Sachsenheim / Von Michaela Glemser

Pizzakatze, Pizzakatze!“, schallte es durch den Musiksaal der Kirbachschule, aber aus dem Mund von Robert Wolf klang dies nicht wie das Wort an sich, sondern wie moderne Techno- oder Hip-Hop-Rhythmen. Der 30-Jährige aus Esslingen, der sich „Robeat“ nennt, gehört zu den talentiertesten Beatboxern in Deutschland. Am Dienstag war Wolf zu Gast an der Kirbachschule in Hohenhaslach, um in unterschiedlichen Workshops die Schüler der Werkrealschule in seine Kunst der Mundakrobatik einzuführen.

„Vor rund 15 Jahren habe ich als Hobby mit dem Beatboxen angefangen und dies inzwischen zu meinem Beruf gemacht. Ich habe bis zu 200 Auftritte pro Jahr, teilweise alleine, teilweise aber auch mit großen Kammerorchestern“, schilderte Wolf alias „Robeat“. Immer wieder geht er jedoch an die Schulen im Land, um den Jugendlichen zu zeigen, dass es noch so viel mehr sinnvolle Beschäftigungen im Leben gibt außer vor Smartphone, Computer oder Tablet zu sitzen. Auch der Rektor der Kirbachschule Rainer Graef hat Wolf im vergangenen Jahr bei einem Engagement am Sachsenheimer Lichtenstern Gymnasium kennengelernt und den bekannten Beatboxer an die Kirbachschule eingeladen.

„Ich bin echt begeistert, wie Robert Wolf mit den Jugendlichen umgeht und sie auf einer besonderen Ebene anspricht. Zudem habe ich heute viele Übungen gelernt, die ich auch in meinen Musikunterricht einfließen lassen werde“, schwärmte Graef. Auch seine Schüler waren fasziniert vom Können der Beatboxer-Profis, auch wenn es manche Mädchen und Jungen zu Beginn Überwindung kostete, die einzelnen Buchstabenfolgen mit verschiedener Lautstärke und Betonung ins Mikrofon zu sagen. „Ich war echt erstaunt, wie nur mit der Stimme so verschiedene Rhythmen entstehen können. Das war wirklich cool“, erklärte der elfjährige Philipp Evrad. Nicht weniger beeindruckt zeigte sich Ceylinaz Imamoglu, ebenfalls elf Jahre alt, die vor dem Workshop noch nie etwas vom Beatboxen gehört hatte und jetzt zuhause fleißig weiterüben möchte. Auch der 12-jährige Maik Kühn konnte am Ende des Vormittags gar nicht mehr aufhören, wie eine Grille aus dem Hals heraus zu pfeifen.

Beatboxen kann jeder lernen

„Ich bin eigentlich Klavierspieler. Wer ein gewisses Taktgefühl mitbringt, hat natürlich einen Vorteil. Aber jeder kann das Beatboxen erlernen. Es erfordert Übung. Zunächst werden nur einzelne Töne trainiert wie beim Tanzen einzelne Bewegungen. Im Laufe der Zeit entsteht erst die Gesamtchoreografie oder eben der typische Beatbox-Sound“, machte Robert Wolf deutlich. Wenn er richtig loslegt, wie beim Konzert zum Abschluss seines Besuchs an der Kirbachschule, reiben sich so manche Zuschauer und Zuhörer immer wieder ungläubig die Augen, dass er tatsächlich nur mit seiner Stimme diese verschiedenen Toneffekte erzeugt. Mund, Nase, Rachen, Wangen: Alles kam auch am Dienstag zum Einsatz und klang nach dem Auftritt einer großen Band mit vielen Percussions- und Schlagzeuginstrumenten. Beatboxen oder Human Beatboxing entstand in den 80er -Jahren im Rahmen der HipHop-Bewegung in den USA. Da sich manche Akteure damals teure Drumcomputer oder Live-Instrumente nicht leisten konnten, bedienten sie sich ihrer Stimme. Der Esslinger Robert Wolf belegte 2007 den dritten Platz im Finale der TV-Show „Das Supertalent“ und war 2013 Europameister im Beatboxen.