Am Dienstagabend war die Sonnenberghalle in Ochsenbach trotz Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius voll. Die Bürgerinfoveranstaltung zur Verbesserung der Fußgänger- und Parksituation in der Güglinger Straße und Dorfstraße lockte zahlreiche Sachsenheimer und vorwiegend Anwohner der besagten Straßen. „Ich wünsche mir, dass die Veranstaltung in einem konstruktiven Miteinander abgehalten wird. Es nutzt niemandem, wenn durch gegenseitige Beschuldigungen, die Atmosphäre vergiftet wird“, sagte der Ochsenbacher Ortsvorsteher Reiner Weiß.

Verbesserung für Fußgänger

Ingenieur Manfred Feyrer stellte das Konzept zur Verbesserung der Fußgänger -und Parksituation vor. Er hatte den Auftrag bekommen, zu untersuchen, „wie man das wilde Parken in der Dorfstraße besser in den Griff bekommt“. Er berichtete: „Es hat sich gezeigt, dass die Parkstände, die zum Teil gekennzeichnet waren und sowohl auf dem Gehweg als auch auf der Fahrbahn eingeteilt waren, so viel Fläche weggenommen haben, dass die Restflächen auf dem Gehweg zu schmal waren.“ Die Folge: Der Fußgängerverkehr wurde eingeschränkt

Im März 2018 machte der Ingenieur eine Bestandsaufnahme: „Wir haben die Ausführungspläne der Dorfstraße zur Grundlage genommen.“ Im Durchschnitt gibt es in der Dorfstraße zweimal 50 Zentimeter breite Entwässerungsmulden, jeweils links und rechts der Fahrbahn. Die Breite der Fahrbahn beträgt sechs Meter. Nachdem Feyrer die vorhandenen Parkplätze sowie die Garagen- und Grundstückszufahrten in die Pläne eingetragen hatte, ermittelte er, welche Flächen zur Verfügung stehen. „Ziel war, eine Parksituation zu ermöglichen, die den Fußgängerverkehr verbessert.“ Es wurde einiges ausprobiert. „Wir haben untersucht, wie man die Parkierung hinkriegt, wenn man nur auf der einen Straßenseite die Parkierung vornehmen.“

Das Konzept wurde im Juli 2018 vorgestellt und im November 2018 erfolgte die erste Besprechung mit dem Landratsamt Ludwigsburg. „Es hat sich herausgestellt, dass die Fahrbahnbreiten nicht überall gleich breit waren, auch wenn es so die Ausführungspläne vorgesehen hatten.“ Deshalb wurde Ende 2018 eine Vermessung durchgeführt. Daraufhin wurden neue Grundlagepläne erstellt. Dabei kam heraus: Manche Straßen hatten keine Breite von sechs Metern, sondern waren 5,80 Mete breit.

Die Parksituation, die Feyrer im Juli 2018 vorgestellt hatte, wurde deshalb noch mal überarbeitet und „wir haben versucht, die Parkierung auf beiden Seiten der Straße vorzunehmen unter der Voraussetzung, dass die Zufahrten zu Garagen erhalten bleiben, damit der Verkehr ordentlich abgewickelt werden kann.“

Feyrer wollte erreichen, dass der Verkehr „sich nur auf der Fahrbahn bewegt. Deshalb wurden die Parkstände so anlegt, dass auch am Straßenrand geparkt werden kann.“ Das heißt laut ihm, dass somit ein vorbeifahrender Lkw auf dem Fahrweg genug Platz hat. „Dort, wo neue Parkstände hinkommen, sind Poller vorgesehen, damit man nicht auf dem Gehweg ausweichen kann.“ In der Güglinger Straße sollen neue Poller versetzt werden. Den Gehweg könne man noch verbreitern, weil hinter dem Gehweg Grünfläche angelegt sei. „Wir haben untersucht, wie viel Platz ein Lkw in der Häfnerhaslacher Straße benötigt. Es wurde nachgewiesen, dass genug Platz vorhanden ist, wenn sich zwei Lkws begegnen.

Eine Anwohnerin der Güglinger Straße sah das Konzept des Ingenieurs eher kritisch. In der Kurve, wo sie wohne, staue sich der Lkw-Verkehr morgens schon ab halb vier, berichtete sie. „Wenn sich da zwei Lkws begegnen, ist die Hölle los.“ Feyrer meinte: „Das liegt an der Fahrbahnbreite, das hat nichts mit den Parkplätzen zu tun.“ Petra Karl, auch eine Anwohnerin derselben Straße, sah ein Problem an den zwei neuen Parkplätzen, die dort angelegt werden sollen. „Unter den neuen Parkplätzen befindet sich ein unbefestigter Hang. Es besteht die Gefahr, dass dieser zusammenbricht.“  „Diese Dinge muss man im Detail untersuchen“, sagte Feyrer.

Genügend Platz

„Wie wollen sie sicherstellen, dass die Fußgänger genügend Platz haben?“, fragte ein Anwohnerin der Dorfstraße. Zurzeit kann man, nur da, wo Poller angelegt sind, mit dem Kinderwagen laufen. Feyrer vergewisserte: „Wir werden die Parkstände auf der Fahrbahn anlegen, sodass die Gehwege auf beiden Seiten vollständig frei für die Fußgänger sind.“ Ein weiterer Anwohner fragte sich: „Ist Lärmschutz ein Fremdwort in der Gemeinde Sachsenheim?“ Er wollte von Feyrer wissen: „Wozu werden denn Straßen gebaut?“ Dieser antwortete: „Damit man darauf fahren kann.“ „Genau, aber nicht, damit man dort parken kann, deshalb ist das ganze Konzept für die Katz“, empfand der Bürger. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte Feyrer „aber es hat nichts mit der Parksituation zu tun“.

Ein Anwohner der Güglinger Straße, der zugleich Mitglied der Verkehrsinitiative Sachsenheim ist, äußerte ebenfalls Kritik am Konzept Feyrers. „Es wurde hier eine Verkehrsinitiative gegründet, die verhindern wollte, dass Lkws ins Dorf kommen und nicht, damit die Lkw durchs Dorf fahren können.“ Offensichtlich teilten viele in der Halle seine Meinung. Es folgte Applaus. Er fuhr fort: „Sie sagen, es fallen keine Stellplätze weg. In der Güglinger Straße gibt es derzeit 23, geplant haben sie aber nur  acht. Das heißt die ganzen Anwohner sollen am Sportplatz parken.“ Ein weiterer Punkt, auf den er einging: „Das, was mich am meisten stört, sind die Poller, die haben Chaos im Flecken verursacht. Zwei Lkws können in keiner Weise aneinander vorbeifahren wegen den Pollern.“ Sein Vorschlag: „Lieber denken Sie ernsthaft über ein Lkw-Fahrverbot nach!“

Daraufhin machte der Sachsenheimer Bürgermeister, Holger Albrich, klar: „Es geht nicht darum, den Schwerlastverkehr aus Ochsenbach rauszukriegen, sondern, um ein Sicherheitskonzept zu schaffen. Die Wege so eng zu gestalten, dass kein Laster Platz hat, das geht einfach nicht.“ Ortsvorsteher Weiß sagte: „Wir haben versucht, diesbezüglich mit der Verkehrsinitiative und dem Landratsamt Lösungen zu finden, kriegen es aber momentan einfach nicht hin, so wünschenswert es auch ist. Die Verlagerung innerhalb des Stadtgebiets ist ausgeschlossen.“