Schwerpunkt Weltretter Auf der Suche nach Lebensräumen

Von Ifigenia Stogios 11.08.2018

Seine Leidenschaft für Tiere und Natur prägt ihn von Kindesbeinen an. „Ich bin morgens immer früh raus, um Vögel zu beobachten“, sagt der zweite Vorsitzende des NABU Sachsenheim, Christoph Kaup. „Ich wollte Biologie studieren“, sagt er. Letztendlich wählte er den sozialpädagogischen Bereich. Die Naturbegeisterung ließ jedoch nicht nach.

Seit 1975 ist er NABU-Mitglied. 1986 zog er nach Hohenhaslach. Seit vergangenem Jahr engagiert er sich aktiv gegen die Reduzierung von Bienen und Schmetterlingen. „Der Rückgang der Insekten ist drastisch“, bedauert er. Die Verwendung von Insektenmitteln habe dazu beigetragen. „Zwar sind diese Mittel nun verboten, aber sie wurden Jahre lang verwendet“, weiß Kaup.

Ein Auslöser für die Reduzierung von Nachtfaltern sei auch die sogenannte Lichtverschmutzung. Die vielen künstlichen Lichtquellen würden die Insekten von ihrer Begattung abhalten. „Früher haben sich die Insekten nur am Mond orientiert, nun werden sie von verschiedenen Lichtquellen desorientiert oder verbrennen.“ Letzteres, weil sie zu dicht an den Quellen fliegen.

Auch der Rückgang der tagaktiven Bienen bereitet Kaup Sorgen. „Überall wird überbaut.“ Er beobachtet wie Vorgärten versteinert werden. Pflanzen blühen dort nicht mehr. In Hohenhaslach blühe auch kaum noch etwas, sagt er. Dazu käme der Klimawandel. Bis zum Frühsommer seien die Imker total zufrieden gewesen. „Im Februar war es nass und bis Juni herrschten perfekte „Arbeitsbedingungen“ für die Bienen. Ab Juli mussten allerdings die Honigbienen mit Zucker zugefüttert werden. „Wegen der Trockenheit blieb die Bestäubung zurück.“

Deutlich stärker von der Trockenheit bedroht sind allerdings die Wildbienen. Sie werden im Gegensatz zu den Honigbienen nicht zugefüttert und auch nicht von Imkern „aufgepäppelt“. „Wenn das Klima so bleibt, müssen wir mit Problemen rechnen“, ist das NABU-Mitglied überzeugt. Auf den Ackerflächen halte man jetzt schon vergebens auch nur nach einer einzigen Wildblume Ausschau. In vielen Weinbergen wird zu oft gemäht oder gar nur Getreide zur Düngung ausgesät. So stellen die Wegränder und Böschungen für Insekten wichtige Rückzugsgebiete in einer ausgeräumten Landschaft dar.

Damit Bienen zumindest die vorhanden Flächen nutzen können, auf denen etwas blüht, kam der NABU auf die Idee, Flächen wie Böschungen und Gräben im Kirbachtal zu fördern. In Zusammenarbeit mit dem Baubetriebshof der Stadt Sachsenheim werden diese seit vergangenem Jahr gepflegt. „Ich bin drei Wochen lang mit dem Fahrrad gefahren und habe Datenmaterial gesammelt. Wir haben monatliche Pläne aufgestellt. Auf denen steht, was zu tun ist.“ Er selbst schaute sich wochenlang nach Böschungen um, die als Rückzugsgebiete für Bienen dienen könnten.

Viele Pflegemaßnahmen

Was für Maßnahmen bisher ergriffen wurden? Die Initiative hat sich die Banketten ausgeguckt. Das sind Streifen am Straßenrand, die aus Verkehrssicherungsgründen bisher auch in Sachsenheim komplett abgemäht wurden. Auch Böschungen, die nicht attraktiv für Insekten sind, werden vom Bauhof gemulcht.

Das Mulchgerät wurde jetzt so umgebaut, dass es Schmetterlingsraupen, Käfer und Heuschrecken am Boden schützt. Blühende Pflanzen entfernen die Naturschützer nicht. Die Pflege der grünen Flächen innerhalb der Siedlungen wurde vereinfacht, um Arbeitszeit für die Pflege in der freien Fläche zu gewinnen. NABU und Baubetriebshof haben in Absprache mit dem städtischen Naturschutzbeauftragten Alois Danner zusätzliche Flächen ausgewählt. Die werden nicht mit dem Mulchgerät, sondern mit dem Balkenmäher oder Freischneider bearbeitet. Der Schnitt wird entfernt, um die Erde auszumagern, damit Wildblumen blühen können. Auch wurden Böschungsgräben festgelegt, in denen Brombeeren und Gehölze entfernt werden, um Stauden zu fördern. Oregano und wilde Möhren werden erst im September gemäht, damit sich die Bienen daran bedienen können.

Kaup geht es darum, etwas gegen das Insektensterben zu tun. Er habe nicht das Syndrom des Gutmenschen und setzte sich auch nicht aus moralischen Gründen für Insekten ein, gab er zu. „Ich habe weiterhin Spaß, die Natur zu beobachten.“ Weil es frustrierend sei, einfach nur dabei zuzuschauen, wie Tiere und Insekten aussterben, sei es für ihn bedeutsam etwas dagegen zu tun. Der erste Schritt mit der Suche nach neuen Lebensräumen für Insekten ist schon gemacht.

Dass er alleine die Welt nicht retten kann, ist ihm bewusst, doch zumindest ist „der Willen und die Bereitschaft da“, um Veränderungen zu bewirken.

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