Schwerpunkt Städtepartnerschaft Aus einem Traum wird eine Lebensaufgabe

Manchmal erfordert die Partnerschaft auch Geduld. Dann vertreiben sich  Karin Wycisk (links) und das Partnerschaftskomitee die Zeit, wie hier bei den Stockschützen in Hohenhaslach.
Manchmal erfordert die Partnerschaft auch Geduld. Dann vertreiben sich Karin Wycisk (links) und das Partnerschaftskomitee die Zeit, wie hier bei den Stockschützen in Hohenhaslach. © Foto: Martin Kalb
Von Mathias Schmid 09.06.2018

Karin Wycisk ist die Lebensfreude stets anzumerken – vor allem, wenn mal wieder ein Treffen mit den Franzosen aus der Partnerstadt Valréas ansteht. Seit mehr als zehn Jahren ist sie der Kopf des rund 15-köpfigen Sachsenheimer Partnerschaftskomitees, das mit immer wieder neuen Ideen und Impulsen die Verbindung lebendig hält. Infiziert mit dem Valréas-Fieber wurde sie aber schon viel früher.

1997 reiste ihr Mann, Bernhard Wyzisk, erstmals mit einer Sachsenheimer Delegation nach Valréas. „Da müssen wir hin“, habe er gesagt. Kaum angekommen, war auch sie fasziniert: „Man hat sich rührend um uns gekümmert. Auf der Rückfahrt hatte ich einen Traum.“ Zwei Jahre später stand dieser Traum: Eine Französisch-AG an ihrer damaligen Schule, der Grundschule Kleinsachsenheim. In Klasse drei ging es los, in Klasse vier nach Valréas – und das über viele Jahre. 2007 übernahm die heute 66-Jährige dann das Amt der Vorsitzenden von Christiane Hähnle. Wieder war Bernhard Wyzisk die treibende Kraft.

An diesem Freitag, rund 20 Jahre nach ihrer ersten Reise, stehen Karin Wyzisk und weitere Mitstreiter des Komitees im Vereinsheim der Hohenhaslacher Stockschützen. Um 12 Uhr wollten sie eine Delegation von Winzern aus Valréas verköstigen, die eine Weinbergführung erhalten hatte. Um 12.30 Uhr fehlt noch immer jede Spur. Verspätungen der Franzosen – an diesem Tag geht diese zumindest teilweise auf die Kappe der begeisterten Hohenhaslacher Fremdenführer – bringen Wyzisk schon lange nicht mehr aus der Ruhe. „Man muss flexibel und spontan sein – und die nötige Ruhe mitbringen“, weiß sie. Nicht überall ist Pünktlichkeit und Planbarkeit ein solch hohes Gut wie in Deutschland.

Mittlerweile kann Karin Wyzisk die Besuche in (und aus) Valréas nicht mehr zählen. „Es gibt Jahre, da bin ich fünf- bis sechsmal in der Provence.“ Langweilig wird ihr das ständig selbe Ziel aber nie. Auch weil sich das Komitee immer wieder neue Formen des Austauschs einfallen lässt. Mit den französischen Winzern ist aktuell auch erstmals eine Delegation von Industriellen im Sachsenheim, die unter anderem den Gewerbepark Eichwald inspizieren. Die ehemalige Kartonage-Metropole Valréas sucht nach Wegen, um die Wirtschaft anzukurbeln (die BZ berichtete).

Auch der regelmäßige Valréas-Stammtisch für Jedermann geht auf die Kleinsachsenheimerin und ihr „hervorragendes Team“ zurück. Andere Projekte ruhen derzeit, zum Beispiel die Schülerfahrten der Kleinsachsenheimer Grundschule und der Eichwald-Realschule in Großsachsenheim. „Wir haben nicht die nötige Anzahl an Schülern zusammenbekommen“, erklärt Wyzisk, die sich wünscht, dass wieder ein Austausch zustande kommt. „Allerdings ist französisch nicht mehr in dem Maße als Fremdsprache gefragt wie früher“, weiß sie. Auch der Austausch zwischen Vereinen war schon reger. „Aber wie in einer Beziehung muss man auch an einer Städtepartnerschaft ständig arbeiten. Das kostet Zeit und Kraft, macht aber auch viel Spaß.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel