Die Betreuungsgruppe „Abendrot“ der Kirchlichen Sozialstation Sachsenheim ist auf der Suche nach neuen Ehrenamtlichen. Derzeit werden sie von neun Helfern unterstützt, doch diese reichen nicht aus. Ungefähr zwei Drittel der Demenzkranken leben zu Hause und werden von Angehörigen betreut. Für letztere ist das eine körperliche und seelische Belastung. Durch die Gruppe nehmen sie sich eine kurze Auszeit und tanken Kraft, um durchzuhalten.

„Als mein Vater 90 war, habe ich ihn hierher gebracht und bin dann geblieben“, berichtet Gertrud Streicher-Fröhlich. Ihr inzwischen verstorbener Vater sei besonders anhänglich gewesen, ohne sie ging er nirgendwo hin. Die Frau hat schon beide Seiten erlebt, sowohl die der Angehörigen eines Demenzkranken, als auch die der Ehrenamtlichen. „Für die Familie der Bedürftigen ist das Angebot hier eine große Erleichterung“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Auch Elisabeth Lemmer engagiert sich ehrenamtlich in der Gruppe: „Ich komme aus Freude und Liebe zu den alten Menschen, früher habe ich im Altenheim gearbeitet.“ Was ihr besonders gut gefällt: „Reibereien gibt es bei uns nicht.“

Die Betreuungsgruppe leitet Angelika Steeb. Das Programm beinhaltet Elemente aus der Bewegungs-, Beschäftigungs- und Musiktherapie. „Jeder Teilnehmer, der neu hinzukommt ist oft desorientiert, deshalb machen wir jedes Mal eine Begrüßung mit Vorstellungsrunde.“ Da kann es durchaus vorkommen, dass sich jemand nicht an seinen eigenen Namen erinnert, doch dafür sind die Ehrenamtlichen da. „Wir lassen keine peinlichen Momente entstehen“, so die Leiterin.

„Wichtig ist es, die Teilnehmer herauszufordern“, deshalb steht jedes Mal ein anderer Themennachmittag auf dem Programm. Geht es beispielsweise um Gemüse oder Früchte, regt dies das Gehirn der Teilnehmer an, und sie erinnern sich an Geschichten von früher. „Ein Teilnehmer hat angefangen über Kartoffeln aus Amerika zu erzählen“, sagt Steeb. Eine weitere Möglichkeit, um das Gehirn zu trainieren, sind Rätsel. „Die Teilnehmer vervollständigen oder ergänzen Sprichwörter.“ Und weil der Drang nach Bewegung groß sei, „unternehmen wir oft Spaziergänge, solange das Wetter mitmacht.“

„Unser Maßstab ist, dass wir uns nicht auf die Defizite und Schwächen der Menschen konzentrieren, wir fördern jeden, wo es nur geht“, macht Pflegedienstleiterin Carolin Holzwarth klar. Die Betreuer der Demenzkranken arbeiten mit dem Konzept von Naomi Feil. „Wir widersprechen den Demenzkranken nicht, sondern versuchen sie abzulenken“, sagt Holzwarth.

Die Warteliste mit weiteren Demenzkranken ist groß, geplant ist eine zweite Gruppe, „doch dafür fehlt uns momentan die Manpower“, so Holzwarth. Derzeit machen zwölf mit. Sie ergänzt: „Jeder, der bereit ist, sich ehrenamtlich einzubringen, ist frei zu kommen so oft er möchte, ob es einmal in der Woche oder einmal im Monat ist. Interessierte können bei uns ganz unverbindlich reinschnuppern.“ Über eins ist Holzwarth sich aber sicher: „Sozialleben kann nur mit dem Ehrenamt fungieren, alleine durch Institutionen ist vieles nicht machbar.“

Info Die Betreuungsgruppe „Abendrot“ trifft sich dienstags von 14 bis 17 Uhr, im Evangelischen Gemeindehaus, Obere Straße 33 in Großsachsenheim. Helfende Hände sind willkommen. Interessierte können sich unter Telefon (07147) 9 679 930 melden.