Sachsenheim Beidseitiger Eifer gefragt

Applaus gab es nicht nur für den Auftritt des Chors „Einfach singen", sondern auch für die Arbeit der Ehrenamtlichen.
Applaus gab es nicht nur für den Auftritt des Chors „Einfach singen", sondern auch für die Arbeit der Ehrenamtlichen. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Mathias Schmid 08.06.2018

Von Erfolgen bei der Vermittlung von Arbeit, aber auch von Problemen im Kontakt mit Flüchtlingen in Sachsenheim berichtete am Mittwochabend der Arbeitskreis (AK) Asyl im Kulturhaus in Großsachsenheim. Unter dem Motto „Einblicke, Austausch und Diskussionen“ hatten die Ehrenamtlichen geladen. Am Ende waren es vor allem Einblicke, denn der große Saal im Kulturhaus war zwar ordentlich gefüllt, allerdings blieben dabei AK-Mitstreiter, Diakonie und Flüchtlinge vorwiegend unter sich.

„Es gibt eine ganz Reihe Geflüchteter, die Praktika bekommen haben“, berichtet Oliver Weiß vom AK Asyl und listet rund 20 Beispiele auf. Teilweise hätten sich daraus bereits Arbeitsverhältnisse ergeben. Auch beim Thema Ausbildung gibt es erste Erfolge. „Aber das ist dann schon etwas schwerer“, meint Weiß. Und sein AK-Mitstreiter Hans Günter Janßen ergänzt: „Der Arbeitsmarkt sucht ja in vielen Bereichen händeringend nach Kräften. Voraussetzung für sind aber gute Deutschkenntnisse“, meint er mit Blick auf das duale Ausbildungssystem mit Schulunterricht auf deutsch. Der AK Asyl betont zudem, dass bei der Suche nach Arbeit ein hohes Maß an eigener Initiative der Flüchtlinge nötig ist. Das hätten die erfolgreichen Fälle gezeigt.

Ähnlich ist es auch beim Deutsch lernen. Vor allem einige Afrikaner seien nicht sonderlich motiviert. „Ich weiß nicht, was sie von mir erwarten. Wir pflegen eigentlich schon einen sehr lockeren Umgang in den Kursen“, meint er. Helfen würden den Flüchtlingen laut Arbeitskreis aber auch deutschsprachige Gesprächspartner, Hausaufgabenbetreuer und Lesepartner. In diesem Zusammenhang warben die Ehrenamtlichen auch zur Übernahme von Patenschaften, um die Menschen im Alltag zu unterstützen.

Doch die AK-Mitglieder sprachen auch negative Seiten der Betreuung an. Zum einen kümmerten sich Eltern zu wenig um die Entwicklung der Kinder und stellten – nach deutschem Verständnis – schlechte Vorbilder dar. Zum Beispiel befördere die Trägheit eines Vaters die Lernschwäche von Jugendlichen, meinte Weiß in seinem Vortrag. Ebenso kam der teilweise nachlässige Umgang mit zur Verfügung gestellten Gegenständen zur Sprache. Auch die BZ hatte jüngst über unschöne Zustände in den mittlerweile geräumten Übergangs-Unterkünften beim Schulzentrum in Großsachsenheim berichtet.

Den AK Asyl beschäftigen auch aktuelle Geschehnisse wie der Raub auf offener Straße vor einigen Monaten oder die sexuelle Belästigung am Großsachsenheimer Bahnhof vor wenigen Tagen (die BZ berichtete jeweils), die laut Polizei von Tätern mit dunklerer Hautfarbe beziehungsweise von einem Schwarzafrikaner verübt wurden. „Wir werden darauf angesprochen und auch angegangen“, meint AK-Mitglied Uwe Niehues. Auch mit den Flüchtlingen wird über die Vorkommnisse gesprochen. Auch sie müsste man beruhigen, weil ihnen ebenfalls Wut entgegenschlägt. Für die allermeisten würde Niehues aber seine Hand ins Feuer legen. „Das sind Top-Jungs. Aber im Gegensatz zu Deutschen müssen sie das permanent beweisen.“

Zahlen zur Anschlussunterbringung in Sachsenheim

Zahlen zur Anschlussunterbringung in Sachsenheim hatte Silke Deuschel, Team Bürgerservice und öffentliche Sicherheit & Ordnung bei der Stadt, am Infoabend des AK dabei.

Derzeit leben 230 Menschen in der Anschlussunterbringung. Davon sind 104 Einzelpersonen, die übrigen verteilen sich auf 25 Familien. 206 Flüchtlinge leben in städtischen Unterkünften, 24 sind mittlerweile von einer städtischen Unterkunft in eine private Wohnung umgezogen, 21 von anderen Kommunen in Privatwohnungen zugezogen.

Die Nationalitäten teilen sich wie folgt auf: 95 Syrer, 30 Afghanen, 29 Eritreer, 18 Gambier, 18 Iraker oder Iraner, 14 Pakistani und jeweils ein paar wenige aus anderen Ländern.

Von den in diesem Jahr 134 aufzunehmenden Flüchtlingen muss die Stadt noch 98 unterbringen. Dafür sollen die Unterkünfte Seepfad (59 Plätze) und Holderbüschle (57) Anfang Juli fertiggestellt werden. msc

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