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Kommunalwahl
Sachsenheim / Ifigenia Stogios  Uhr

Die Entscheidung kam völlig überraschend. Oliver Häcker, der bei den Freien Wählern die meisten Stimmen bei der Sachsenheimer Kommunalwahl erntete – rund 3900 – ist am Donnerstag,  noch vor der ersten Sitzung des neu konstituierten Gemeinderats, aus der Fraktion den Freien Wählern ausgetreten. Er bleibt allerdings weiterhin im Gremium, jedoch fraktionslos. Am Donnerstagvormittag kündigte er sein Vorhaben dem Bürgermeister an. Auch seine Fraktionskollegen erfuhren es auf diese Weise.  „Bedauerlicherweise gibt es Kräfte in der Stadt, die mit meiner Wahl, insbesondere der Höhe des Wahlergebnisses, echte Probleme haben“, begründet Häcker sen Rückzug aus der Fraktion.

In einem Gespräch mit der BZ spricht er von Hetze gegen seine Person, „die sogar vor meiner Familie, meinem Betrieb und meinen Kollegen im Gemeinderat nicht halt gemacht haben“. Er stellt  klar: „Ich bin nicht der Typ, der sich einschüchtern oder erpressen lässt. Ich werde  meine Linie weiterverfolgen.“ Häcker möchte aber nicht noch mehr Angriffsfläche bieten, sagt er: „Ich bin auch jenen verpflichtet, die als Randfiguren einer solchen Kampagne Schaden erleiden. Das gilt besonders für die Gruppierung, mit der ich in den Wahlkampf gezogen bin.“ Weiter heißt es: „Zu guter Letzt wurde ich sogar direkt auf der Straße darauf angesprochen, dadurch ist ein beträchtlicher Schaden entstanden. Ich möchte vermeiden, dass Unbeteiligte darunter zu leiden haben. Dazu gehören auch die Mitglieder der Freien Wähler und deren Fraktion.“ Er betont: „Mein Angebot zu einer fairen, offenen, respektvollen Zusammenarbeit mit allen  Kollegen im Gemeinderat steht weiterhin, und viele haben mir ihr Verständnis für den eingeschlagenen Weg bekundet.“

Bittere Konsequenzen

Gegen 11.30 Uhr am Donnerstag erreichte Häckers Mail auch den Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler Siegfried Jauß.  Zu dieser Zeit war er „auf dem Weinberg“ und wurde durch ein Telefonat eines Kollegen auf die Mail aufmerksam.  In der Mail schrieb Häcker, dass er die Freien Wähler verlasse und fraktionslos im Gemeinderat weitermache. Jauß sei ins CC gesetzt worden. Über die Entscheidung Häckers sagt Jauß:  „Das ist sehr ärgerlich und schadet uns.“ Die Konsequenzen  des Austritts sind für die Freien Wähler bitter. Von Platz 1 ist die Fraktion nun mit sechs Sitzen auf Platz drei gerückt, nach der Grünen Liste und der CDU, die jeweils sieben Sitze haben. Vorgesehen war, dass Lothar Makkens als Erster Stellvertretender Bürgermeister vom Gemeinderat gewählt wird. Nach dem Austritt des Metzgers war das nicht mehr möglich. Stattdessen hat nun Franziska Müller von der GLS das Amt übernommen.

 Jauß sagt, er habe versucht Häcker zu überreden, seine Entscheidung rückgängig zu machen, „doch er hat alles verweigert.“ Streitigkeiten gab es trotz der unangenehmen Situation im Nachhinein keine, so Jauß. Innerhalb der Fraktion herrsche Harmonie.  „Ich möchte mich in die privaten Angelegenheiten von Herrn Häcker nicht einmischen“, macht Jauß deutlich. Eins muss er aber loswerden: „Seine Stimmen hat Häcker dadurch gewonnen, dass er auf der Liste der Freien Wähler kandiert hat“, so Jauß. Warum er  nun bevorzuge, keiner Fraktion anzugehören, ist für Jauß unbegreiflich. Schon am Freitag ging der Tag für ihn sehr früh los. Für die Sitzung an diesem Samstag mussten dementsprechend weitere Änderungen bezüglich der Besetzung der Ausschüsse vorgenommen werden. „Ich bin deshalb am Freitag um halb fünf aufgestanden“, verrät Jauß.