Sachsenheim Beschwerliches Bücken hat ein Ende

Fabian Köstlin erleichtert mit seiner Apfelauflese-Maschine die Ernte.
Fabian Köstlin erleichtert mit seiner Apfelauflese-Maschine die Ernte. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Michaela Glemser 04.09.2018

Früher herrschte auf den Streuobstwiesen des Kirbachtals im September reges Treiben. Mit Leitern, Gummistiefeln, Eimern und Säcken ausgerüstet machten sich Großeltern, Eltern, Kinder, Onkel und Tanten an die Apfelernte. Die ganze Familie half dabei zusammen. Heute ist dieses Bild nur noch selten anzutreffen. „Die jüngeren Generationen haben vielfach das Interesse und die Zeit für die Pflege der Streuobstwiesen verloren, sodass viele Flächen brach liegen und verwildern“, erklärt Fabian Köstlin, qualifizierter Obstbaumpfleger und Fachwart beim Obst- und Gartenbauverein Kleinsachsenheim.

Er kümmert sich für viele Stücklesbesitzer um deren Streuobstwiesen vom Baumschnitt bis zur Ernte der Früchte. Doch der Ochsenbacher muss dafür nicht unter den Apfelbäumen herumkriechen, um die Früchte aus dem Gras zu sammeln. Seit rund zwei Wochen geht dies viel einfacher und vor allem zeitsparender. Jetzt kurvt Fabian Köstlin mit seiner selbstfahrenden Apfelauflesemaschine um die einzelnen Bäume herum und kurz darauf fallen die einzelnen Früchte sauber gereinigt in den Auffangbehälter. Eine Walze am Boden befördert die Äpfel nach oben, drehende Bürsten befreien die Früchte von Schmutz und Laub, bevor das Obst über eine Schnecke weiter nach oben läuft und schließlich in den sogenannten „Auffangbunker“ fällt. Dieser kann bequem über einem Anhänger entleert werden. „Bis zu vier Tonnen Äpfel kann ich mit der Maschine in der Stunde einsammeln. Die Maschine hat Allradlenkung und ist sehr wendig. Das Obst wird nicht geworfen und daher auch nicht beschädigt“, erklärt Fabian Köstlin, der in die fortschrittliche Maschine eine fünfstellige Summe investiert hat.

Hoffen auf steigende Mostpreise

Die Stücklesbesitzer, denen er bisher mit seiner Maschine geholfen hat, waren allesamt begeistert von der Leistungsfähigkeit des grünen Flitzers. „Meist sammele ich derzeit damit das Fallobst ein, das am Boden liegt. Gegen Ende der Apfelerntezeit steigen die Mostpreise noch einmal und zu diesem Zeitpunkt lohnt es sich schließlich auch die Bäume abzuschütteln, um bessere Obstqualität zu erzielen“, betont der Ochsenbacher. Die Apfelernte hat in diesem Jahr aufgrund der Witterung mindestens drei Wochen früher als in den Vorjahren begonnen.

Zwischen sechs und sieben Euro zahlen die Lohnmostbetriebe und Keltereien in der Region derzeit für einen Doppelzentner Äpfel. „Es gab im Frühjahr einen sehr guten Blütenansatz mit einer hervorragenden Befruchtung bei den Apfelbäumen. Das führte zu sehr vielen Früchten auf dem Baum, die dieser versorgen musste und die entsprechend auch eine geringere Größe haben“, berichtet Fabian Köstlin. Er erntet im Kirbachtal vor allem die bekannten alten Sorten wie „Boskoop“, „Brettacher“ oder „Jakob Fischer“. „Ich rechne damit, dass die Preise für die Äpfel noch steigen werden, denn die Tanks der Betriebe sind leer, da es im vergangenen Jahr keine allzu gute Ernte gab“, macht der Ochsenbacher Obstbaumpfleger deutlich.

Dank seines motorbetriebenen Helfers kann er in kurzer Zeit eine komplette Streuobstwiese abernten. Er bereitet die Fläche zudem entsprechend vor, denn am besten fährt der grüne Flitzer, wenn das Gras nicht höher als 20 Zentimeter ist. Seinen Schätzungen nach befindet sich nur ein Viertel der vorhandenen Streuobstwiesen im Kirbachtal in einem guten Pflegezustand. „Diese Arbeit ist ökologisch sehr wertvoll. Dennoch fehlt vielen die Zeit und bisweilen auch die Anerkennung dafür. Früher war die Apfelernte alljährlich ein echtes Familienereignis“, erinnert sich Fabian Köstlin. Er hofft, dass dank seiner neuen Maschine wieder mehr Stücklesbesitzer Interesse an der Apfelernte gewinnen, denn der Ochsenbacher kann die Ernte mit seinem Helfer sehr einfach ohne mühevolles Bücken gestalten. „Auch Birnen und Walnüsse können damit eingesammelt werden“, erklärt Fabian Köstlin.

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