.      © Foto: Rücker
Sachsenheim / sr 08.08.2018

Die Lage ist ernst“, sagt Andreas Arndt, Vorsitzender des Bezirks-Fischerei-Vereins Vaihingen – akut in Gefahr sind die hiesigen Fische jedoch momentan noch nicht. Ausgebildete Gewässerwarte des Vereins führen regelmäßig Untersuchungen durch und seien erst am Wochenende wieder an den Gewässern unterwegs gewesen. Unter anderem werden dabei der pH-Wert, die Temperatur und der Sauerstoffgehalt gemessen.

Im Unteren Seewaldsee in Horr­heim zeigte das Thermometer demnach 27 Grad Celsius an, am Ensinger See betrug die Wassertemperatur ebenso 27 Grad Celsius und in der Enz wurden zwischen 22 und 23 Grad Celsius gemessen. Mit sechs Milligramm pro Liter an allen Gewässern gebe es im Moment zwar noch genug Sauerstoff für die Fische, Die sogenannte fischkritische Konzentration wird in der Regel bei drei Milligramm Sauerstoff pro Liter erreicht.

Von diesem Wert sei man folglich noch entfernt, allerdings können viele Faktoren auch für ein rasches Kippen der Lage sorgen, erläutert der Fischereivereinsvorsitzende. Vor allem der Seewaldsee mit seinem Badebetrieb und das flache Stück der Enz beim Löbertsbrunnen sind hier die Sorgenkinder der Fischer. Durch das Baden im Horrheimer See komme es zum einen zum Eintrag von Sonnencreme und auch Fäkalien, zum anderen kann sich im Gewässer keine stabile Schichtung ausbilden, so Arndt. Fürs Gewässer sei der Badebetrieb ungut, für Menschen natürlich eine Wohltat, so der Vereinsvorsitzende. Heiße Sommer kämen zwar immer wieder vor, aber „kritisch wird es, wenn dieser Zustand wochenlang anhält“, sagt Arndt.

Da momentan keine Niederschläge fallen, gebe es auch keine Frischwasserzufuhr in den Seen. Der Fischereiverein sei in Kontakt mit dem Landratsamt, ob die Durchflussmenge des Steinbachs am Seewaldsee erhöht werden könnte, sodass dort Wasser entnommen werden könnte. Das müsse geprüft werden, da es für kleine Fließgewässer Mindestwassermengen zu wahren gilt, um unter anderem den Schutz von Steinkrebs, Amphibien und den Kleingetieren am Gewässergrund zu gewährleisten.  Bei der aktuellen Lage wäre der nächste Schritt, die Feuerwehr Vaihingen zu kontaktieren, die mithilfe von Pumpen das Wasser mit Sauerstoff anreichern könnte, sagt Arndt.

Je wärmer ein Gewässer ist, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen, erläutert Carsten Scholz, Leiter des Fachbereichs Umwelt beim Landratsamt Ludwigsburg. Im Neckar gebe es zwischen Wendlingen und Mannheim 13 Gütemessstationen, die von der Landesanstalt für Umweltschutz betreut werden und regelmäßig die Güteparameter, unter anderem Sauerstoff und Temperatur, erfassen und auswerten. „Bei Bedarf werden am Neckar vorbeugende Belüftungsmaßnahmen eingeleitet, um dem Flusswasser mehr Sauerstoff zuzuführen“, so Scholz. An den kleineren Gewässern messen die örtlichen Gewässerwarte der Fischereiverbände in den Sommertagen regelmäßig die Güteparameter Temperatur, Sauerstoff, pH-Wert und Leitfähigkeit, sagt Carsten Scholz. „Eine akute Gefahr für die Fischbestände gibt es derzeit nicht.“ Dies könne sich aber bei anhaltenden hohen Temperaturen und plötzlichen Starkniederschlägen ändern, wenn Verunreinigungen und Belastungen aus Feldern und Abwasserkanälen in die Gewässer gelangen.

Für Kanuten gelten bei dem aktuell niedrigen Wasserstand der Enz derzeit Einschränkungen. Der Landkreis Ludwigsburg hat für die Enz bereits 2006 eine Verordnung mit verschiedenen Regelungen für naturverträgliches Kanufahren auf dem Fluss erlassen. Unter anderem gilt die wasserstandsabhängige Regelung, dass ab einem Pegelstand unter 65 Zentimeter am Pegel Vaihingen nur noch unter bestimmten Voraussetzungen auf der Enz gefahren werden darf.

Aktuell ist der Pegelstand der Enz so niedrig, dass in dem Streckenabschnitt vom Einstieg am Freibad in Vaihingen bis zur Sägmühle in Bissingen nur noch mit einer geführten Tour gefahren werden darf. Der Tourenführer muss aber vom Landkreis Ludwigsburg anerkannt worden sein. Diese Einschränkung gilt nicht für geübte Kanusportler, die im Deutschen Kanuverband organisiert sind. Gestern lag der Pegel bei 55 Zentimeter. Maßgebend ist der Tagesmittelwert vom Vortag, der unter der Telefonnummer (07042)  1 71 11 abgerufen werden kann. Sollte der Pegel unter 45 Zentimeter sinken, darf die Enz überhaupt nicht mehr befahren werden. Der Abschnitt ab der Landkreisgrenze bei Roßwag bis zur Seemühle in Vaihingen ist vom 1. Mai bis zum 30. September voll gesperrt und darf auch aktuell nicht befahren werden.

Für alle weiteren Flüsse im Landkreis Ludwigsburg gibt es keine gesonderten Regelungen, die das Fahren ab einem bestimmten Wasserstand einschränken. Eine Regelung war hier bisher auch nicht erforderlich, sagt Carsten Scholz. 

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