Tag der offenen Moschee Das Thema Politik wird bei Ditib weiter klein gehalten

Gläubige beim Gebet am Dienstagmittag in der DITIB-Moschee in Sachsenheim. Auch der dortige Türkisch-Islamische Kultur- und Sportverein hatte zum bundesweiten Tag der offenen Moschee eingeladen.
Gläubige beim Gebet am Dienstagmittag in der DITIB-Moschee in Sachsenheim. Auch der dortige Türkisch-Islamische Kultur- und Sportverein hatte zum bundesweiten Tag der offenen Moschee eingeladen. © Foto: Martin Kalb
Mathias Schmid 04.10.2017

Seit mehr als zehn Jahren führt der Türkisch-Islamischer Kultur- und Sportverein DITIB in Sachsenheim regelmäßig durch die Räumlichkeiten rund um die Mimar Sinan Moschee in der Steingrube Großsachsenheim. Am Dienstag kamen rund 50 Interessierte nach Sachsenheim zum Tag der offenen Moschee, der unter dem Motto „Gute Nachbarschaft – Bessere Gesellschaft“ stand.

Die politisch angespannten Zeiten, das Geschehen in der Türkei und die auf einem Tiefpunkt angelangten Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei waren allerdings kein Thema. Politische Diskussionen sollen aus dem Verein, der nach eigenen Angaben als Versammlungsstätte und Gebetshaus rund 1000 Menschen erreicht, herausgehalten werden. Auf BZ-Nachfrage erneuert der Vereinsvorsitzende Ismet Harbi: Man sei unpolitisch.

„Wir wollen die politische Diskussion nicht“, sagt er. Und auch die Besucher am Dienstag wollten sie offenbar nicht. Fragen zur Türkeipolitik seien, so Harbi, nicht gestellt worden. Dabei sehe er sich und seinen Verein durchaus in der Verantwortung, Brücken zu schlagen. „Wir versuchen das aber mit Festen und Aktivitäten. Bei politischen Diskussionen gibt es immer ein Pro und Contra und kein Ende“, meint er.

Harbi und sein Verein konzentrierten sich vielmehr darauf, zur hiesigen Nachbarschaft „noch bessere Beziehungen aufzubauen.“ Allgemein hätten die Vorkommnisse in der Türkei relativ geringe Auswirkungen auf die DITIB-Vereine in Deutschland. Wir bekommen weder vom Dachverband, noch vom Regionalverband, noch von der Türkei Druck.“ Der Sachsenheimer Verein agiere selbstständig. Der Sachsenheimer Imam, ein Kurde, ist allerdings Beamter des türkischen Staats.

EU-Beitrittsgespräche

Mit Aussagen zur politischen Lage in der Türkei tut sich Harbi schwer. Das sei nicht seine Aufgabe. Einige Dinge fasst er aber grundlegend anders auf, als sie in Deutschland wahrgenommen würden. „Ich war erst vor Kurzem in der Türkei im Urlaub – an vielen Stellen. Und ich teile die Meinung nicht, dass es dort in Richtung Diktatur geht.“ Im Alltag habe er keine Unterschiede festgestellt. Dass die Fronten zwischen der EU und der Türkei derzeit so verhärtet sind, führt Harbi vor allem auf den gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 zurück. „Dass damals keine Solidarität gezeigt wurde, war der Auslöser.“ Ein Putsch sei immer ein Schlag für die Demokratie und zu verurteilen. Davor habe es auch die Gefangenenwelle nicht gegeben, zumindest habe man davon nichts gehört. Dieses Thema werde „nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, meint Harbi.

Seine Erfahrung aus der Türkei: „Sobald bewiesen ist, dass die Leute unschuldig sind, werden sie freigelassen.“ Zehntausende, darunter auch viele Lehrer sitzen derzeit in der Türkei in Haft.

Den Aufruf des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an türkischstämmige Deutsche, ihre Stimmen bei der Bundestagswahl nicht bestimmten Parteien zu geben, fand Harbi falsch: „Ich bin kein Freund von solchen Aussagen in der Öffentlichkeit.“ Dasselbe gelte umgekehrt für deutsche Politiker in Bezug auf das Referendum in der Türkei. „Das ist eine gegenseitige Einmischung, die keinem was bringt.“

Die Beitrittgespräche der Türkei zur EU liegen derzeit auf Eis. Am Montag hatte Erdogan betont: Wir brauchen die Mitgliedschaft nicht. Das zerfahrene Verhältnis bedauert der Sachsenheimer DITIB-Vorsitzende, er ist aber auch nicht wirklich überrascht. Gefühlt sei die Türkei seit 40 Jahren, quasi seit er in Deutschland lebe, kurz davor, in die EU aufgenommen zu werden. „Wir sind seit Jahren nicht weitergekommen. Und momentan sind die Meinungen zu unterschiedlich.“

Dass die Wiedereinführung der Todesstrafe eine weitere Entfernung bedeuten würde, ist auch dem Sachsenheimer klar. Harbi selbst hält nicht viel von der Todesstrafe. Im Koran stehe sinnbildlich: Man dürfe niemanden töten. Der Schöpfer erschafft und darf am Ende unsere Seelen wieder nehmen. Wenn jemand, so wie am Montag in Las Vegas „die Waffe schnappt und wild durch die Gegend schießt“, werde diese Frage aber schwieriger zu beantworten.