Schwerpunkt Schulbeginn Attraktiv dank Bildungspartnern

Seit November gibt es an der Kirbachschule eine Bildungspartnerschaft mit Wochenpraktika in sozialen Berufen. Bei der Vertragsunterzeichnung (von links): die Pfarrer Dieter Hofmann und Michael Wanner, Kindergartenleiterin Susanne Collmer, Schulleiter Rainer Graef, die Kindergartenleiterinnen Andrea Gänger und Daniela Koch sowie Milena Riesner von der Stadt Sachsenheim.
Seit November gibt es an der Kirbachschule eine Bildungspartnerschaft mit Wochenpraktika in sozialen Berufen. Bei der Vertragsunterzeichnung (von links): die Pfarrer Dieter Hofmann und Michael Wanner, Kindergartenleiterin Susanne Collmer, Schulleiter Rainer Graef, die Kindergartenleiterinnen Andrea Gänger und Daniela Koch sowie Milena Riesner von der Stadt Sachsenheim. © Foto: Martin Kalb
Sachsenheim / Von Michaela Glemser 08.09.2018

Insgesamt 163 Schüler starten zu Beginn der kommenden Woche an der Werkrealschule der Kirbachschule in Hohenhaslach ins neue Schuljahr. Die eigentlich einzügige Schule hat die Erlaubnis der Verantwortlichen des zuständigen Schulamts Ludwigsburg erhalten, in diesem Schuljahr zwei fünfte Klassen zu führen.

„Der Klassenteiler liegt bei 31 Schülerinnen und Schülern. Diesen hatten wir in der Vergangenheit schon zweimal überschritten, aber nicht die Erlaubnis für zwei fünfte Klassen bekommen. In diesem Schuljahr ist das zum Glück der Fall“, freut sich Schulleiter Rainer Graef.

An zwei Standorten im Schulamtsbezirk Ludwigsburg gibt es noch eine Werkrealschule, in der Barockstadt selbst und in Hohenhaslach (siehe auch Infobox). Sicher ist auch der Rückgang der ehemals rund 30 Werkrealschulen im Kreis ein Grund für den Andrang. Graef ist aber sicher: Bestimmt hat die Verleihung des ‚Würth-Bildungspreises zur Förderung der ökonomischen Bildung‘ im Jahr 2007 dazu beigetragen, den guten Ruf unserer Schule zu stärken.“ Hinzu kommen viele Projekte und Bildungspartnerschaften der Werkrealschule, die das Profil geschärft und ihre berufspraktische Ausrichtung wesentlich erweitert haben.

Zwölf Bildungspartnerschaften mit namhaften lokalen und regionalen Betrieben sowie Organisationen gibt es inzwischen. Diese ermöglichen den Schülern Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen zu sammeln, ob in der Zimmerei oder in der KFZ-Werkstatt, ob im Weinbau, in der Metzgerei oder im Verkauf, ob beim Automobilhersteller oder -zulieferer, ob im Kindergarten oder im Pflegeheim. „Dieser Kontakt zu den Firmen und Unternehmen, vor allem zu den lokal ansässigen, ist uns sehr wichtig. Viele Unternehmer rufen auch bei uns an und fragen, ob wir nicht einen Auszubildenden für sie hätten“, betont der Rektor der Hohenhaslacher Werkrealschule, „unsere Schüler leisten während ihren Praktika in den Betrieben gute Arbeit, sodass stets alle Abschlussschüler auch einen Ausbildungsplatz haben.“

Ein Fünftel der Schüler einer neunten Klasse verlassen die Schule bereits mit dem Hauptschulabschluss, weil sie einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben. Die zehnte Klasse wird anschließend wieder mit neuen Schülern aus den umliegenden Gemeinden von Besigheim über Ingersheim bis nach Vaihingen und Mühlacker aufgefüllt. „Für viele Jugendliche ist unsere Werkrealschule genau die richtige Schulform. Wir konnten uns vom schlechten Image der ‚Restschule‘ oder ‚Verliererschule‘ befreien. Wir haben den gleichen Bildungsplan wie die Realschulen nur auf einem anderen Niveau“, macht Rainer Graef deutlich.

Vor einigen Jahren dachte er noch, dass die Werkrealschule in Baden-Württemberg keine Zukunft habe bei einer stärkeren Ausrichtung auf die Gemeinschaftsschulen. Diese Ansicht hat der engagierte Schulleiter jedoch inzwischen geändert. Er hat für den Fortbestand der Werkrealschule in Hohenhaslach gekämpft und vor allem ihre berufspraktische Ausrichtung immer wieder herausgestellt.

Nah an der Praxis

Bereits in den fünften und sechsten Klassen der Schule sammeln die Schüler erste Kontakte mit den Betrieben während Projektwochen im Rahmen des Technikprofils. In der siebten Klasse folgt das Sozialpraktikum für eine Woche, in den achten und neunten Klassen gibt es jeweils im Herbst und im Frühjahr ein einwöchiges Praktikum in einem Ausbildungsbetrieb. Und in der zehnten Klasse sind die Schüler jeden Dienstag in einem Unternehmen ihrer Wahl. „Die Resonanz ist sehr gut. Viele Schüler werden später in diesen Betrieben auch in ein Ausbildungsverhältnis übernommen. Der Begriff ‚Werkrealschule‘ ist daher eigentlich ganz gut gewählt, denn er betont die beiden Ausrichtungen auf die Berufspraxis und den Realschulabschluss. Der Begriff ‚Hauptschule‘ dagegen hat in der Gesellschaft ausgedient“, stellt Rainer Graef klar.

Info Am Freitag, 26. Oktober, dieses Jahres findet an der Werkrealschule der Kirbachschule in Hohenhaslach erstmals ein „Tag des Handwerks und der Bildungspartner“ statt. In diesem Zuge wird auch eine Berufsmesse veranstaltet.

Auslaufmodell Werkrealschule

Da viele Werkrealschulen auslaufen, gibt es dort laut Staatlichem Schulamt immer weniger Schüler.

1645 waren es insgesamt 2017/2018.

1056 sind es aktuell 2018/2019.

4 Werkrealschulen laufen mit Ende des anstehenden Schuljahrs aus.

2 voll ausgebaute Werkrealschulen gibt es im Kreis noch: die Hirschbergschule Ludwigsburg und die Kirbachschule Hohenhaslach.

53 Schüler starten dort insgesamt zum Schulbeginn, 37 davon an der Kirbachschule. bz

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