Sachsenheim Das Aufhören fällt Horst Fiedler schwer

Horst Fiedler.
Horst Fiedler. © Foto: Martin Kalb
Von Mathias Schmid 23.06.2018

Ein klitzekleines Bisschen sei er nochmal ins Grübeln gekommen, nachdem die BZ am Dienstag vermeldet hatte, dass Horst Fiedler in dieser Woche bekannt geben wird, ob er 2019 noch mal fürs Bürgermeisteramt kandidieren wird oder nicht. Denn von allen Seiten – Verwaltung, Gemeinderat, Bürger – sei er angesprochen worden: „Sie machen’s aber schon nochmal.“ Doch seine Entscheidung stand: keine weitere Kandidatur. Das gab der 61-Jährige am Donnerstag im Gemeinderat bekannt. Auch für den Kreisrat wird er nicht mehr kandidieren.

Eigentlich hätte er gerne weitergemacht. „Alles ist im grünen Bereich, das hätte ich sehr gerne fortgeführt. Nach 15 Jahren habe ich viel um mich herum organisiert. Wir haben eine sehr loyale und gut laufende Verwaltung“, sagt Fiedler. Auf der anderen Seite wäre er zum Ende einer weiteren Amtszeit 70 Jahre alt.

Ob die Zeit dann noch gereicht hätte, das Verpasste im privaten Bereich aufzuholen, bezweifelt Fiedler. „Ich habe zwei Kinder, die jetzt noch zugänglich sind. Auch Freunde habe ich sehr vernachlässigt.“ Zudem wolle er sich Hobbys widmen. „Ich liebe zum Beispiel Musik.“ Das äußere sich nicht nur in Schallplatten- und CD-Sammlungen. Neuerdings wagt sich der 61-Jährige an den Bau von Boxen. Wie es beruflich weitergehen soll, weiß Fiedler noch nicht. Die Baubranche, in die es andere ehemalige Bürgermeister zieht, sei nichts für ihn.

Der eine oder andere Gemeinderat betonte gegenüber der BZ, dass er die Entscheidung Fiedlers nachvollziehen könne, sogar für richtig halte, angesichts des Gegenwinds, der ihm aus Bevölkerung, aber auch aus Teilen des Gemeinderats entgegenbläst. Seinen „Rückzug“ will Fiedler jedenfalls nicht als „Nachgeben“ gegenüber den unzufriedenen Stimmen in Sachsenheim verstanden wissen. Immer öfter wurde er beispielsweise beim Thema Asyl angegangen. Einige äußerten grundsätzliche Kritik am Flächenverbrauch beim Wohnungsbau und im Gewerbepark Eichwald. Fiedler meint: „Aus meiner Sicht ist das mit ganz großer Sicherheit eine Minderheit, die immer wieder auftritt. Ich erfahre viel Zuspruch.“ Auch im Gemeinderat habe er meist eine „solide Basis“ für die Vorhaben der Stadt – ebenfalls ein Indiz, dass die Volksvertreter hinter ihm stehen.

Wie bereits auch andere Bürgermeister – zum Beispiel der scheidende Kornelius Bamberger in Bönnigheim – beobachtet aber auch Fiedler „einen massiven Wandel – auch bezüglich des Respekts gegenüber der Person des Bürgermeisters“. Das sei „kein alleiniger Sachsenheimer Effekt.“

In die Kandidatenfindung selbst wolle sich Fiedler nicht einmischen. „Ich wünsche mir natürlich möglichst viele gute Kandidaten. Mein Herz hängt an Sachsenheim“, hofft er, weiß aber auch: „Die Situation auf dem Bewerbermarkt ist durchwachsen.“ Für den neuen gehe es zum einen darum, die großen Vorhaben der Stadt zu beenden. „Wir haben viele sehr positive Projekte auf den Weg gebracht. Zum Beispiel wird das Wasserschloss seit mehr als 500 Jahren erstmals generalsaniert.“ Auch im Bereich der Infrastruktur sei die Stadt gut aufgestellt, sagt er mit Blick auf den Umbau der Gemeinschaftsschule. Zudem warten genügend weitere Projekte in der Pipeline.

Stadtteildenken als harte Nuss

Für die Zukunft eine große Herausforderung sei, die Stadtteile näher zusammenrücken zu lassen. „Es ist mir nicht gelungen, das stadtteilbezogene Denken zu einem gemeinsamen Denken zusammenzuführen“, gibt er zu. So gibt es beispielsweise bei der Gemeinderatswahl immer noch die unechte Teilortwahl, wodurch eine anteilige Vertretung aller Stadtteile im Gremium garantiert ist.

Worin sich Fiedler relativ sicher ist: „Der neue Bürgermeister wird nach heutigen Erkenntnissen nicht OB werden.“ Und er könne auch niemandem empfehlen, mit diesem Ziel in den Wahlkampf zu gehen. Denn den Wunsch, Große Kreisstadt zu werden, hegten in der Stadt wenige.

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