Sachsenheim / CAROLINE HOLOWIECKI  Uhr
Weihnachten - das Fest der Liebe, des Friedens, der Harmonie? Faktisch gibt es gerade an den Festtagen häufig Zoff. Die Sachsenheimer Therapeutin Sandra Büchele erklärt, warum das so ist und wie man Streit vielleicht vermeidet.

Knapp jeder zweite Deutsche (48 Prozent) erwartet Streit an Weihnachten. Das hat eine repräsentative Umfrage unter mehr als 1000 Deutschen ergeben, die dieser Tage im Auftrag der "CreditPlus Bank" in Stuttgart vorgestellt wurde. Demnach ist der am häufigsten genannte Grund: enttäuschte Erwartungen.

Die ausgebildete Heilpädagogin Sandra Büchele, die in Großsachsenheim unter anderem als Systemische Beraterin und Systemische Therapeutin arbeitet, sieht darin auch das höchste Gefahrenpotenzial für Zoff an den heiligen Tagen. "Mit dem Fest Weihnachten sind ganz viele Erwartungen verknüpft." Die Werbung macht es vor: gut gelaunte Menschen, die in Eintracht miteinander speisen, lachende Kinder, die im Wohnzimmer tollen. Alles glänzt. Konflikte entstünden dann, wenn unterschiedliche Familienmitglieder aber unterschiedliche Erwartungen hätten, die dann vielleicht noch gegenläufig seien. Dann sei Streit programmiert. Sandra Bücheles Tipp: schon im Vorfeld Erwartungen formulieren - auch für sich selbst - und dann mit anderen austauschen. Am besten schon vor Weihnachten.

Ebenfalls ein Reizpunkt laut der 39-Jährigen: zu viel Nähe, die man aus dem Alltag, etwa bei Berufstätigen, nicht gewöhnt ist. Wenn man sich dann auch nicht kurzzeitig ausweichen könne, knalle es selbst in den besten Familien mal. Hier könne es hilfreich sein, sich und anderen Rückzugsmöglichkeiten einzuräumen. Eine Möglichkeit sei auch, sich im Vorfeld eine Art Rahmenprogramm zu überlegen und gezielt Vorschläge zu machen, wenn die Stimmung zu kippen droht. Oftmals, glaubt Sandra Büchele, kann auch ein kurzer Spaziergang schon hilfreich sein, "um den Kopf durchzulüften". Ohnehin, findet sie, sei es besser, die Festtage nicht von vorn bis hinten komplett durchzuplanen, "das ist ein großer Stressfaktor".

Kritische Themen gehören nicht an den Weihnachtstisch, mahnt Sandra Büchele. Wenn dann doch eines aufs Tapet komme, solle man überlegen: Können wir den Zwist jetzt akut lösen? Oder ist es besser, sich zunächst auf einen Waffenstillstand zu einigen und das Thema zu vertragen? Die Aussprache könnte etwa ein guter Vorsatz für 2016 sein.

Was aber tun, wenn der Streit schon vom Zaun gebrochen ist? Oftmals macht hier der Ton die Musik. Die Therapeutin rät, im Streitgespräch Wörter wie "immer" oder "nie" zu vermeiden, die treffen nach ihrer Auffassung nicht zu. "Senden Sie Ich-Botschaften. Reden Sie darüber, wie es Ihnen geht, statt Vorwürfe zu formulieren." Mit Wünschen statt Anklagen komme man in der Regel weiter. Den Verwandten, den man im Grunde seines Herzens nicht leiden kann, können man möglicherweise aushebeln, indem man aus den bekannten Mustern ausbreche und mal ganz anders auf Sprüche reagiere.

Auch in puncto Geschenke gibt es Fettnäpfchen. "Wenn man unter Erwachsenen ausmacht, dass man sich gegenseitig nichts schenkt, sollte sich jeder tunlichst dran halten", findet Sandra Büchele. Nichts sei peinlicher, als wenn man dann als einziger nichts beisteuern könne. Und wenn das Geschenk, das man bekommt, scheußlich ist? Die Expertin rät zunächst zur Diplomatie. "Thematisieren sollte man es irgendwann - aber vielleicht nicht unterm Baum." Sandra Bücheles Tipp, wenn gar nichts anderes mehr hilft: "Wenn es richtig ausartet, einen Ortswechsel vornehmen." Den Raum verlassen - oder abreisen.