Protest Am 18. März entscheiden die Bürger

Auch die ehemalige Lederwarenfabrik in Vaihingen soll einem Wohn- und Einzelhandelskomplex weichen. Ob es dazu kommt, entscheidet sich am 18. März.
Auch die ehemalige Lederwarenfabrik in Vaihingen soll einem Wohn- und Einzelhandelskomplex weichen. Ob es dazu kommt, entscheidet sich am 18. März. © Foto: Helmut Pangerl
Mathias Schmid 03.01.2018

Die Stadt Vaihingen und ihre Bürger wollen eine belebte Innenstadt. Ob das Vorhaben der Stadt auf dem Enßle-Areal die richtige Wahl ist, ist umstritten. Dort soll ein neuer Wohn- und Einzelhandelskomplex entstehen. Eine Bürgerinitiative hat einen Bürgerentscheid am 18. März erwirkt. Konkret geht es darum, ob die Stadt ihre Pläne für einen Wohn- und Einzelhandelskomplex für drei Jahre auf Eis legt oder nicht? Bis dahin wollen beide Seiten für ihren Standpunkt werben.

Darum geht es: Die ehemalige Lederhandschuhfabrik sowie drei Bürgergärten im Besitz der Stadt sollen weichen. Dafür ist ein Komplex mit 1850 Quadratmetern Verkaufsfläche im Erd- sowie 15 Wohnungen im Obergeschoss geplant. Die Stadt verspricht sich eine Aufwertung der Innenstadt und eine Stärkung des Einzelhandels. Genau das bezweifelt die Bürgergärtenbewegung (BGB) und führt zudem umwelttechnische Bedenken an. Binnen kürzester Zeit waren im Herbst knapp 2400 Unterschriften gesammelt und somit ein Bürgerentscheid erzwungen. In den kommenden Wochen und Monaten geht es nun auch um die Informationshoheit.

Magnet versus Verödung

Das neue Areal, das bereits im Besitz der Stadt ist, soll ein „Magnet für den gesamten Marktplatzbereich und die Stuttgarter Straße“ sein, heißt es in einer Präsentation der Stadt. Genau das zweifelt die BGB an: „Ich mache mir extreme Sorgen, wie sich die Innenstadt entwickeln wird“, sagt der Initiativensprecher Jens-Uwe Dammann gegenüber der BZ. „Wenn der Bestand an Einzelhandelsfläche um 20 Prozent vergrößert wird, obwohl es schon jetzt Leerstände gibt, wird die Innenstadt veröden“, befürchtet er. Zumal aus seiner Sicht die Anbindung an das neue Areal fehlt. Ein Gutachten bescheinigt dem Standort hingegen eine positive Wirkung auf den Einzelhandel.

Eine Bürgerinfoveranstaltung Ende November hätte die Initiatoren in ihrer Meinung nur noch bestärkt. Unter anderem seien dort Dinge anders als bisher kommuniziert worden, betont Sprecher Dammann. Aus Sicht des 47-Jährigen gibt es noch erheblichen Aufklärungsbedarf. Ein Argument, das dort laut Stadtsprecherin Martina Fischer mehrfach aufkam, war der Online-Handel, gegen den man aus Sicht der Bürger ohnehin keine Chance habe. „Das sehen wir anders“, betonte Fischer gegenüber der BZ erneut.

Die Initiative will deshalb in den kommenden Tagen erneut eine Erklärung abgeben. Die Verwaltung ist ebenfalls aktiv, war mit einem Stand am Weihnachtsmarkt. Wie vom Gesetz verlangt, wird es auch eine Infobroschüre geben, die an alle Haushalte verteilt wird. Vaihingens OB Gerd Maisch glaubt, dass einige Menschen einfach noch nicht informiert sind. „Vereinfacht gesagt: Viele meinen, wir wollten die ganze Grünfläche überbauen und bewerben uns gleichzeitig für eine Gartenschau.“ Für ihn ist das kein Widerspruch, im Gegenteil: „Wir schaffen durch die Neugestaltung eine ganz andere Auftaktsituation“, betont Maisch, „städtebaulich als Anbindung an die Altstadt und in der Öffnung des Geländes, das eine der Eingangssituationen in die Gartenschau werden könnte.“ Maisch betont: „Wir glauben, dass wir gute Argumente haben, aber der Bürgerentscheid lässt uns ins Stocken geraten. Wir hoffen, dass die Menschen wenigstens informiert ihre Entscheidung treffen.“

Einfluss auf Stadtklima?

Ein weiteres Argument für die Bürgerinitiative ist der Erhalt des Mikroklimas in der Stadt. Die BGB beruft sich dabei unter anderem auf ein klimaökologischen Gutachten von 1994 des Unternehmens „Ökoplana“. In diesem „wird explizit erklärt, wie wichtig die unverbauten Köpfwiesengärten für den Luftaustausch innerhalb der Altstadt sind“, betonen die Initiatoren. Hinzu kommen Bedenken wegen verstärktem Kunden- und Lieferverkehr.

Dasselbe Büro wie 1994 kommt aber beim Vorhaben der Stadt zu der Auffassung: „Wenngleich das Neubauvorhaben an dieser Stelle den klimakölogischen Zielvorstellungen widerspricht, kann mit dem vorgelegten Planungskonzept eine klimaverträgliche Flächengestaltung realisiert werden. Eine stadtklimatisch bedeutsame Zusatzbelastung ist im Planungsumfeld nicht zu erwarten.“ Dieser Auffassung ist auch OB Maisch. „Wir nehmen 1700 von 35.000 Quadratmetern Grünfläche weg, erhalten aber einen großen Mehrwert.“