Viele Menschen fahren tagtäglich an ihr vorbei, ohne überhaupt zu wissen, welche historische Besonderheit sie gerade streifen. Die Wiesenfläche an einem kleinen Feldweg unmittelbar hinter dem Wald auf der linken Seite von Großsachsenheim in Richtung Hohenhaslach sieht unscheinbar aus. Bisweilen dient sie als Lagerplatz für Brennholz, aber es ist kein Hinweisschild darauf zu finden, welche besondere Bedeutung dieses Areal in der Zeit der Kelten hatte. Es handelt sich um das ehemalige Gelände einer sogenannten „Keltischen Viereckschanze“.

Erwähnt wird sie beispielsweise in der Ortschronik von Hohenhaslach, in der steht, dass bei Senkrechtbildmessflügen 1978 im Gewann „Hart“ eine „Keltische Viereckschanze“ aus der Zeit um 200 vor Christus entdeckt worden sei. Weiter heißt es in der Chronik, dass besagte Felder seit 1790 beackert worden seien und in der Vaihinger Oberamtsbeschreibung noch von einem sichtbaren Graben die Rede sei. „Die Bedeutung dieser ‚Keltischen Viereckschanzen‘ ist in der Wissenschaft nicht unumstritten. Es gibt zwei verschiedene Meinungen. Entweder handelte es sich dabei um das Gelände eines Gutshofs eines reichen Landadligen, das mit Stallungen, einer kleinen Kapelle und anderen Gebäuden durchaus ein regionales Zentrum gewesen sein konnte. Möglich ist aber auch, dass es eine religiöse Kultstätte der Kelten war“, erläutert Dr. Andreas Thiel, Oberkonservator beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

Gegen die Vermutung einer religiösen Kultstätte würden, seiner Meinung nach, aber die zahlreichen Überreste profaner Bauten sprechen, die bei den „Keltischen Viereckschanzen“ gefunden worden sind. „Vielleicht fungierte der Landadlige damals auch als religiöses Oberhaupt und hielt auf seinem Gelände ebenfalls die entsprechenden religiösen Handlungen ab“, schildert der Experte, dem sehr daran gelegen ist, dass solche Plätze mit historischer Bedeutung für die Nachwelt erhalten bleiben.

Dies findet auch der zuständige Sachsenheimer Revierförster Burkhard Böer, dessen große Leidenschaft die Lokalgeschichte ist und der gemeinsam mit Dr. Thiel die Fläche beim Sachsenheimer Wald schon intensiv begutachtet hat. „Die Fläche hatte eine fast quadratische Struktur mit einem umlaufenden Wall oder Graben. Früher verlief die Straße nach Großsachsenheim nicht an der heutigen Stelle, sondern von Niederhaslach in Richtung Sersheim in den Wald hinein. Erst nachdem der Bahnhof in Großsachsenheim gebaut worden war, wollte man eine bessere Verbindung nach Sachsenheim und errichtete 1917 die heutige Straße, die über die ehemalige ‚Keltischen Viereckschanze‘ führt“, erzählt Burkhard Böer. Er bedauert es, dass bisher nicht in irgendeiner Weise auf dieses  bedeutsame Gelände aufmerksam gemacht wurde.

Antrag zur besseren Sicherung

So geht es auch Siegfried Jauß und Lothar Makkens von den Freien Wählern im Sachsenheimer Gemeinderat. Deshalb stellten sie mit ihrer Fraktion schon im November 2017 den Antrag, dass die Stadt Sachsenheim zur besseren Sicherung des Kulturdenkmals besagte Flächen, es handelt sich um drei Flurstücke von zwei Eigentümern, erwerben solle. Im Juli 2018 stimmten die Mitglieder des Sachsenheimer Verwaltungsausschusses diesem Antrag auch mehrheitlich zu. In seiner diesjährigen Haushaltsrede wiederholte Fraktionsvorsitzender Siegfried Jauß diesen Wunsch nachdrücklich.

Nicole Raichle, Pressesprecherin der Stadt, erklärt auf Anfrage der BZ, dass der Eigentümer der beiden größeren Grundstücke nicht verkaufsbereit sei. Lediglich der Eigentümer der kleineren Fläche könne sich einen Tausch vorstellen, wenn ein passendes Grundstück gefunden würde. Diese Suche sei aber bislang nicht erfolgreich gewesen, so Raichle. „Die Eigentümer sind jedoch über die grundsätzliche Kaufbereitschaft der Stadt informiert.“

Siegfried Jauß und Lothar Makkens jedenfalls wünschen sich, dass die Stadt in dieser Sache weiterhin aktiv bleibt. „Es wäre schon hilfreich, wenn wenigstens ein Hinweisschild mit dem geschichtlichen Hintergrund an der Stelle aufgestellt werden würde, damit die Bedeutung der Flächen als Viereckschanze für jedermann ersichtlich ist und nicht in Vergessenheit gerät“, betont Jauß. Er verweist darauf, dass es eine neue kulturpolitische Konzeption der baden-württembergischen Landesregierung gebe, welche die Bedeutung der Kelten für Baden-Württemberg sichtbar und erfahrbar machen möchte. „Vielleicht besteht die Möglichkeit für unser kleines Projekt zwischen Sachsenheim und Hohenhaslach auch entsprechende Fördergelder zu erhalten“, so Jauß.

Info Die keltischen Kulturen bildeten sich im 7. und 6. Jahrhundert vor Christus im Raum zwischen Burgund und Württemberg heraus und verbreiteten sich in nahezu ganz Europa. Zwischen 70 und 50 vor Christus kam die Kultur der Kelten im Gebiet des heutigen Baden-Württembergs weitgehend zum Erliegen.